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Die Akte Jane - Poster
Die Akte Jane - Poster
© Buena Vista

Kritik: Die Akte Jane (1997)



Wann ist eine Frau ein Mann?

Daß es beim Militär ein bißchen ruppiger zugeht, das wissen wir. Hier wird niemand mit Samthandschuhen angefaßt, im Schlamm wälzt man sich, aus Abfallkübeln wird gefressen. Denn nur eine harte Schule sichert das Überleben im Ernstfall. Diese Lehrtortur muß auch Jordan O'Neil (Demi Moore) über sich ergehen lassen, die sich als weiblicher Testkandidat durch das Ausleseprogramm einer Eliteeinheit schlagen ... und dabei versagen soll. So hat sich das zumindest die Senatorin Lillian DeHaven (Anne Bancroft) gedacht, die einerseits aus reinem Opportunismus Offenheit für Gleichberechtigung propagiert, deren Hinterstübchen und Hintermänner aber ein Scheitern der "political correcten" Aktion von vorneherein miteinkalkulieren. Doch keiner hat mit Jordan O' Neil gerechnet, denn diese eiserne Frau droht sich wider Erwarten in der Männer- und Machodomäne durchzusetzen.

Ein Plädoyer für die Gleichberechtigung hätte "Die Akte Jane" werden können, herausgekommen ist jedoch fast eine Pervertierung dieser Menschenrechtsidee. Jordan O'Neil erprügelt sich Respekt, befreit ihren Schädel vom lästigem Haar, stählt den Körper zu einer fast entarteten Figur. Und dies alles nur zum Zweck, den Männern zu zeigen, daß die Frauen unerbittlicher und stärker als ihre Geschlechtsgenossen sein können. Wenn sich letzten Endes gar die Vulgärsprache als weibliche Waffe präsentiert, ein oraler Kontakt zur männlichen Anatomie die Kommunikationsebene dominiert, dann fragt man sich wirklich, ob den Autoren, dem Regisseur und der Hauptdarstellerin im Eifer des Gefechts vielleicht das Hirn abhanden gekommen oder hier hemmungsloser Zynismus am Werke ist.

Daß "Die Akte Jane" jedoch leider jede noch so plumpe und lautstarke Gleichberechtigungsphrase als richtungsweisende Moralpredigt verkaufen will, gibt den Film nicht nur zur erbitterten Diskussion, sondern zum gnadenlosen Abschuß frei. Ridley Scott hat sich in Inhalt und Form vergriffen und ein Militär- und Frauenbild entworfen, daß bei allem Patriotismus selbst den eingeschworensten Starrköpfen bitter aufstoßen dürfte.




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