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Kritik: Set it off (1996)


Gewalt und Kriminalität haben immer eine Ursache. In Set It Off ist es eine dreifache Ursache, ein dreifacher Verlust, welcher die vier Freundinnen Stony (Jada Pinkett), Cleo (Queen Latifah), Frankie (Vivica A. Fox) und Tisean (Kimberly Elise) dazu bewegt, Bankräuberinnen zu werden. Frankie verliert
ihren Job, Stony ihren Bruder und Tisean ihr Baby. Von Anfang an steht der Zuschauer auf der Seite der vier Frauen. Er erlebt den Hauch von Hoffnung und von Abenteuer mit, der mit den ersten beiden Überfällen einhergeht, aber auch die Spirale der Gewalt, die sich langsam zu drehen beginnt. Natürlich
übertreiben es die Frauen schließlich, die letzte Bank ist eine Nummer zu groß, sie werden gestellt. Doch wieder ist es die Verständnislosigkeit und kalte Übermacht der Umwelt, die sie ins Verderben führt. Am Ende wird nur einer die Flucht gelingen, nur sie wird überleben, die stärkste der vier Heldinnen, der der Film schon früh die größten Sympathien zuschreibt.

In dieser Hinsicht ist das Drehbuch konsequent, es zeigt nicht nur die Ursachen von Gewalt, sondern auch die Folgen und läßt dennoch Gnade vor Recht ergehen, wenn es Stony, die uns nach zwei Stunden ans Herz gewachsen ist, in die Freiheit
entläßt. Leider wird die Story mit dem Holzhammer vorangetrieben, alles geht etwas zu schnell und zu einfach, um glaubhaft zu wirken. Manche Szenen wirken übertrieben deutlich und überspielt.

Man merkt Set It Off an, daß sowohl Regisseur F. Gary Gray als auch sein Kameramann Marc Reshovsky bisher vor allem Musikvideos gedreht haben. Die Bilder des Films sind glatt und perfekt, teilweise wirklich schön. Doch irgendwie passen die schönen Bilder, zumindest im ersten Teil des Films, nicht so recht zum Inhalt. Das harte Leben ist eben etwas zu hübsch verpackt, und die Bilder können es nicht so recht verständlich machen, weshalb die vier Frauen eigentlich aus ihrer Vorstadt-Welt entfliehen wollen. Auch die Besetzung wirkt nicht ganz glücklich. Queen Latifah, die Cleo darstellt, ist als weiblicher Rambo mit männlichen Zügen zwar in ihrem Element, und Kimberly Elise spielt die naive Tisean in ihrem Spielfilmdebüt überzeugend. Doch nimmt man der eleganten Vivica A. Fox als Frankie die Bankräuberin nicht so recht ab. Und auch Jada Pinkett als Stony macht die Ambivalenz zwischen einer verletzbaren Frau und einer (eben doch) gefährlichen Ganovin nicht wirklich glaubhaft.

Doch können diese Unstimmigkeiten vergessen werden, wenn sich der Film gegen Ende auf seine Stärken besinnt: auf pralle Action und rasante Verfolgungsjagden. Dann ist Set It Off wirklich fesselnd, bis zum gelungenen Schluß. Die Freundinnen gehen ihren Weg bis zum Ende, sie ergeben sich dieser Welt nicht, die sie nicht wollte. Cleo, Frankie und Tisean
bezahlen mit ihrem Leben, nur Stony entkommt. In der letzten Einstellung
des Films fährt sie in einem offenen Jeep an einer Meeresküste entlang. Keith, ihr reicher Freund, versprach ihr Sicherheit und Luxus. Doch sie hat sich gegen die Sicherheit entschieden, gegen die Liebe. Und für die Freiheit.





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