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Für immer und immer - Lili Bohm
Für immer und immer - Lili Bohm
© Pandora Film

Kritik: Für immer und immer (1996)


FÜR IMMER UND IMMER - Emotionale Belastungsprobe

Filme über Adoptivkinder, die sich auf die Spurensuche nach ihren leiblichen Eltern machen, lieferte das vergangene Kinojahr mit "Lügen und Geheimnisse", "Mighty Aphrodite" oder "Flirting with Desaster" in überwiegend heiterer, wenn auch durchaus kritischer Weise. Hark Bohm ("Moritz, lieber Moritz") dreht den Spieß nun komplett um. Erstens, indem er die Mutter plötzlich ins Leben der glücklich in ihrer Adoptionsfamilie lebenden Tochter treten läßt. Zweitens durch die Verlagerung des Plots auf Drama- und Thrillerebene. Das Ergebnis ist dabei nicht nur für die Filmfiguren quälend. Ein durchaus beabsichtigter Zustand, auf den der Hamburger Regisseur da zusteuert. Sehr früh bereits läßt er erkennen, wo der Hase langläuft: Kreativfrau Melanie kriegt beim anhaltenden Geschrei ihres Neugeborenen regelrechte Koller, dreht durch und erstickt das Kind. Dies bleibt zwar ihr Geheimnis, die Belastung aber steigt ins Unermeßliche. Zumal ihr von der alles besser wissenden Mutter eingebleut wird, daß sie ihren adretten Designertypen-Ehemann ohne Kind wohl kaum halten kann. Das bringt die psychopathische Melanie auf die Idee, sich an ein weiteres Geheimnis zu erinnern: ihre inzwischen fünfjährige ochter Maria. Der geht's in der Familie von Schlepperkapitän Tobias mehr als gut, gilt sie doch dort als gleichberechtigtes und vollwertiges Mitglied einer harmonischen Gemeinschaft. In dieser Idylle beginnt Melanie nun zu stochern und nähert
sich Maria, die die Begegnung mit ihrer "neuen" Mutter (nicht nur der vielen Versprechen wegen) ganz spannend findet. Tobias und vor allem seine Frau Susanna stehen der Annäherung wesentlich skeptischer gegenüber. Ihre Sorge nimmt bisweilen hysterische Züge an. Erst recht, nachdem ihnen aufgrund der geltenden Adoptionsgesetze und der Entscheidungen des Vormundschaftsgerichts die Hände gebunden sind.
Die charakterliche Beschreibung und emotionale Entwicklung der Figuren ist Hark Bohm und seinem Schauspielerstab vollauf gelungen. Antipathien für die "böse Mutter" hin oder her - gerade durch seine extreme Situation und die Berücksichtigung auch der Seelenlage der kleinen Maria ist "Für immer und immer" ein Thriller, der aufwühlt und zur Stellungnahme zwingt.




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