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Kritik: Mäusejagd (1997)


Ach wären sie doch nur nicht so rar gesäht, die erhabenen Momente ungetrübten cineastischen Glücks, die sich einstellen, wenn die in einen Film gesteckten hohen Erwartungen von diesem dann nicht nur erfüllt, sondern gar bei weitem übertroffen werden. Aber vermutlich ginge sie ja flöten, die stille Extase des Augenblicks nämlich, gäbe es sie öfters, jene Momente. Freuen wir uns also an ihnen, kosten wir sie aus und geraten wir dabei ins Schwärmen.

So unscheinbar der Titel und so unbekannt der Regisseur, bei "Mäusejagd" handelt es sich schlicht und einfach um ein Meisterwerk. Selten ist die Bündelung von allem Möglichen, für einen Film relevanten kreativen Potential, auf so hohem Niveau geglückt, wie in diesem immerhin aus Hollywood (Dreamworks) kommenden Produkt. Auf diese aberwitzige, schrille und unglaublich temporeiche Komödie wären selbst die Coen-Brüder stolz.
Apropos Brüder: Dem geistig nicht allzu flexiblen Duo Ernie und Lars Smuntz spielt das Leben garstig mit. Nach dem Tod ihres Vaters erben sie nicht nur dessen abgewrackte Zwirnfabrik (Motto: Ohne Faden gerät die Welt aus den Fugen), sondern auch noch eine völlig heruntergekommene, abgelegene Villa. Diese scheint sich jedoch plötzlich als Glücksgriff zu entpuppen: Die Bruchbude soll von einem berühmten Architekten entworfen worden sein. In freudiger Erwartung des Andrangs millionenschwerer Käuferscharen machen sich die Brüder an kleinere, eher halbherzige Renovierungsarbeiten. Damit wird nun aber der derzeitige Bewohner des Anwesens auf den Plan gerufen. Eine unscheinbare kleine Maus ist es, die in der Folge mal stolz, mal listig, aber immer beharrlich, ihr Reich verteidigt. Die neuen Besitzer reagieren ihrer schlichten Denkweise gemäß konventionell. Mit einer einfachen Mausefalle ist dieser Maus freilich nicht beizukommen.
Später wird dann auch härteres Geschütz und größeres Kaliber aufgefahren. Was jedoch Bestand hat, ist das Unterschätzen des Gegners. Und das wirkt sich fatal auf das Endergebnis aus, das mit galloppierendem Chaos nur unzureichend beschrieben ist. Die Welt der Smuntz-Brüder jedenfalls ist völlig aus den Fugen (und das nicht nur wegen zu wenig Faden) und würde zweifellos auch untergehen, hätte zum Finale nicht ausgerechnet die Maus ein konstruktives Versöhnungsangebot.

Unmöglich die berstende Fülle von famosen Gags auf allen erdenklichen Spaßebenen beim einmaligen Anschauen dieses Meisterwerks zu würdigen. Der ausufernde Fantasiereichtum und die sprühende Energie von "Mäusejagd" raubt einem schier dem Atem. Zur virtuosen formalen Gestaltung des Films gesellen sich mit Nathan Lane (Birdcage) und Lee Evans (Funny Bones) zwei grandiose Vollblutkomiker, deren Zusammenspiel eine einzige Köstlichkeit ist. Fazit: "Mäusejagd", ein Film von seltener, aber nie kalter Perfektion.




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