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Kritik: Brothers in Trouble (1995)


Ohne Papiere sind sie faktisch nicht existent. Dennoch schicken die illegal nach England eingeschleusten Inder regelmäßig hart verdiente Pfundnoten in die Heimat - immer mit der Hoffnung auf ein besseres Leben. "Brothers in Trouble" spielt in den sechziger Jahren, beschreibt die Problematik von Integration und Akzeptanz in einem fremden Land, aber auch unter den Einwanderern selber. Ein ehrlicher, offenherziger und sehr menschlicher Film.

Dafür sorgen vor allem die "Brüder", jene 19 Männer, die gemeinsam und auf engstem Raum unter einem Dach eines verfallenen Hauses im Londoner Norden wohnen. Für die Zeit ihres illegalen Aufenthaltes ist dies ihr Unterschlupf, die Leidensgenossen der Familienersatz. Ihr Versteck verlassen sie allerhöchstens zur Arbeit oder zum regelmäßigen Kinobesuch, bei dem die einsamen Männeraugen sehnsüchtig an den Nabeln der auf der Leinwand tanzenden Inderinnen hängen. Ebenso regelmäßig bekommt die Wohngemeinschaft Besuch von einer Prostituierten (einer Aktion, bei der die Hierarchie des Kastenwesens wieder zum Tragen kommt) und dem (wiederlichen) Schmiergeld und Mietzins eintreibenden V-Mann.

Würde nicht eines Tages eine weiße Frau in das Immigrantenhaus, respektive das Zimmer von Gruppenmufti Hussein Shah (Om Puri) ziehen, das Leben der moslemischen Inder würde seinen gleichförmigen Lauf nehmen. Eifersucht und Neid sowie die Angst, entdeckt zu werden, schleichen sich ein. Bei Hussein spätestens dann, als sich erstens herausstellt, daß Mary (Angeline Bell) von einem anderen schwanger ist, sein Neffe sich zweitens durch seine Aufenthaltserlaubnis mit Mary erheiratet, sich aber nicht an die Vereinbarung seines Onkels hält. Das Stimmungsbarometer schlägt um in Aggression, aus den ruhigen Männern werden fauchende, gefährliche indische Tiger. An dieser Stelle entgleitet Udayan Prasad für einen kurzen Moment das Regieruder. Indem er sämtliche Dramaturgieregister zieht, übersteuert er die bis dahin glaubwürdige Milieuschilderung um ein erhebliches Maß. Auch Pavan Malhorta als Hauptfigur Amir kann die Situation durch sein überzeugendes Spiel nicht mehr retten. Schade, der Traum vom Glück hätte einen besseren Schluß verdient gehabt.





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