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Kritik: American Werewolf in Paris (1997)


Trendspotting, Horrortrip und animalische Metamorphosen

Wer zu seiner Schande gestehen muß, daß er die Londonetappe des amerikanischen Werwolfes aus dem Jahr 1981, wenn schon nicht im Kino, dann noch nicht einmal auf einem Substitutmedium zu Gesicht bekam, outet sich schon an dieser Stelle als Horrorbanause. Zumindest entgeht er aber dadurch der Gefahr, sich auf den ewigen und oft ins Sinnlose führenden Vergleichspfad zu begeben. Natürlich ist das Original immer besser!?

Natürlich sind Fortsetzungen immer nur billiger Abklatsch!? Und natürlich ist der Vorreiterfilm einer Reihe schon bei Bekanntgabe der ersten Sequel-Gerüchte Kult und gleichzeitig Filmklassiker!? Diesem schon so oft bestätigten und widerlegten Filmgesetz werde ich wohl keinerlei zusätzliche Beweisketten hinzufügen (können). Was bleibt, ist ein eineinhalbstündiges Werk, der sich ganz alleine, ohne filmhistorische Verstärkung zu rechtfertigen hat.

Für die drei jugendlichen, amerikanischen Rucksacktouristen Andy, Brad und Chris ist der Trip in die französische Weltmetropole Paris eine nur zu willkommene Gelegenheit, ihre überschäumende Abenteuer- und Adrenalinlust auszuleben. Bungee-Jumping vom Eiffelturm, europäisch-kultivierte, weibliche Kost, exzessive Feten - Erst fern der Heimat traut man sich das, was man vorher nicht einmal zu denken wagte.

Doch weit weg von der Heimat schlagen eben auch die Uhren ein bißchen anders. Denn der Seilsprung verläuft nicht wie geplant. Die französischen Frauen sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Und eine Vollmondparty in Geheimtipgemäuern steht hier unter ganz anderen Sternen, zumal diese beileibe nichts Gutes verheißen. Mondschein weckt das Tier im Manne, im Weibe. So lernen unsere drei, kleinen Amerikanerlein eine zähnefletschende und blutrünstige Seite der Stadt der Liebe kennen .

"An American Werewolf in Paris" ist die geschickte Reaktion auf sämtliche marktwirksamen Kinotendenzen der letzten Zeit. Für identitätssuchende Teens und Twens präsentiert er uns sympathische Figuren der X-Generation, die mehr und mehr meint, im Rudel auftreten zu müssen. Denn erweiterte Identifikationsangebote sind heutzutage immer besser (und erfolgreicher) als konzentrierte. Wie die Spice Girls dem pubertierenden und reifenden Sortenreichtum ihren musikalischen Tribut zollen, überträgt sich diese protagonistische Typenpalette zwischen schüchtern und schrill nun auch aufs filmische Charakterfach fürs junge Publikum.

Fortsetzung des Trendspottings: Für die Freunde digitaler Schöpfungspielchen erschuf das SFX-Department ungebändigte, werwölfische Bestien und Verwandlungsvorgänge. Und selbst der religiöse, oder besser blasphemische Zuschauer kommt nicht zu kurz, denn Friedhöfe, Gruften und Kapellen sind nächtliche Stationen einer animalischen Passionsgeschichte. Daß bei diesem unkoordinierten Kauderwelsch aus den unterschiedlichsten Versatzstücken schließlich doch ein durchaus unterhaltsamer Spaß herausgekommen ist, spricht im Grunde gegen den Film, aber für eine entfesselt fesselnde Kameraführung und die Entscheidung, sich selbst nicht ganz ernst zu nehmen. So haben SteadyCam und Ironie letztendlich zumindest eines erreicht: Eine haarsträubende Bildungslücke wird bald mit einem Horrortrip ins London von 1981 geschlossen werden.





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