oder

Jaguar (1996)

Le jaguar

User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5.0 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 74 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Für den umtriebigen, aber glücklosen Immobilienmakler Perrin ist es eine Begegnung der dritten Art: Als er sich rücksichtslos in den Aufzug des vornehmen Hotel Crillon in Paris drängt, findet er sich plötzlich in Begleitung eines nicht gerade nach Pariser Mode gekleideten Indianers wieder, der ihn dazu auch noch sehr genau taxiert. Wanu, Häuptling eines Stammes der Regenwaldindianer, ist in Begleitung seines besten Freundes und Dolmetschers Campana nach Paris gereist, um dort dem französischen Premierminister seine Aufwartung zu machen.
Doch nun gilt sein Interesse eher Perrin, der sich ob dieser intensiven Begutachtung sichtlich unwohl fühlt. Zudem hat er andere Probleme. Perrin, der mit seiner charmanten Art jederman um den Finger wickeln kann und auch als Glückspilz bei der Damenwelt gilt, hatte Pech im Spiel und seine Gläubiger lassen nicht mit sich spaßen. Seine letzte Chance sieht er bei einer seiner betuchten Geliebten, aber die gibt ihm einen Korb und Perrin steht plötzlich sehr verlassen, einsam und glücklos auf dem Flur des Hotel Crillon. Zu allem Überfluß taucht ausgerechnet Wanu wieder auf - und weicht ihm nicht mehr von der Seite. Perrin ist das so genehm wie ein Loch im Kopf und mürrisch wehrt er die Annäherungsversuche des Indianers ab. Doch dieser entert einfach Perrins Wagen und läßt sich als blinder Passagier bis zu dessen Wohnung mitnehmen. Notgedrungen nimmt Perrin den skurrilen Gast auf, doch es dauert nicht sehr lange und er fällt in tiefen Schlaf. Wanu, der ihm unbemerkt ein Betäubungsmittel in seinen Drink emischt hat, vollzieht an dem friedlich schlafenden Perrin ein magisches Ritual. Doch der merkt natürlich von alledem nichts.
Erst ein peinlich berührter Campana, der am folgenden Morgen in Begleitung höchst mißtrauisch dreinschauender Flics auftaucht, kann Perrin von seinem ungebetenen Besucher befreien. Für Perrin das Ende einer nie begonnenen Freundschaft? Keineswegs, denn Wanu bricht nach seinem Besuch im Elysee Palast urplötzlich zusammen und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Dort teilt er Campana mit, daß er Perrin unbedingt sehen müsse. Beim folgenden Gespräch gibt der stark geschwächte Wanu Perrin u verstehen, daß er ihn ausgewählt habe, seine Seel wiederzufinden, die durch schwarze Magie gestohlen wurde, was nach dem Glauben der Amazonasindianer unweigerlich den Tod zur Folge hat. Zum Zeichen seiner Wahl hängt er ihm sein magisches Amulett um, das Perrin angeblich übersinnliche Kräfte verleihen soll. Selbstverständlich hält Perrin das Ganze für dummes
Zeug und macht Campana klar, daß er nicht im Traum daran denke, Wanus Wunsch nachzukommen. Doch wieder hat er sich getäuscht, denn plötzlich stehen zwei Schläger vor ihm und nehmen ihn in die Mangel. Sein Gläubiger will nicht mehr auf die Bezahlung der Schulden warten und auf einmal hat sich die Situation für Perrin völlig gewandelt. Eine Reise nach Brasilien wäre in diesem Moment gar nicht das Schlechteste, und so sagt er dem überraschten Campana zu, daß er die Mission, Wanus verlorene Seele zu suchen, doch annehmen werde. Die Zeit drängt, denn Wanu wird zusehends schwächer...
Perrin spielt indes mit gezinkten Karten - will er doch nur die Chance wahrnehmen, geldgierigen Halunken zu entkommen und nach Rio de Janeiro zu flüchten. Doch er hat seine Rechnung ohne den zielstrebigen Campana gemacht. Denn dieser bemächtigt sich des Passes und der gefüllten Brieftasche Perrins, und verfrachtet ihn kurzerhand ans Ende der Welt: In eine kleine, gefährliche, verwanzte Goldgräberstadt am Amazonas, nicht weit vom Dorf entfernt, in dem Wanus Stamm lebt. Für Perrin eine Katastrophe - aber während eines Barbesuches kommt es noch dicker. Kumare, seines Zeichens übler Zeitgenosse und ortsansässiger Bandenchef, hat ein Auge auf Perrins magisches Amulett geworfen. Doch als seine Schläger den Schmuck an sich bringen wollen, geschieht AuHergewöhnliches. Perrin verfällt in Trance, entwickelt urplötzlich die Kraft eines Jaguars und kann die Bande in die Flucht schlagen.
Schließlich flüchtet er enorm geschwächt mit Kumares Freundin Maya. Um der Bande zu entkommen, bleibt Perrin danach nichts anderes übrig, als mit Campana und Maya weiter in Wanus Dorf zu reisen. Aber auch dort sind sie vor den Attacken Kumares nicht sicher. Der Grund seiner Hartnäckigkeit kommt bald ans Tageslicht. Er war es, der mit Hilfe eines Medizinmannes Wanus Seele gestohlen hat, und um die übernatürlichen Kräfte Wanus, den sie hier im Dorf auch den Jaguar nennen, auf sich zu übertragen muß er in den Besitz des Amuletts gelangen. Perrin kann seinem Schicksal nicht entgehen. Und am Ende seiner exotischen Mission, während der er noch eine Vielzahl merkwürdiger Abenteuer und manch knifflige Auseinandersetzung mit Campana über seinen geplagten Großstädter-Leib ergehen lassen muß, wartet nicht nur das alles entscheidende Duell mit Kumare auf ihn - er bekommt auch die Chance, sein verkorkstes Leben grundsätzlich zu verbessern...

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Filmkritik

Eine große schwarze Limousine gleitet durch die abendliche Kulisse einer Großstadt und hält vor einem noblen Hotel. Die hintere Tür des Wagens wird geöffnet, ein nackter Fuß tritt auf den Gehweg. Tarzan in New York? Nein, diesmal ist es ein Schamane aus dem brasilianischen Regenwald, der seinen
Weg in eine westliche Metropole gefunden hat. Wanù, seines Zeichens Stammeshäuptling mit übersinnlichen Kräften, kommt nach Paris, um vom französischen Premierminister Unterstützung beim Erhalt des Regenwaldes zu erbitten. Begleitet wird er von Campana, seinem Dolmetscher und besten Freund.
Als die beiden zu ihrem Hotelzimmer hochfahren möchten, drängelt sich noch ein junger Mann in den Aufzug, für den diese Begegnung folgenreicher sein wird, als er im Moment glaubt: Perrin, ein glückloser Immobilienmakler, hat Spielschulden und trifft sich im Hotel mit einer seiner Geliebten, die er, nachdem er sie routiniert verführt hat, um eine halbe Million anpumpen will. Wanù schließt den leichtlebigen Sonnyboy sofort ins Herz, packt ihn in aller Freundschaft bei der Nase und erweist sich als äußerst anhänglich. So hängt er sich an das Reserverad von Perrins Jeep und steht schließlich in dessen Wohnung, wo er ihn mit einem Pulver einschläfert und mit rituellen Zeichen bemalt. Was diese Zeichen bedeuten, wird am folgenden Tag klar: Nach seinem Empfang beim Premierminister bricht Wanù zusammen und verlangt, scheinbar sterbend, nach Perrin. Denn er sei der Auserwählte, der dem Schamanen als einziger wieder zu seiner Seele verhelfen kann, die diesem von einem Bösewicht am Amazonas durch schwarze Magie gestohlen wurde. Perrin hält das alles (wie vielleicht auch der Zuschauer) zunächst für einen Scherz. Doch da ihm gerade zwei schwarzgekleidete Geldeintreiber auf den Fersen sind, kommt eine Reise an den Amazonas nicht ungelegen. Perrin hat jedoch die Nase voll, kaum daß er in Begleitung von Campana in Brasilien eingetroffen ist: Die heruntergekommene Goldgräberstadt, in die ihn Campana führt, entspricht ganz und gar nicht seinen Vorstellungen von Komfort und einem angenehmen Urlaub. Doch schon längst ist er unausweichlich in die Ereignisse verstrickt. Ohne Campana findet sich der Stadtmensch in der fremden Umgebung nicht zurecht, und in einer Bar legt er sich mit dem Finsterling Kumare (Danny Trejo) und dessen Schergen an. Sie sind, wie sich bald herausstellt, die Räuber der verlorenen Seele und haben es auf ein Amulett Perrins abgesehen,
das ihm Wanù mitgegeben hat und das dessen übernatürliche Kräfte enthält. Maya (Patricia Velasquez), eine Eingeborene, die sich in der Gewalt Kumares befindet, flieht gemeinsam mit Perrin. Nach allerlei Verwicklungen verlieben sich Perrin und Maya, besiegt Perrin Kumare in einem rituellen Kampf, kann Wanù Perrin endlich wieder herzlich an der Nase fassen, und Perrin und Maya fortan glücklich in Mayas Dorf am Amazonas leben. Und wenn sie nicht noch heute leben, dann sind sie wohl gestorben...
"Jaguar" ist ein Beispiel von einfallslosem postmodernem Kino, wie es in jüngster Zeit in einer ungebrochenen Reihe industrieller Produktionen anzutreffen ist. Ohne mit der Wimper zu zucken bediente sich Regisseur und Drehbuchautor Francis Veber an Elementen aus Erfolgsfilmen wie "Tarzan", "Das Leben des Brian" und vor allem aus den "Indiana Jones"-Filmen. Als Ergebnis entstand eine Action-Komödie, die eben wie jede
andere Action-Komödie alle Klischees bedient, die uns als Kinogänger geläufig sind. Flache Charaktere bewegen sich durch glatte Bilder einer ästhetisierten Exotik, die mit kitschiger, gefühlsduseliger Musik unterlegt sind. Da ist einmal der typische Urwaldbewohner und Naturmensch Wanù.
Daß dieser sich auch durch die kühle Großstadt Paris nur indianisch-spärlich bekleidet bewegt, wollen wir noch hinnehmen. Ärgerlicher ist schon, daß der Indianer über weite Strecken wie ein aufsässiges Kind dargestellt wird, wie ein interessantes Tier, das sich allenfalls das Attribut "putzig" verdient. Allgemein werden die Zerstörung des Regenwaldes und die Probleme der Indios nur sehr oberflächlich behandelt. Sie dienen lediglich dazu, dem Film ein mystisch-exotisches Flair zu verschaffen. Dann haben wir die üblichen Bösewichte, die tatsächlich durch und durch bösartig sind, schrecklich häßliche Fratzen haben und auch stets fies lachen, wenn sie aus einem Flugzeug heraus mit einem Maschinengewehr auf Menschen schießen. Als Kumare und seine Handlager auf der Suche nach Perrin sind, wird die Darstellung von Gewalt überflüssigerweise sehr drastisch: Zeugen, die ihnen nicht weiterhelfen können, wird der Arm abgehackt oder der Kopf abgeschlagen. Unverständlich - schließlich zielt "Jaguar" insbesondere auf Kinder und Jugendliche als Zuschauer ab.
Fehlen darf auch nicht das begehrenswerte Eingeborenen-Mädchen, die kaffeebraune Südsee-Schönheit, wie wir sie aus der Bananen-Werbung kennen: Maya. Gespielt wird sie von der Halbindianerin Patricia Velasquez, die es in ihrem ersten großen Auftritt auf der Leinwand auf etwa zwei unterscheidbare mimische Ausdrücke bringt. Die einzige interessante Personenkonstellation bilden die beiden Hauptfiguren, Perrin und Campana. Hier steht ein Stadtmensch und Anti-Held, der selber nicht weiß, wie er in diese Geschichte geraten ist, einem stämmigen und unangreifbaren Naturburschen gegenüber, der durch (fast) nichts umzuwerfen ist. Wie ein Vater lotst Campana den jüngeren Perrin durch die Gefahren der Dschungelwelt und spart dabei nicht mit elterlichem Tadel. Während Patrick Bruel die Möglichkeiten seiner Rolle bei weitem nicht auszuloten vermag, überzeugt Jean Reno mit seiner robusten Art der Darstellung. Nachdem er in "Im Rausch der Tiefe", "Nikita" und "Leon - Der Profi"
mit Luc Besson zusammengearbeitet hatte, gab er jüngst in "Mission Impossible" seinen Einstand in Hollywood.
Trotz vieler Stereotypen und einem völlig absurden Drehbuch ist "Jaguar" temporeich und professionell inszeniert. Zudem macht den Film sympathisch, daß er sich an einigen Stellen selbst nicht ganz ernst nimmt und dabei auch vor purem Slapstick nicht zurückschreckt. So bietet "Jaguar" sicher keine neuen Ideen, doch dafür, wenn man das Denken abschaltet, einige unterhaltsame und witzige Momente.




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Land: Frankreich
Jahr: 1996
Genre: Action
Länge: 100 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 27.03.1997
Regie: Francis Veber
Darsteller: Jean Reno, Alain Bouzigues, Michel Caccia
Verleih: Jugendfilm

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