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Kritik: Kleine Kreise (2000)


Wenn die Amerikaner einen Film wie "Kleine Kreise" drehen, dann ahnt man schon, was einen erwartet: Pathetischer Kitsch mit aufgebolzter Botschaft und Zeitlupe mit schmachtenden Geigen. Wie wohltuend dagegen Jakob Hilpert mit seinem Abschlussfilm für die Deutsche Film- und Fernsehakademie in Berlin. Lakonisch und leicht ironisch ist sein Erzählstil, der Höhepunkt wird nebenbei serviert, und die Botschaft gibt es in zwei Bildern. Dabei beweist Hilpert, dass man auch ohne Bombast mindestens genauso viel über Freundschaft und Mut sagen und auch ohne komplettes Happy End den Betrachter dennoch beflügelt zurücklassen kann.

"Kleine Kreise" spielt im Milieu der Kartbahnfahrer. Der arbeitslose und verschuldete Mechaniker und Künstler Paul hat nur noch eine Chance, wieder auf die Beine zu kommen: Sein Sohn Niki muss bei einem Jugendkartbahnrennen in Berlin, bei dem 40 000 Mark ausgelobt sind, siegen. Mit Müh und Not und unter Anwendung nicht ganz legaler Mittel schafft man mal so gerade die Qualifikation, wobei der unfreiwillige Mäzen, Pauls Vermieter Karl, im Gefängnis landet. Doch für Berlin stehen die Chancen schlecht.

Hilpert, der auch das Drehbuch geschrieben hat, lässt sich Zeit mit seiner Geschichte. Neben dem geruhsamen Tempo und den sparsamen Dialogen kommt es ihm vor allem darauf an, dass einem die Figuren ans Herz wachsen. Und das gelingt ihm, auch dank der schnörkellosen Darstellung seiner drei Hauptdarsteller. Wenn Niki das Zeittraining schwänzt, um ein Mädchen, das er beim Training kennengelernt hat, in Berlin zu besuchen, quasi nur für einen einzigen Kuss, dann ist das ebenso schlicht wie schön, so wie der anschließende Verzweiflungsausbruch seines Vaters, der alle Chancen vergeben sieht, das Mitgefühl des Zuschauers weckt.

Dass aber auch der Humor nicht zu kurz kommt, dafür sorgt Matthias Zelic als Kurt, der von Paul zum "Teamchef" ernannt wird und bald erkennt, dass dies eine Umschreibung für "Melkkuh" ist. Sein "Einbruch" in das Rennleitungsbüro gehört zu den Glanzpunkten dieses kleinen, aber feinen Dramas, das sein Herz am rechten Fleck hat.






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