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Metro - Verhandeln ist reine Nervensache
Metro - Verhandeln ist reine Nervensache

Kritik: Metro - Verhandeln ist reine Nervensache (1997)


Daß Eddie Murphy schnell reden kann, wissen wir alle. Daß diese schnelle Klappe auch im Falle einer Geiselnahme weiterhelfen kann, versucht er nun als Scott Roper in "Metro" unter Beweis zu stellen. Roper ist Verhandlungsspezialist der Polizei von San Francisco und wickelt brutale Geiselgangster mit schnellen Sprüchen ein. Keinesfalls schreckt er jedoch davor zurück, geübt zur Knarre zu greifen, sollten alle Verhandlungen erfolglos bleiben. Sein Gesicht wirkt ernst in solchen Szenen, beinahe grimmig, und tatsächlich zeigt sich Murphy in dieser Rolle von einer ernsteren Seite als in früheren Filmen oder zuletzt in "Der verrückte Professor". In "Metro" erinnert Murphy weniger an seine früheren Auftritte als Quasselstrippe, sondern tritt eher in die großen Fußstapfen von Action-Helden wie Schwarzenegger, Stallone oder Willis: Der Film ist auf Eddie Murphy alias Scott Roper zugeschnitten, er stellt diese Figur in den Mittelpunkt und läßt kaum ein schlechtes Haar an ihr.

Roper ist fit, schnell, souverän und wird von seinen Kollegen respektiert. Er hat Lebensstil, mag gutes Essen mit teurem Rotwein und fährt gern in offenen Wagen.
Die Beziehung zu seiner Freundin Ronnie ist nur deshalb belastet, weil sich der nach außen harte, aber durchaus gefühlvolle Roper ihr gegenüber nicht öffnen kann und sie in Erfüllung seiner Pflicht vernachlässigt. Mit ein wenig Zuwendung ist das Problem aber schnell aus dem Weg geräumt. Auch mit dem neuen, blutjungen Kollegen Kevin McCall versteht sich Roper nach anfänglicher Skepsis blendend, und die beiden bilden ein schlagkräftiges Team.

McCall wird gespielt von dem jungen Michael Rapaport, der bereits in Tony Scotts "True Romance" und kürzlich in Woody Allens "Geliebte Aphrodite" zu sehen war. Rapaport spielt unauffällig, ist sparsam mit seiner Mimik und verkörpert den Musterknaben von der Polizeischule gerade dadurch glaubwürdig.

Der Gegner der beiden Polizisten, Michael Korda, ist kein besonders vielschichtiger Charakter. Dafür wird er als bedingungslos böse dargestellt, und zwar von Michael Wincott. Wie schon in "The Crow" von Alex Proyas spielt Wincott auch in "Metro" den Bösewicht mit einer grimmigen, düsteren Ader und sorgt so für viel Atmosphäre.

Solide Charaktere sind die Basis, von der dieser Film startet, doch seine Stärken spielt er erst in voller Fahrt aus. Welche Stärken das sind, zeigt sich in einer Szene, als Korda während einer Verfolgungsjagd auf ein Cable Car aufspringt, den Fahrer erschießt und dieser im Fallen die Bremse löst. Die Straße ist steil, es gibt kein Halten mehr, der Zuschauer fährt mit in diesem Cable Car und ist der Geschwindigkeit des Films ausgeliefert: Achterbahn im Kino. Überraschend ist das nicht, neu auch nicht, aber es ist perfekt und fesselnd bis zum durch viel Pyrotechnik unterstützten Tod des Schurken.

Dabei ist "Metro" durchaus nicht eingleisig.
Der Zuschauer wird nicht nur durch die eindrucksvolle Materialschlacht in Atem gehalten. Immer wieder entsteht durch die Figuren, aber auch durch das Spiel mit Erwartungen, Spannung. Es ist klar, daß Ropers Freundin Ronnie bedroht ist, als sie ins Badezimmer geht. Zweimal schließt sie die bespiegelte Tür des Kosmetikschranks, zweimal rechnen wir damit, daß im Spiegel ein Mörder zum Vorschein kommt, der hinter ihr lauert. Der kommt dann auch, aber erst ein bisserl später.

Zum Schluß hat Scott Roper alles geregelt:
Gemeinsam mit Freundin Ronnie liegt er an einem palmenbestandenen Strand und läßt sich die Sonne auf den Bauch scheinen - Gelegenheit für den Zuschauer, sich von der schwindelerregenden Action zu erholen und ein wenig neidisch zu sein auf Supermann Eddie Murphy.





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