VG-Wort

oder
Gib Gas - Ich will Spaß!
Gib Gas - Ich will Spaß!
© Croco Film

Kritik: Gib Gas - Ich will Spaß! (1983)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"Gib Gas – Ich will Spaß" erschien auf dem Höhepunkt der Neuen Deutschen Welle, als deutsche Popmusik ihre größten Erfolge feierte und die Single-Hitparaden dominierte. Inszeniert wurde der in München gedrehte Film von Wolfgang Büld, der Ende der 70er-Jahre mit dem Spielfilm "Brennende Langweile" bekannt wurde. Neben den NDW-Stars Markus und Nena ist auch noch die (ebenfalls wie Nena) aus Hagen stammende Gruppe Extrabreit mit dabei. Extrabreit zählte in den frühen 80er-Jahren mit Punk-infizierten, rebellischen Hits wie "Flieger, grüß mir die Sonne" und "Hurra, hurra die Schule brennt" zu den bekanntesten NDW-Interpreten.

Schon vor 37 Jahren, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, entpuppte sich "Gib Gas" als Rohrkrepierer: schauspielerisch (laienhaft vor allem das Spiel von Markus "Ich will Spaß" Mörl), inhaltlich und dramaturgisch. Vom Handlungsverlauf und Spannungsbogen her folgt der kitschige, vorhersehbare Film ausgetretenen Pfaden und reiht sich folglich nahtlos in die Riege seichter, schmalziger Liebes-/Heimatfilme der 50er- und 60er-Jahre ein.

Die Figuren verhalten sich unglaubwürdig und teils schwer nachvollziehbar, hinzu kommt die Erfüllung nahezu jedes Lovestory-Klischees: Der romantische Kuss in der alten Holzhütte, die Frau, die zwischen zwei unterschiedlichen Typen hin- und hergerissen ist, Robbys Eifersuchtsdramen, nachdem klar wird dass Tina eigentlich nur Tino hinterhergefahren ist. An Peinlichkeit kaum zu überbieten ist das Finale in dem sich herausstellt, dass erwachsene Männer Anfang der 80er-Jahre anscheinend das Schwimmen verlernt hatten.

Für Schmunzler sorgen zumindest die illustren, skurrilen Neben- und Gastaufritte (etwa vom blutjungen, noch unbekannten Terence Trent D’Arby) sowie der spritzig-fröhliche Soundtrack, der einige der legendärsten NDW-Schlager zurück ins Gedächtnis ruft: von "Leuchtturm" über "Nur geträumt" bis hin zur Schmacht-Schmonzette "Kleine Taschenlampe brenn‘".

Fazit: Überdrehter, schlecht gealterter und unterdurchschnittlich gespielter Mix aus Musikfilm, Romanze und Roadmovie, bei dem lediglich der Soundtrack überzeugt. 2 Sterne




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.