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Der Überfall (2000)

Ein abgebrannter Arbeiter will einen Supermarkt überfallen, landet stattdessen aber mit zwei Geiseln in einer Schneiderei. Eine witzige Kammerspielkomödie aus Österreich mit tollen Darstellern, aber wegen des Dialekts oft nur schwer verständlich...User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

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Andreas Berger ist geschieden, arbeitslos und mit den Nerven am Ende. Er hat kein Geld, um seinem Sohn ein Geburtstagsgschenk zu kaufen. Auch die Alimente sind längst überfällig. In seiner Verzweiflung will er einen Supermarkt überfallen. Doch eine Panikattacke lähmt ihn derart, dass er nicht einmal mehr seine Waffe ziehen kann, sondern stattdessen in die benachbarte Schneiderei flüchtet. Dort bedroht er den Schneider Josef Böckl und den Kunden Werner Kopper, sucht nach Bargeld und muss plötzlich feststellen, dass er in der Falle sitzt: Der Supermarkt wurde inzwischen tatsächlich überfallen, und die Polizei hat den Häuserblock umstellt...

Filmkritik

„Hadern bis zur Raserei“ wäre eine gute Werbezeile, um den Charakter von Florian Flickers Kammerspiel-Komödie „Der Überfall“ zu beschreiben. Denn die Figur, welche der bereits in „Indien“ und „Komm, süßer Tod“ (2001) positiv aufgefallene Josef Hader zum Leben erweckt, ist eine Glanzleistung sondergleichen. Obwohl von ausgemachter Feigheit bittet dieses herzkranke Nervenbündel den Geiselnehmer immer zum seltsamsten Zeitpunkt um absurde Kleinigkeiten, welche langsam aber sicher die angespannte Situation unterspülen. Dem Schrecken des gewaltsamen Ereignisses begegnet Flicker mit feinstem schwarzen Humor. Immer wieder droht die unbeabsichtigte Geiselnahme außer Kontrolle zu geraten, ehe die absurde Art der Beteiligten, damit umzugehen, die Geschehnisse in ein neues, verblüffendes Licht setzt.

Flicker beweist mit seinem überraschenden Kammerspiel, dass humorvolles Tempokino nicht zwangsläufig überdimensionierter Schauplätze bedarf. Ihm gelingt es vielmehr durch die beengte Situation eine vortreffliche Synthese aus tragischer Figurenzeichnung, komischem Handlungsablauf mit amüsanter Situationskomik und psychischer Anspannung zu erreichen, die hervorragend unterhält. Das einzige Manko dieses erfrischenden Streifens dürfte der ungefilterte österreichische Dialekt sein. Auch wenn die meisten Dialoge zu verstehen sind, könnte sich der ein oder andere an mancher Stelle deutsche Untertitel wünschen. So bleiben manche Facetten der ungewöhnlichen Figuren leider im Dunkeln. Das tut dem Genuss der morbid-makabren Mär aber keinen Abbruch. Eine Entdeckung.





Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Österreich
Jahr: 2000
Genre: Komödie
Länge: 84 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 15.11.2001
Regie: Florian Flicker
Darsteller: Roswitha Soukup, Ina Halmagyi, Roland Düringer
Verleih: Advanced



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