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Kritik: Nirvana - Die Zukunft ist ein Spiel (1997)


Byte meets Budha:
Nirvana (lt. Duden):
(sanskr.; "Erlöschen, Verwehen") das; -(s):
im Budhismus die völlige, selige Ruhe als
erhoffter Endzustand.

Am ersten Tag war da nur eine existenzielle Idee um Geburt, Wiedergeburt und Tod. Ein Regisseur sprach, es spiele alles in der Zukunft und er sah, daß es gut war.
Schon am zweiten Tag nahm er charismatisch blaue Augen und erschuf den Computergame-Creator Jimi (Christopher Lambert) und er sah, daß er schön war.

Am dritten Tage erfuhr der italienische Möchtegernphilosoph von der Notwendigkeit fleischlich-menschlicher Gelüste für den kommerziellen Markt und er formte die formschöne Lisa (Emmanuelle Seigner), die Jimi verläßt; und von da an war sie das paradiesische Objekt seiner Träume, denn nie wieder würde sie zurück in seinen Schoß kehren. Und Regisseur Gabriele Salvatores stellte fest, das ist genug Liebesleid; es fehlt ja noch die Action.
In der Mitte der Woche, am 4. Tag, erfand man deshalb einen bösen Virus, der den Figuren des neu entwickelten Computerspiels "Nirvana" ein reales Bewußtsein verleiht und sie außer Kontrolle geraten läßt. Und Jimi merkte nun, daß das nicht gut war; und deshalb versuchte er mit allen Mitteln diesen viralen Infekt auszukurieren, und das mit einer Rehabilitationszeit von weiteren 3 Tagen.

Glücklicherweise hat die Woche ein Ende und der 7. Tag ist endlich da. Jimi ist Lisa auf virtuellem Wege wieder ein wenig näher gekommen und der Virenbande wurde eine kräftige Abreibung verpaßt. So findet alles einen gottgewollten Ausgang

Der italienische CyberSpace-Beitrag "Nirvana" hat in jeglicher Hinsicht biblische Ausmaße, denn schon in den ersten von 114 Minuten glaubt man, sich im Zeitraum der Überlänge zu befinden. Grund für diese langen Weilen ist ein unendliches Tohuwabohu aus "Blade Runner"-Anleihen, philosophischem Geschwafel und einer brüchigen, um Verlegenheitsdramaturgien herumschwänzelnden Story, die eine Vielzahl nutzloser Figuren in einer kalten Zukunftswelt die "wirkliche Wahrheit" suchen läßt. So faszinierend die Future-Utopien in den Köpfen der Macher auch gewesen sein mögen, so peinlich-billig wirken Schauplätze, bei denen der angestrebte Perfektionswillen bei weitem verfehlt wurde. Selbst das ansatzweise phantasievolle Set-Design bei Jimis finalem Gang durch einen virtuellen Raum machen diesen Eindruck nicht mehr wett.

Sicherlich ist es immer eine Frage des Geldes, insbesondere im europäischen Filmgeschäft, überhaupt Science-Fiction-Filme, Zukunftswelten auf die Beine zu stellen. Doch angesichts der, im Vergleich zu amerikanischen Großproduktionen, raren finanziellen Möglichkeiten sollte man das Hauptaugenmerk auf filmische Mittel legen, die auch tatsächlich perfekt zu verwirklichen sind, anstatt mit einem Schielen über den großen Teich das gesamte Werk in einem kitschigen und aufdringlich bemühtem Pompgewitter zu ersticken. Ansatzweise finden sich sogar solch individuelle, zwar simple, aber dennoch wirkungsvolle Ideen, sei es mit digitalen Farbeffekten oder mit Hilfe innovativer Blendtechniken, die den multikulturellen und virtuellen "Etagen" des Filmes eindrucksvolle Momente entlocken können.

Doch leider bleiben es nur Momente und wir warten lieber noch eine Woche länger, um uns den fünf, hoffentlich durchgängig mitreißenden, Elementen zu widmen, die uns ein französischer Regisseur mit Hollywood-Budget im Nacken präsentieren wird. Und was sind sieben Tage Warten. Schon das alte Testament lehrte uns: In dieser Zeit werden Welten erschaffen.





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