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Kritik: Chinese Box (1997)


Die Grundidee ist gar nicht mal so unoriginell. Als äußerer Aufhänger dient die Rückgabe der alten Kronkolonie Hongkong an die Chinesen vor gut einem Jahr. Vor diesem explizit politischen Hintergrund spiegeln sich vier miteinander verwobene private Schicksale bzw. Geschichten.
Und Wayne Wang, verdienter Regisseur filmischer Kleinode wie "Smoke" oder "Blue in the face", wäre eigentlich genau der richtige für das Projekt gewesen. Immerhin hat er - in Hongkong geboren und seit vielen Jahren in den USA arbeitend - den kulturellen Spagat persönlich hinter sich gebracht und am eigenen Leib erfahren.

Schaut man sich nun den fertigen Film an, kann man auch durchaus die Vorgaben und die Herangehensweise von Wayne Wang rekonstruieren. Die einzelnen Erzählstänge sollten möglichst vage gehalten werden, die Verknüpfung von überschaubarem privatem Schicksal und unwägbarer Weltbewegung soll zwar transparent aber dennoch vielschichtig angelegt werden, und all dies möge dann von Geiste kreativer Improvisation beseelt sein und zusammengehalten werden.
Leider ist das Projekt gescheitert, wohlmeinend könnte angefügt werden: auf relativ hohem Niveau. Wayne Wang hat sich offensichtlich viel zuviel vorgenommen. Die intendierte Vielschichtigkeit verliert sich rasch in Unüberschaubarkeit, wobei vor allem die verschiedenen Zeitebenen völlig chaotisch montiert sind. Das führt dann fatalerweise dazu, daß die Korrespondenz der privaten Geschichten mit dem historischen Ereignis sich ins Beliebige verflüchtigt, da man meist beim besten Willen nicht weiß: sind wir jetzt vor, während oder gar schon nach dem Rückgabeabend.

Der zweite gravierende Schwachpunkt des Films ist sein Stil, bzw. eher das Fehlen eines Stils. Wo etwa bei Won Kar-Wai, der sich bekanntlich beim Drehen auch gern treiben läßt, eine ausgetüftelte Bildästhetik die Improvisation unterstützt, wird bei Wayne Wang nur wild mit der Kamera herumgefuchtelt. Die Bilder sind entsprechend langweilig und leer geraten. Am störendsten ist jedoch die überbordende und zum Teil peinliche Symbollast, unter der der Film schier erdrückt wird. Mit einer vergleichbaren Metaphernwut kommt sonst nur ein Wim Wenders daher und sorgt für unfreiwillige Heiterkeit.

Und irgendwie müssen die Macher am Schneidetisch auch gemerkt haben, daß die Chose einfach nicht recht aufgehen will. Also wurde versucht, dem Bilderchoas durch einen ordnenden Off-Sprecher Herr zu werden: vergebens.




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