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Clerks II
Clerks II
© 2006 Senator Film, alle Rechte vorbehalten.

Kritik: Clerks II (2006)


1994 legte der damals 24jährige Kevin Smith mit der Komödie „Clerks“ seinen Debütfilm vor. Das Geld für die Produktion organisierte sich Smith, der sein Filmstudium nach wenigen Monaten geschmissen hatte, aus verschiedenen Quellen: Er verkaufte seiner Comic-Sammlung, jobbte als Kassierer in einem Tante Emma-Laden (dem Schauplatz des Films), belieh Eltern und Verwandte und überzog seine Kreditkartenkonten.
Das Risiko zahlte sich aus, „Clerks“ spielte ein vielfaches seiner Produktionskosten ein. Gemeinsam mit seinem Freund Scott Mosier, der bei dem Dreh als Produzent, Cutter und Tonmann fungiert hatte, gründete Smith die unabhängige Filmproduktion „Viewaskew“ und kann seither über mangelnde Arbeit nicht klagen. Filme wie „Jay und Silent Bob schlagen zurück“, „Jersey Girl“ oder „Dogma“ gehen auf Smith' Konto.

Gerüchte über ein geplantes „Clerks“-Sequel gab es schon früh, wobei jedoch immer die Frage aufkam, ob eine solche Fortsetzung überhaupt umsetzbar und wünschenswert sei. Einiges sprach dagegen: „Clerks“ war mit einem winzigen Ensemble aus Hobbyschauspielern (in dem Smith selbst die Rolle des „Silent Bob“ übernahm), an fast ausschließlich einem Schauplatz, ganz in schwarz-weiß gedreht worden. Gespickt mit ellenlangen, mitunter reichlich vulgären, aber urkomischen Dialogen erzählte er von einem ganz normalen Tag im Leben von Dante Hicks, dem etwas über 20jährigen Kassierer in einem Tante Emma-Laden, und seinem in einer Videothek jobbenden Kumpel Randal Graves. Mit kurzen, aber umso schrägeren Episoden rund um die einkaufenden Kunden versprühte „Clerks“ diesen anarchischen Charme, der oft verloren geht, wenn aus dem Hobby Filme machen ein ernsthafter Beruf wird (man vergleiche Peter Jacksons „Bad Taste“ mit seinen späteren Produktionen). Zunehmend erschien auch die seit dem Dreh von „Clerks“ verstrichene Zeit ein Sequel immer unwahrscheinlicher zu machen.
Nun aber hat Kevin Smith seine Ankündigung doch noch wahr gemacht: 13 Jahre nach Veröffentlichung von „Clerks“ bringt er das versprochene Sequel zu seinem Debütfilm in die Kinos. Insgesamt hat Smith nur wenig verändert: Seine Hauptdarsteller sind nun natürlich nicht mehr 20, sondern X-und-30 Jahre alt. Als Schauplatz dient nicht mehr der Quick-Stop, sondern ein Imbiss. Gedreht wurde nicht in schwarz-weiß, sondern in Farbe. Außerdem gibt es einige neue Figuren : den naiven und ziemlich religiösen 19jährigen „Herr der Ringe“ und „Transformers“-Fan Elias (Trevor Fehrmann), der tatsächlich noch von seinen Eltern zur Arbeit im Imbiss gefahren wird, die Imbiss-Chefin Becky (Rosario Dawson), und Dantes nervige Verlobte Emnma (Jennifer Schwalbach), die ihren Fast-Ehemann behandelt wie ein Kleinkind.

Was wie ein kaum lösbares Problem wirkte – die inzwischen vergangene Zeit – erweist sich als großer Glücksfall. „Clerks“ galt seinerzeit als typischer „Generation X“-Film, als Film für Twentysomethings, die einigermaßen ziellos, aber mit viel Spaß, einer ausgedehnten Jugend fröhnen und Angst vor dem Erwachsenwerden haben. „Clerks II“ ist nun ein Film über die inzwischen als „Generation Praktikum“ verschrienen Thirtysomethings - eine Generation in der Warteschleife, deren Jugend sich inzwischen ins schier endlose ausdehnt und die generell eigentlich nichts dagegen einzuwenden hätte, irgendwann auch ein eigenes, selbstbestimmtes, (möglichst trotzdem spaßiges) Leben zu führen und ein ganz klein wenig mehr Verantwortung zu übernehmen, die aber leider die Chance auf den Absprung irgendwie verpasst zu haben scheint (falls es denn überhaupt je eine gab).

So ist „Clerks II“ tatsächlich zu einem lupenreinen Sequel geworden – eine Fortsetzung, die wirklich alles enthält was dem ersten Teil sauszeichnete: Gute Musik, ellenlange, mitunter vulgäre, aber urkomische Dialoge, schräge Episoden über Kunden, anarchischer Charme.

Ist „Clerks II“ also zu empfehlen?

Schwer zu sagen, zumindest für mich - "Clerks" selbst zählte zu meinen Lieblingskomödien und, wie inzwischen aufgefallen sein dürfte, meine Objektivität leidet darunter doch erheblich. Insofern kann ich hauptsächlich feststellen, dass jeder, der "Clerks" mochte, von der Fortsetzung nicht enttäuscht sein wird. Komplett sparen kann sich "Clerks II" hingegen, wer den ersten Teil schon unerträglich fand, wer Probleme mit vulgären Dialogen hat, wer generell dialoglastige Filme ohne Actionelemente eher unspaßig findet, wer Tiefschürfendes oder visuell Anspruchsvolles zu sehen verlangt.
Und wer sich in all diesen Gruppen nicht wiederfindet?
Tja, der muss eben Eigenverantwortung an den Tag legen und einen Selbstversuch starten. Viel Spaß dabei!





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