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Kritik: Der Formel Eins Film (1985)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Seine größten Erfolge feierte Wolfgang Büld mit Filmen über Autos. Anfang der 1990er lockten "Manta, Manta" und "Go Trabi Go 2" Scharen in die Kinos. Zu Beginn seiner Karriere stand noch die Musik im Mittelpunkt. Der 1952 geborene Drehbuchautor, Film- und Fernsehregisseur realisierte Musikdokus wie "Punk in London" (1977) oder "Woman in Rock" (1980). Auch in seinem Fernsehfilm "Brennende Langeweile" (1979) drehte sich alles um Punk. Mit "Gib Gas – Ich will Spaß" (1982), der dieser Tage ebenfalls eine Wiederaufführung erfährt, wechselte Büld dann von härteren Klängen zur Neuen Deutschen Welle. Ähnlich poppig geht es in "Der Formel Eins Film" zu. Wie Bülds Autofilme ist auch dieser eine ziemliche Klamotte.

Inhaltlich und Formal ähneln sich die beiden Filme. Schon in "Gib Gas – Ich will Spaß" diente die lose Handlung lediglich dazu, Songs von Nena und Markus unterzubringen. "Der Formel Eins Film" macht es genauso und daraus bereits in seinem Titel keinen Hehl. Auch die Versuche der von Sissy Kelling gespielten Tina, mit ihrem Demotape in der Fernsehsendung "Formel Eins" zu landen, zielen einzig darauf ab, möglichst viele Gastauftritte prominenter Musiker zu platzieren.

Weitere Parallelen stechen ins Auge: Kellings Figur teilt mit Nenas Figur in "Gib Gas" nicht nur denselben Vornamen, die zwei sehen sich auch verdammt ähnlich. Vielleicht hätte Büld, der Musikvideos wie "Eisgekühlter Bommerlunder" von den Toten Hosen umsetzte, auch für diesen Film gern den Popstar in der Hauptrolle gehabt. Ingolf Lück, der sich wie viele Gaststars selbst spielt, verwechselt Tina mit Nena zumindest auf augenzwinkernd amüsante Weise. Und während Nenas Tina in "Gib Gas" recht unverhohlen für eine Zigarettenmarke Schleichwerbung machte, wirbt Kellings Tina nun pausenlos für Schokoküsse mit Sahne.

Das Drehbuch von Büld, Rochus "Robi" Hahn und Peter Zemann macht sich zunutze, dass sowohl die echte "Formel Eins"-Sendung als auch ihre Komödie auf dem Bavaria-Film-Gelände in Geiselgasteig an der Münchner Stadtgrenze entstanden. Neben diversen Running Gags – darunter die fortwährende Zerstörung von Tinas Demotapes und die erfolglosen Versuche der Toten Hosen, einen Auftritt in der Sendung zu ergattern – entsteht ein Großteil des Humors, wenn das echte Leben auf die Inszenierung trifft. Dann gibt es eine Verfolgungsjagd durch die Kulissen von Wolfgang Petersens "Das Boot" (1981) oder eine Begegnung mit dem Eisenbeißer aus seiner "Unendlichen Geschichte" (1984).

Ein paar gelungene Gags wiegen die vielen Schwächen jedoch nicht auf. "Der Formel Eins Film" ist eine schlecht gespielte, ungelenk geschriebene und wie ein Musikvideo inszenierte Klamotte. 35 Jahre nach seiner Uraufführung mutet selbst die Musik bisweilen unfreiwillig komisch an. Während Stars wie Meat Loaf, Falco oder Katrina and the Waves überzeugen, sind andere wie Limahl längst vergessen. Immerhin: Das Wiedersehen mit den Toten Hosen (noch mit ganz altem Schlagzeuger) und ihrem für den Film erfundenen Manager Blömel (Dietmar Bär) ist interessant. So blutjung hat man die Düsseldorfer Punks und "Tatort"-Kommissar Dietmar Bär schon lange nicht mehr gesehen.

Fazit: "Der Formel Eins Film" bietet mehr Musikshow als zusammenhängende Handlung. 35 Jahre nach seinem ersten Kinoauftritt ist das Wiedersehen mit alten und manchen längst vergessenen Stars zumindest ein filmisches Kuriositätenkabinett.




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