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Kritik: Dark City (1997)


Er wandelt durch die namenlosen Häuserschluchten, ohne Gedächtnis, verfolgt von der Polizei und namenlosen Fremden. Nur ein Anrufer, irgendein Doktor, hatte ihn gewarnt, als er aufgewacht war und die schrecklich entstellte Leiche einer jungen Frau neben seinem Bett entdeckte. Er hat weder einen Hinweis auf die Geschehnisse, noch weiß er, wer er ist.
Seine Brieftasche nennt ihm seinen Namen: John Murdoch. Er scheint eine Frau zu haben und eine Wohnung. Warum erwachte er dann in dem Hotelzimmer?
Noch hat die Polizei keinen Hinweis, wo er sein könnte, aber diese Fremden, Kinder und Männer mit bleichen Gesichtern, gekleidet mit Trenchcoat und Hut, die ihn da verfolgen, scheinen alles zu wissen: Wer er ist, was er tat und warum er hier ist. Und sie wollen ihn töten.
Alex Proyas neuer Film lebt von dieser düsteren Prämisse. Sein Hauptdarsteller steht im Dunkel der nie von der Sonne beleuchteten Großstadt, aus der es kein Entrinnen gibt. Ähnlich Kafkas Schloß scheint hier nirgendwo ein Ausweg zu sein. Es folgen immer neue Häuserschluchten, das angeblich so nahe Meer bleibt ein Traum. John Murdoch verirrt sich in diesen Schluchten, wie er sich in seinem Inneren verirrt hat. Ohne Gedächtnis versucht er seiner Vergangenheit auf den Grund zu kommen. Aber auch die anderen Bewohner der Stadt haben nur vage Erinnerungen, die, wenn man nachfragt, unwirklich erscheinen.
Eine spannende Geschichte, die schon fast surreal wirkt. Proyas verpackt sie in stilisierte, an den Film Noir erinnernde Bilder, die, ebenso wie die Welt und die Geschichte, synthetisch und natürlich zugleich wirken. Auch die Charaktere erinnern vage an dieses Thriller Genre: Der von Rufus Sewell gespielte Murdoch ist eine Person ohne Namen, von der man nicht wissen kann, ob er den Mord vielleicht doch begangen hat. Aber auch Dr. Schreber (Kiefer Sutherland) und Inspektor Bumstead (William Hurt) wirken unantastbar und zwiespältig. Nur Murdochs Frau Emma (Jennifer Connelly) scheint ehrlich zu sein und ihn zu lieben.
Proyas' Geschichte ist äußerst spannend und virtuos erzählt. Er verläßt sich fast ausschließlich auf das hervorragende Schauspiel seiner Darsteller und auf die eindringliche Bildersprache. Gerade letztere wird durch die Dialogarmut des überdurchschnittlichen Drehbuchs perfekt unterstützt. Leider macht er seine faszinierende Erzählweise an manchen Stellen durch den etwas wirren Schnitt wieder zunichte.
Zurück bleibt ein sehr guter, düster erzählter und vor allem unheimlich spannender Thriller der Extraklasse, der aufgrund seines skurrilen, alptraumhaften Schauplatzes sehr atmosphärisch wirkt. Da fällt das eher psoitive und dadurch anachronistisch wirkende Ende fast schon negativ auf. Hier scheint der Regisseur Tribut an Hollywood gezahlt zu haben.





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