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Plunkett and MacLeane
Plunkett and MacLeane
© Universal Pictures Germany GmbH

Kritik: Plunkett and MacLeane (1998)


Das gegenwärtige britische Kino - in den 90er Jahren wohl europaweit das Interessanteste - stand stets für anspruchsvolle Unterhaltung mit sozialem Biss und politischer Schärfe. Regisseure wie Mike Leigh oder Ken Loach, eher die mittlere denn die junge Generation, haben in den vergangenen Jahren weltweit alle erdenklichen Festivalpreise abgeräumt. Der Nachwuchs kommt nun ohne die linksliberale Wut aus der Thatcher-Ära daher. Regisseure wie Michael Winterbottom (zuletzt "Wonderland") oder Charles McDougail ("Heart", der unterschätzteste Film des Jahres) haben ein breiteres und nicht explizit politisches Themenspektrum. Zu den beiden letzten gehört auch Jake Scott, der Sohn von Ridley Scott, der mit dem exzentrischen Kostümfilm "Plunkett & Macleane" nun sein Kinodebüt vorlegt. Dass er aus dem Video- bzw. Werbebereich kommt ist seiner Kinoarbeit durchaus anzusehen.
Das Ganze spielt in England Mitte des 18. Jahrhunderts. Der heruntergekommene Gauner aus der Unterschicht Will Plunkett und der verarmte Adlige James Macleane lernen sich dort kennen, wo sich Klassengegensätze noch am ehesten nivellieren: im Knast. Dort schließen die denkbar unterschiedlichen Männer ein Abkommen, das beiden Wohlstand sichern soll. Gemeinsam wollen sie die High Society ausnehmen, wobei Macleane seine Kontakte zur Upper Class einbringen soll und Plunkett eher das Handwerk von Überfall und Raubzug. Doch bereits nach dem ersten gelungenen Kutschenraub wird die rauhe Männerfreundschaft auf eine harte Probe gestellt. Macleane verliebt sich in die überfallene Lady Rebecca, Tochter des hochangesehenen Lord Gibson. Der zettelt alsbald eine fanatische Jagd auf die beiden Straßenräuber an, während sich das proppere Töchterchen immer mehr auf die andere Seite des Gesetzes schlägt. Dort entwickeln Plunkett und Macleane, erfüllt von freudigem Arbeitseifer, immer größere Dreistigkeit. Und da der Adel sich nicht nur beraubt, sondern, fast noch schlimmer, auch der Lächerlichkeit preisgegeben sieht, wird die Hatz auf das Räuberduo immer gnadenloser. Schließlich wird einer von ihnen gefasst, was die Freunschaft der beiden auf die letzte, ultimative Probe stellt.

    "Plunkett & Macleane" ist eine historische Gaunerkomödie, wie man sie so nie im Kino gesehen hat. Vor allem liegt dies an dem unbedingten Gestaltungswillen des Regisseurs, der sich nicht zuletzt in grandiosen Stilbrüchen zeigt. So bringt er z.B. eine freche zeitgenössische Sprache mit Ambiente und Kostümen von vor 250 Jahren zusammen. Noch verblüffender wird es, wenn eine klassische historische Ball-Massen-Szene nicht mit Rokkoko-Gefiedel, sondern aktuellen Klängen mit Techno-Touch unterlegt wird.
    In den Hauptrollen sind der wie immer grandiose Robert Carlyle (ohne den geht im neuen britischen Kino anscheinend überhaupt nichts mehr, demnächst ist er gar als Bond-Bösewicht zu sehen) sowie - ebenfalls aus "Trainspotting" bekannt - Jonny Lee Miller und - als Amerikaimport für die anvisierte jugendliche Zielgruppe - Liv Tyler.
    Fazit: "Plunkett & Macleane" ist ein höchst unterhaltsamer, überraschend origineller, mit einem Wort: ein toller Film.





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