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Fata Morgana
Fata Morgana
© Stardust Filmverleih GmbH

Kritik: Fata Morgana (2007)


„Fata Morgana“ ist nach einer Reihe von Kurzfilmen das Langfilm-Debüt des 1976 in Berlin geborenen Autors und Regisseurs Simon Groß. Mit ruhigen Einstellungen vor grandioser Naturkulisse in der marokkanischen Wüste realisiert, erzählt Groß darin von der Irrfahrt eines jungen Touristenpärchens, das von einem mysteriösen Fremden zwar vom Verdursten in der Wüste bewahrt, nicht aber, wie versprochen, ins rettende Agadir gebracht wird.

Die ersten Bilder zeigen die scheinbare Harmonie eines jungen Paars beim Cluburlaub in Marokko: Daniel (Matthias Schweighöfer), der gerade sein Jurastudium abgeschlossen hat ohne sich so richtig darüber freuen zu können, und seine Freundin Laura (Marie Zielcke) verbringen ihre Tage mit Small-Talk am Swimming-Pool, Spaziergängen durch die Stadt und Basarbesuchen, bei denen billige Souvenirs erstanden werden. Höhepunkt ihrer Urlaubsreise soll ein Tagesausflug mit dem Mietwagen in die Wüste werden. Doch kaum haben sie Agadir hinter sich gelassen, zeigen sich erste Risse in der harmonischen Oberfläche ihrer Beziehung: Wortlos döst Laura im Jeep vor sich hin, gelangweilt sitzt sie später am Straßenrand und lässt Sand durch die Finger rinnen, während Daniel, mit seinem auf dem Basar erstandenen Cowboy-Hut als Sonnenschutz auf dem Kopf, aufgekratzt durch die Dünen rennt und das scheinbare Abenteuer dokumentiert.
Als Laura sich auf dem Rückweg über den Ausflug lustig macht, fährt Daniel, der zwar so einige Spießerzüge an sich hat, aber doch eigentlich gar kein Spießer sein will, prompt von der Piste ab und lenkt den Jeep durch unberührten Sand. Mit bösen Folgen: Bald schon haben die beiden sich hoffnungslos verirrt, und das Wasser, das Daniel anfangs noch gedankenlos verschwendete nur um sich die Hände zu waschen, wird bedrohlich knapp.
Rettung naht in Gestalt eines mysteriösen französischen Weltenbummlers, der verspricht, die beiden zurück nach Agadir zu bringen. Orientierungslos gezwungen, dem Fremden, der sie in tagelanger Fahrt immer tiefer in die Wüste führt, zu folgen, ihm zu trauen, obwohl er nun wirklich nichts tut um sich das Vertrauen zu verdienen, suchen Laura und Daniel nicht etwa Halt bei einander, sondern driften immer weiter auseinander – Laura scheint so gelangweilt von ihrem Freund, dass sie ihn nur schlafend ertragen kann, Daniel hingegen wird zunehmend misstrauisch und (nicht ganz unberechtigt) eifersüchtig auf den fremden Abenteurer. Aus einfachen Rissen in der Beziehung werden Schluchten, und ob die je überwunden werden, darf bezweifelt werden.

Was anfangs noch ein Suspense-Thriller sein könnte, entpuppt sich bald als metaphorische Erzählung, die weniger von realen Geschehnissen handelt, als dass sie das triste Innenleben der dahinsiechenden Beziehung der beiden Hauptfiguren sichtbar macht. Dummerweise zeichnet sich diese Beziehung hauptsächlich durch tödliche Langeweile aus: Es wird nicht groß gestritten, sondern standhaft geschwiegen, statt Probleme auszudiskutieren, werden sie einfach verschlafen. Und obwohl die Ereignisse in der Wüste ja offenbar nicht komplett real, sondern vielmehr eine Illusion, eine Fata Morgana eben, sein sollen, schafft es der Film erst in den Schlussminuten, von diesem öden Boden der Tatsachen abzuheben.
Es passiert also schlicht nicht allzuviel - wer viel Handlung, Spannung oder gar Action sucht, dürfte sich daher in „Fata Morgana“ so fehl am Platze wie das junge Paar in der Wüste. Als leises Beziehungsdrama, dass erheblich von seiner in langen Totalen eingefangenen, lebensfeindlichen Wüstenkulisse profitiert und mit gutem Darstellertrio aufwarten kann, hat das Drama allerdings durchaus seinen Reiz.




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