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Kritik: Lebe lieber ungewöhnlich (1997)


Es ist schon ungerecht, unter welch immenser Last des Erwartungsdrucks manche Filme stehen. Damit müssen aber innovative oder gar visionäre Regisseure gerade am Anfang ihrer Karriere fertig werden. Dies galt kürzlich für David Fincher mit "The Game", das wird im Frühjahr gelten für Quentin Tarantino und sein "Bobby Brown", und nun gilt es auch für Danny Boyle´s neues Werk, dessen deutscher Titel "Lebe lieber ungewöhnlich" (A Life Less Ordinary) ein heißer Anwärter auf den bescheuertsten Filmtitel des Jahres ist.

Boyle selbst ist nach "Trainspotting" mit diesem fatalen Mechanismus durchaus eigen und offensiv umgegangen. Die Auftragsregie für die Großproduktion "Alien 4" (bekanntlich bei Jean-Pierre Jeunet ist guten Händen) lehnte er selbstbewußt ab, um sich zusammen mit seinem Autor John Hodge der nun vorliegenden wesentlich kleineren Produktion zu widmen. "A Life Less Ordinary" (lassen wir´s mal beim Originaltitel) ist eine irdische Kriminalgroteske samt himmlischem Beiwerk:

Für dem Raumpfleger (sic!) Robert kommt es knüppeldick. Erst verliert er seinen Job, dann die Freundin, schließlich die Wohnung. Solchermaßen auf sich selbst zurückgeworfen, gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Den möglichst stilvollen Suizid oder von vorne anfangen. Robert entscheidet sich für letzteres und zwar mit Nachdruck. Da sein Chef die Wiedereinstellung verweigert, entführt er kurzentschlossen dessen überaus ansehnliche Tochter Celine. Nach einer halsbrecherischen Flucht aus der Großstadt ziehen sich Kidnapper und Geisel auf's flache Land zurück.

Mit seiner neuen Rolle als Schwerverbrecher tut sich Robert freilich nicht leicht, was sich schon bei der Übermittlung der Lösegeldforderung zeigt. Nur gut, daß das Opfer weitgehend kooperationswillig ist und nach kurzem die Aktion sogar selbst in die Hand nimmt. Für Celine ist das Ganze nämlich eine durchaus willkommene Abwechslung vom öden Alltag als schöne reiche Tochter. Was das ungleiche Paar nicht weiß, eigentlich sind sie nur Marionetten im Spiel eines himmlischen Plans. Zwei Engel sind ihnen heimlich auf den Fersen, um das Feuer ewiger Liebe zwischen den beiden zu entfachen. Da jedoch die Rollen zwischen Opfer und Täter immer mehr verschwimmen, scheint das göttliche Unterfangen nicht gänzlich aussichtslos.

Danny Boyle hat mit "A Life Less Ordinary" eine völlig abgedrehte (!) Komödie vorgelegt, in der sich tolle visuelle Einfälle famos mit pfiffigen Dialogen ergänzen. Vorgetragen werden diese von einem prächtig aufgelegten Hauptdarstellerpaar mit Evan McGregor und Cameron Diaz. Letztere ist übrigens mitnichten das blonde Dummchen aus früheren Auftritten. Im Gegenteil, sie ist es, die hier stets die Zügel in der Hand hält und McGregor als überforderten Entführer recht plumb durch ein Szenario voller Überraschungen und absurder Kapriolen taumeln läßt.

Eine gewisse Geistesverwandtschaft zum Werk der Coen-Brüder ist bei "A Life..."natürlich nicht zu übersehen. Wobei Boyle´s Film allerdings nicht an die Doppelbödigkeit etwa von "Fargo" herankommt. Daß dem Film darüber hinaus im letzten Viertel ein wenig die Luft ausgeht, kann das Gesamtvergnügen allerdings nur unwesentlich trüben.




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