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Freeze - Alptraum Nachtwache
Freeze - Alptraum Nachtwache
© Kinowelt

Kritik: Freeze - Albtraum Nachtwache (1997)


Wann bekommt man im Leben schon mal eine zweite Chance? Bestimmt nicht dann, wenn man sie braucht. Für den dänischen Regisseur Ole Bornedal war eine wiederholte Bewährungsprobe am selben Stoff im Grunde eigentlich auch überflüssig. Denn sein Spielfilmdebüt "Nachtwache" zählte 1995 zu den angenehmen Überraschungen des Jahrgangs und darüber hinaus zu einem würdigen Thriller in bester Tradition von Hitchcock & Co. Bornedals Geschichte um eine ungewöhnliche Mordserie an Prostituierten bestach damals durch eine ausgefeilte und virtuose Spannungsdramaturgie. Der angsteinflößende Krankenhaus-Nachtwächterjob eines Studenten wurde begleitet von einem mitreißenden, manchmal fast makabren Humor. Und nicht zuletzt die leicht überspitzten und im wahrsten Sinne des Wortes miteinander spielenden Figuren machten aus dem dänischen "Nattevagten" einen europaweit erfolgreichen Film, dessen Thrill man sich auch gerne ein weiteres Mal aussetzen würde.

Was ist nun passiert? Die amerikanische Nation mag angeblich keine Synchronisationen und schon gar keine dänischen Dialoge mit englischen Untertiteln auf der Leinwand. Aus diesem Grund lieferte man "Nattevagten" in die Wiederaufbereitungsanlage Hollywood ein, und herausgekommen ist "Freeze", ein Film, der angeblich die gleiche energiegeladene Geschichte erzählt, aber im Grunde durch und durch mit amerikanischen Plakativitäts- und Entschärfungmaßnahmen verstrahlt wurde. Der Störfall "Freeze" legt nur Hand an, wo die Dänen diverse Schweinereien im Restaurant noch mündlich verrichteten. Die Vorurteile gegenüber einem prüden Land werden eindrucksvoll bestätigt, wenn ein für die Logik der Geschichte nicht gerade unwichtiges, erotisches Schäferstündchen in der Leichenhalle schlicht und einfach gestrichen wird. Und Nebenfiguren, die einst noch in Taufbecken kotzten, verkommen in "Freeze" zu bloßen Stichwortgebern und den üblichen Verdächtigen. Ein enttäuschendes Unterfangen, einem Original beinahe sämtliche Ecken und Kanten zu nehmen. Selbst unter der Aufsicht des ursprünglichen Regisseurs ist das Remake nicht mehr als eine verwaschene Kopie geworden. Man hatte es ja schon fast befürchtet.





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