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Kama Sutra - Die Kunst der Liebe
Kama Sutra - Die Kunst der Liebe
© Pandora Film

Kritik: Kama Sutra - Die Kunst der Liebe (1995)


Kama Sutra erteilt "Lehrstunden der Liebe", denn das bedeutet der Titel. Der Film zeigt, was Frauen mit Wissen um "die Liebe" erreichen können - und was nicht; er handelt von der gesellschaftlichen Stellung indischer Frauen gestern und heute.

"Kama Sutra" ist ein romantisches indisches Märchen aus dem 16. Jahrhundert. Es erzählt von zwei Freundinnen, die eine Prinzessin, die andere Dienerin. Schon früh tanzt Maya (Indira Varma) kunstvoller und aufreizender als ihre junge Herrin Tara (Sarita Choudhury). Dafür erhält sie wertvolle, schöne Geschenke - die meist schon von Tara getragen wurden.
Doch vor Taras Hochzeit kehrt sich die Situation um: Tara wird jetzt mit einem "gebrauchten" Mann Mayas leben müssen!
Die schöne Dienerin schlüpfte in das Zelt des königlichen Gatten Raj Singh und hinterließ bei ihm einen unvergeßlichen Eindruck. Als Zeichen der Entjungferung und des Betruges findet Taras Mutter kein Blut, sondern das rote Tuch Mayas im Bett des Königs. In das Gefühlsdrama mischt sich noch der mißgestaltete Bruder Taras. Seine Gefühle erwidert Maya nicht und wird deshalb vom Hof verstoßen. Als sie die Stadt verlassen muß, läuft ihr ein Schar Kinder entgegen - Maya entschreitet ihrer Kindheit.

Nach einer verzweifelten Wanderung durchs Land vertieft sich Maya in die Liebeslehren der reifen und berühmten Rasa Devi, um als Konkubine ihre Macht über die Männer auszuüben. Die Begegnung mit dem königlichen Bildhauer Jai entwickelt sich zu einer intensiven, doch einseitigen Liebesbeziehung. Aber auch der König Raj Singh wird über eine Statue Jais erneut auf Maya aufmerksam gemacht...

Wie in den früheren, sozial engagierten Filmen der Inderin Mira Nair "Salaam Bombay" (1988, Camera d'Or in Cannes) und "Mississippi Masala" (1991) steht erneut ein Frauenschicksal im Zentrum - die stolze Maya sagt vor der Kulisse Indiens im 16 Jahrhundert "Ich nehme mein Schicksal in meine eigenen Hände!"

Mira Nair studierte in New York Film und drehte danach Dokumentationen. So ist "Kama Sutra" gleichzeitig aktuell gültiges Sozialstück und ein romantisches, traditionelles Märchen - das allerdings weit entfernt ist von dem wunderbar-bunten Kitsch typisch indischer Melodramen. (Eine Ahnung vermitteln die indischen Soap-Operas, die über den Satelliten Astra zeitweise unverschlüsselt zu empfangen sind.)

"Kama Sutra" erzählt viel über Frauenrollen und Gesellschaftsstände, zeigt wie selbst Prinzessinnen vom Besitztum des Vaters in das des Ehemanns übergehen. Der Film ist sehr farbig und sinnlich; vielleicht als Vorübung drehte Mira Nair einen erotischen Kurzfilm für Arte. Entgegen vielen Erwartung bietet "Kama Sutra" keineswegs eine Bildersammlung sexueller Stellungen. Es geht um Liebe, das harmonische Miteinander von körperlicher und seelischer Vereinigung. Die Hochzeitsnacht des Königs mit Tara verläuft grob und ungeschickt, ganz anders, als es Rasa Devi nach dem Kama Sutra lehrte. Wesentlich kunstvoller lenkt Maya den Herrscher, als sie als Konkubine an den Hof zieht. Die Erkenntnis: Zwar kommen die Frauen mit den Künsten der Liebe eher an ihr Ziel, doch glücklich werden sie auch nicht, nur stark.

Auf der anderen Seite ein leicht differenziertes Männerbild: Ein übermütiger, vermessener König, nur an Frauen interessiert und seine Pflichten vernachlässigend. Jai war einst ebenso, die Liebe zu Maya wandelte ihn jedoch.

Vor diesem interessanten Hintergrund kann die Story ruhig richtig schön trivial sein: Der Bildhauer Jai ist nicht nur die Krönung der vielen gut gebauten, dunkelhäutigen Männer mit dunklen Haarprachten. Als verheimlichter Sohn einer Konkubine des alten Königs wäre er sogar der erstgeborene Thronfolger. Die
Rivalität zwischen Jai und Raj spielt sich auf mehreren Feldern ab. Doch Jai darf nur verlieren, der königliche Bildhauer endet in Ketten als Steinmetz.

Für indische Verhältnisse stellt "Kama Sutra" mit nur einigen Nacktszene eine gewaltige Provokation dar. Mira Nair mußte vor Gericht gegen eine Zensur vorgehen, die ganze 15 Minuten Film wegschneiden wollte.




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