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Kritik: Maximum Risk (1996)


Nein, nein, ich habe keine Vorurteile, keine negativen Erwartungen und bin völlig unvoreingenommen, obwohl der Film Maximum Risk heißt, obwohl der Hauptdarsteller ein gewisser Belgier ist und obwohl der Regisseur den außergewöhnlich orginellen Künstlernamen Ringo Lam trägt.
Aber spätestens nach zwei Minuten objektiven Abwartens sind alle guten Vorsätze dahin. Jean-Claude hechtet kreuz und quer durch Nizzas enge Gassen, verfolgt durch mysteriöse Gangster testet er unfreiwillig Stoßdämpfer von zufällig am Gassenrand stehenden Kraftfahrzeugen. Doch das Gehetze nimmt ein jähes Ende. Ein Moped fühlt sich plötzlich zu Höherem berufen und hebt flügellos vom Boden ab; Jean-Claude stürzt Kopf voran in die Windschutzscheibe eines Autos und, jammer, schluchz, ist mausetot.
Doch alle van Damme-Allergiker haben sich zu früh gefreut. Kurze Zeit später taucht am Unfallort ein Polizeiinspektor auf, der unserem toten Mann zwischen den Glassplittern wie aus dem Gesicht geschnitten gleicht. Der Zuschauer ist erstaunt, aber auch Inspektor Alain Moreau wirkt ziemlich verdattert, denn bisher wußte er ebenfalls nichts von einem Zwillingsbruder. Doch was nicht ist, kann ja noch werden, und Moreau macht sich auf die Suche nach den Mördern und der Vergangenheit seines unbekannten Bruders. Was nun folgt ist eine Geschichte mit Löchern wie in einem Sieb, durch das jegliche Logik und Wahrscheinlichkeit hindurchfällt. Unser Held gerät in die Fänge der Russenmafia, in unsaubere Machenschaften des FBI und in die Arme einer wunderschönen Frau. Klingt ziemlich banal, ist es auch. Die Handlung führt immer und immer wieder zu Schauplätzen, an denen höchstes Risiko herrscht, an denen unser Jean-Claude seine tollen Kick-Box-Künste vorführen kann, und keiner seiner Gegner hat natürlich eine Chance.

Maximum Risk
ist ein Film, der sämtliche Zutaten des Action-Kinos wie auf einer Einkaufsliste nacheinander abzuhaken versucht. Schlägereien en masse; abgehakt. Feuergewaltige Explosionen, abgehakt. Die Verführung einer attraktiven, in Ehrfurcht aufschauenden Mieze, abgehakt. Jean-Claudes Knackarsch in Großaufnahme, abgehakt. Doch wie schafft ein Filmemacher es, den muskulösen Oberkörper unseres Helden imposant und schweißnaß zu präsentieren? Nun, Ringo Lam verlegt eine Schlägerei einfach in die Sauna, abgehakt.

Ansonsten wandelt das Werk ebenfalls nur noch in plumpen "Ramsch-Wühltisch-Sphären". Jean-Claudes Bizeps zeigt auch in diesem Film mal wieder mehr Mimik als das eigentlich dafür zuständige Körperteil. Die Action-Szenen verkommen zu blassen, schon tausendmal gesehenen Lückenbüßern und das saugeile Finale in einer Schlachtschwein-Lagerhalle gerät darüberhinaus zu unfreiwilligem Trash. Peinlich werden dann nur noch psychologische Spielversuche, wenn man den um seine Zwillingshälfte beraubten Jean-Claude traumatisch in einen zersplitterten Spiegel blicken läßt.

Zugegeben, Action-Filme respektieren fast nie Logik und Wahrscheinlichkeit. Zugegeben, Action-Stars bestechen immer vorrangig durch physische Präsenz. Zugegeben, Highlights des Action-Kinos bedienen sich grundsätzlich der gleichen Handlungsmuster, doch ein Glanzlicht ist Maximum Risk mit seiner platten Plagiathascherei noch lange nicht.




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