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Kritik: Cold Comfort Farm (1994)


John Schlesingers Klassenkomödie über die Zeit der frühen 30er Jahre ist ein windig wirbelnder Filmspaß mit einer steifen Brise erfrischender Luft. Die ursprünglich fürs Fernsehen konzipierte Produktion hat ihren Aufstieg auf die große Leinwand wahrlich verdient, denn sie beindruckt in jeglicher Hinsicht durch eine ungezwungene Verspieltheit und den schmunzelnden Blick auf kleinste Details - zum Beispiel die Kulissen, die einen Bauernhof so liebevoll und herzlich zeichnen, daß man sich am liebsten mit im dekorativen Dreck suhlen möchte.

Auf dem Landsitz der Starkadders sind die Gardinen noch so verstaubt, wie sie in der Provinz eben verstaubt sein müssen, und das Geschirr wird traditionell mit Naturutensilien gereinigt, denn eine Plastikbürste wäre hier nur unnötig und hätte eher einen Ehrenplatz als Kostbarkeit in der Familienvitrine verdient. Misthaufen, tierisches Vieh und holzig rustikales Inventar: auf der Cold Comfort Farm gibt es alles, was ein guter Bauernhof braucht.
Auch die Bewohner des Gehöfts erhalten solch eigensinnige und eigenbrödlerische Züge, daß man sie einfach gern haben muß. Eine argwöhnische Bauersfrau, die Floras Zuzug aus London mit äußerst kritischen Blicken kommentiert, oder ihr Ehemann, der als Laienpriester seinen Mitmenschen den drohenden Weltuntergang prophezeit. Die Söhne des Hauses sind wirsch und trotzig, doch beide versuchen insgeheim den städtischen Gast zu beeindrucken, der eine durch Arbeitseifer, der andere mit provokativer Abneigung. So wenig es alle wollen, so sehr bringt Flora die heile Heu- und Haferwelt hemmungslos durcheinander, sie mischt sich überall ein und hat ihre Nase bald in sämtlichenStällen stecken. Und in Windeseile hat sie alle Naturburschen um den Finger gewickelt, denn ihre Natur ist unwiderstehlich herzlich und verführerisch offen.

Cold Comfort Farm" ist von der ersten bis zur letzten Minute ein Naturereignis, das auch Heuschnüpflinge und Tierallergiker unbekümmert Kinoluft genießen läßt. Der Film ist traumhaft schön, wie seine Hauptdarstellerin Kate Beckinsale, an manchen Stellen mystisch-märchenhaft wie die Nebenfigur der zarten Elfin (Maria Miles) und ununterbrochen grotesk, komödiantisch und überraschend wie die Auftritte der Hofmatriarchin Ada (Sheila Burrell), die vor langer, langer Zeit etwas Schreckliches im Holzschuppen gesehen hat. Was sie nun genau gesehen hat, bleibt auch zum Schluß das Geheimnis des Filmes, genauso wie das Schicksal ihrer bäuerlichen Hauptfiguren, die aufgebrochen sind, die Welt in Hollywood als deftiger Schauspieler, als Wanderprediger auf dem Erdenrund oder als Grande Dame in Paris mit ihrem herben Charme zu entzücken. Doch wäre das nicht der wundervolle Stoff für eine Fortsetzung: "Cold Comfort Farm on Tour". Wir warten hoffnungsvoll und sind gespannt!




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