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Kritik: Vergiss Amerika (2000)


Dass ein Filmhochschulstudium nicht zwangsläufig in kompetentem Erzählen mit bewegten Bildern mündet, hat erst kürzlich Matthias Lehmann mit seinem Filmfiasko "Doppelpack" eindringlich bewiesen. "Vergiss Amerika" ist ebenfalls ein Debüt, das von Vanessa Jopp, die in München ihr Studium absolviert und ihr Handwerk gelernt hat. Bei ihrem Film stellt sich die Frage, warum ein Erstling eigentlich unbedingt gleich ins Kino muß, im Grunde gar nicht. "Vergiss Amerika" ist in seiner ganzen Machart viel eher das kleine Fernsehspiel, als die große Leinwanderzählung. Im Fernsehen würde der Film, da weit über dem dortigen Durchschnitt liegend, dann auch durchaus auffallen. Im Kino geht das grundsolide Filmchen, nicht zuletzt wegen seiner braven Machart, weitgehend unter. Da hilft auch der renommierte Hypo-Vereinsbank-Förderpreis des Münchner Filmfestes nicht viel. Dass die Geschichte selbst denkbar unspektakulär ist, hat mit den Einwänden freilich nichts zu tun. Sie ist angesiedelt im Osten der Republik irgendwann in den letzten 10 Jahren nach der Wende. In einen recht trostlosen Nest verlieben sich die Freunde David und Benno in das selbe Mädchen. Dabei ist Anna nur sporadisch in der Stadt. Eigentlich macht sie eine Schauspielausbildung in Berlin. Nach kurzem Wankelmut gibt Anna dem forschen Benno den Vorzug. Trotz der emotionalen Spannungen untereinander, gelingt es dem Trio, die Dreierfreundschaft zunächst einigermaßen aufrecht zu erhalten. Recht bald stellt sich heraus, dass die beruflichen Perspektiven der Drei beschränkt bleiben. Bennos waghalsiger Traum, in der Provinz einen amerikanischen Gebrauchtwagenhandel aufzuziehen, ist nicht von Dauer. David steht mehr hinter einer schäbigen Fischtheke, als hinter dem Stativ seines Fotoapparates, und Anna's Schauspielerei besteht im wesentlichen in Synchron-arbeiten für ausländische Pornos. So wie die Träume der Freunde zusehends löchriger werden, verschiebt sich auch die emotionale Balance. Anna beäugt die aufschneiderischen Eskapaden Bennos immer misstrauischer und scheint nicht abgeneigt, dem schüchternen Werben von David zunehmend Aufmerksamkeit zu schenken. Dies steigert die Rivalität der Jungs und sorgt auch schon mal für handgreifliche Auseinandersetzungen. Zunächst unmerklich, aber dann immer schneller, nehmen alle drei Lebenswege einen Schlingerkurs ein. "Vergiss Amerika" ist beileibe kein schlechter Film, aber ein bisschen behäbig und langatmig kommt er doch daher. Dies liegt am wenigsten an den Darstellern. Marek Harloff, Roman Knizka und Franziska Petri überzeugen auf der ganzen Linie und sorgen für die nötige Authentizität. Bremsend wirkt neben der schlichten Machart vor allem der nicht immer glückliche Erzählstil. Der Einsatz von Off-Sprache, unökonomische Blenden sowie merkwürdige Standbildsequenzen wirken beliebig bis willkürlich. Nicht stimmig, sondern aufdringlich und von den Einsätzen her kaum nachzuvollziehen, auch der nervige Soundtrack. Ohne Einschränkung gelungen sind allerdings die sensiblen und durchaus augenzwinkernden Alltagsbebachtungen vom "flachen Land". Die Regisseurin dreht übrigens derzeit bereits ihren nächsten Film. Auf den darf man trotz der Schwächen von "Vergiss Amerika" gespannt sein.




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