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Liebe und andere Katastrophen (1996)

Love and other Catastrophes

User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse ??? / 5

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Liebe, Sex und ein toter Dozent sind nur einige der Herausforderungen, die fünf Studenten an einem Tag zu bewältigen haben. Mia und Alice, beide Studentinnen der Filmtheorie, haben gerade ein neues Loft bezogen, in dem noch ein Zimmer frei ist. Danni, Mias Freundin, würde gern einziehen, aber Mia hat Angst vor zuviel Nähe - außerdem hat sie viel Wichtigeres zu tun. Um bei ihrem Lieblingsdozenten studieren zu können, bleibt ihr nur noch dieser eine Tag, den Studiengang zu wechseln - und damit fangen die Probleme an: Der Bibliotheksrechner will plötzlich $663 Säumniszuschlag kassieren; Mias jetziger Tutor Professor Leach rächt sich für ihr Desinteresse und verweigert die Unterschrift zur Freigabe; Danni, mit der sie eine Liebesbeziehung hat und die zu ihr ziehen will, wartet auf eine Entscheidung - und das ist nur der Anfang eines miserablen Tages.
Alice dagegen hat nur das winzige Problem, daß sie seit vier Jahren zögert, ihre Doktorarbeit über “Doris Day als feministische Kämpferin” abzugeben. Und außerdem ist sie seit drei Jahren ohne Beziehung. Wobei es doch eigentlich nicht so schwierig sein dürfte, einen Mann zu finden, der “ehrlich und Linkshänder” ist, und der die gleichen Filme mag! Bei ihrem Job im Uni-Café verliebt sie sich in Ari, einen Studenten der Alt-Philologie und nebenbei Teilzeit-Gigolo - auch “Warren Beatty der Uni” genannt. Während Alice versucht, Ari anzumachen, wird sie heimlich von Michael, einem schüchternen Medizin-Studenten aus der Provinz und Linkshänder, verehrt, der in der wüstesten WG der Gegend wohnt und dringend eine neue Bleibe sucht. Nebenbei hat er für einen Mediziner keinen schlechten Filmgeschmack... Ari wird von existentiellen Problemen geplagt. Ist Jung sein Leitbild ... oder John Lennon? Kann Monogamie für ihn eine dauerhafte Option sein? Vor seinem Lunch-Date mit Alice gibt er Michael noch den heißen Tip für das Zimmer bei Mia und Alice; und während Mia sich mit Michael wegen der Wohnung trifft, vergißt sie ihre Verabredung mit Danni, was das endgültige Aus für ihre Beziehung zu sein scheint.
Als Mia in die Uni zurückkehrt, hat Professor Leach ihren Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht: Er ist beim Donutessen tot zusammengebrochen. Woher kommt jetzt die Unterschrift, die Mias Studienwechsel ermöglicht? Ari wird zum Retter des Tages: Er ergreift so entschlossen die Initiative, daß er einem Warren Beatty in seinen besten Heldenrollen würdig gewesen wäre. Mia ist am Ziel ... fast. “Omnia vincit amor”, hat Ari Michael nach einer Lateinvorlesung erklärt. Bei dem Einweihungsfest von Mia und Alice wird der Spruch mehr als wahr, als das Beziehungskarussell völlig aus der Verankerung fliegt und jeder das bekommt, was er eigentlich nicht erwartet hat.

Filmkritik

Liebe - unerwiderte Liebe, endende Liebe, körperliche Liebe, einseitige Liebe, geheuchelte Liebe, lesbische Liebe.
Katastrophen - Beziehungsstress, drohende Zwangsexmatrikulation, Sinnkrise, Geldnot, Eifersucht, WG-Auseinandersetzungen, verzeifelte Wohnungssuche, Dozententot. Mia, Alice, Danni, Ari, Michael - drei Studentinnen und zwei Studenten und Liebe und Katastrophen. In einer australischen Universitätsstadt erleben fünf junge Menschen das harte Schicksal des Studentendaseins. Michael sucht eine neue Bleibe, seine bisherigen Mitbewohner kotzen ihm schon jetzt morgens beim Zähneputzen ins Waschbecken. Das ist wirklich zuviel! Mia und Danni sind eigentlich ein glückliches Paar, doch Danni meint ihren persönlichen Freiraum mit einer neuen weiblichen Bekanntschaft erweitern zu müssen. So geht´s nun wirklich nicht! Alice kämpft mit der schon längst überfälligen Doktorarbeit und traut sich nicht ihren neuen Schwarm anzusprechen. Zum Verzweifeln! Und Ari zweifelt grundsätzlich an seiner Beziehungsfähigkeit und verdient sich nebenbei ein Taschengeld als Gigolo. Auch ziemlich frustrierend!
Die australische Regisseurin Emma-Kate Croghan, gerade einmal 23 Jahre alt, verbindet in ihrem Erstlingswerk die Schicksale dieser fünf Studenten zu einer leichtfüssigen und unbeschwerten Generation X-Komödie. Mit einem außerordentlichen Einfallsreichtum läßt sie ihre Protagonisten durch eine Vielzahl von Irrungen und Wirrungen stolpern, zeichnet ihre Charaktere mit intensivem und glaubwürdigem Ausdruck. Nicht zuletzt das Spiel der Laiendarsteller und die Auftritte vieler skuriller Nebenfiguren verhelfen dem Film zu einer außerordentlichen Realitätsdichte. Ein Donut-abhängiger Professor, gehässige Bibliotheksbedienstete - ein gehöriger Schuß autobiographischer Einflüße aller Beteiligten und das gelungene Improvisationsspiel zeichnen Figuren und Umfelder, wie sie das Leben nicht besser hätte erfinden können.
Aber auch in filmischer Hinsicht hat die Low-Low-Low-Budget-Produktion (40.000 $ !!!) einiges zu bieten. Mit einem feinfühligen Gespür für Atmosphäre baut die Regisseurin quasi-dokumentarische Amateuraufnahmen der Hobbyfilmerin Alice in den Handlungsablauf mit ein und verleiht dem Streifen dadurch seinen intimen Charme. Darüberhinaus überrascht Liebe und andere Katastrophen durch das abwechslungsreiche Spiel mit Einblendungen von Redensarten, Zitaten und Spruchweisheiten der unterschiedlichsten historischen Persönlichkeiten. So haben Hitchcock und Konsorten immer einen komischen, überschreibenden oder pointierten Kommentar zu den einzelnen "Katastrophenkapiteln" des Filmes übrig. Nette Einfälle, witzige Ideen - Emma-Kate Croghans Debüt sprüht nur so von Kuriositäten und scharf beobachteten Kleinigkeiten.
Was "Liebe und andere Katastrophen" darüberhinaus zu einer kleinen Besonderheit macht, ist der problemlose, fast spielerische Umgang mit Homosexualität. Mit einer beieindruckenden Normalität plaziert Emma-Kate Groghan ihr lesbisches Paar Danni und Mia inmitten der anderen liebenden oder um Liebesglück ringenden Twens. In Zeiten, in denen Homosexuelle oft nur noch als Komödienclowns, Serienkiller oder Tragikfiguren herhalten müssen, erfrischt der australische Jungfilm mit dem wirklich unverkrampften Umgang mit einem Randgruppenthema und setzt damit den außerordentlich kreativen Trend eines neuen australischen Kinos fort, das sich vor allem seit Beginn der 90er Jahre gesellschaftlichen Tabus mit einer bemerkenswerten Leichtigkeit und Unvoreingenommenheit nähert. Trotz einiger thematischer, inhaltlicher und stilistischer Ähnlichkeiten zu amerikanischen Generation X-Produktionen wie "Reality bites - Voll das Leben" oder "Singles - Gemeinsam einsam" ist "Liebe und andere Katastrophen" eine interessante, unterhaltsame und bereichernde Variante der Zeitgeist-Komödie der 90er.




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Land: Australien
Jahr: 1996
Genre: Komödie
Länge: 76 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 28.11.1996
Regie: Emma-Kate Croghan
Darsteller: Matt Day, Alice Garner, Frances O'Connor
Verleih: Kinowelt

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