VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Live Flesh - Mit Haut und Haar (1997)


Mit seinem neuen Film bleibt Spaniens Kino-Anarchist Pedro Almodóvar dem Weg treu, den er seit "Mein blühendes Geheimnis" eingeschlagen hat. Auch bei "Live Flesh" verzichtet er auf das ganz schrille Beiwerk seiner frühen Filme. Er schafft dies, ohne formale oder erzähltechnische Kompromisse einzugehen. Almodóvar scheint einfach ein bißchen gelassener geworden zu sein, was dem Humor und der Sinnlichkeit des Films sehr zugute kommt. Die Geschichte selbst ist äußerst kunstvoll gewoben. Mit der Romanvorlage von Ruth Rendell geht der Spanier erwartungsgemäß sehr frei um: d.h., daß er die kriminalistischen Aspekte der Geschichte in den Hintergrund, die melodramatischen hingegen in den Vordergrund stellt.

Erzählt wird von drei Männern und zwei Frauen, die sich im Madrid unserer Tage in einen amourösen Reigen verstrickt haben, dessen Anfänge freilich einige Jahre zurückliegen. Ein verhängnisvoller Schußwechsel brachte damals einen der beteiligten Männer in den Rollstuhl, den anderen ins Gefängnis. Mittlerweile ist die Frau, um die es damals ging, mit dem Querschnitts-gelähmten liiert. Der vermeintliche Täter jedoch begehrt sie noch immer. Die ohnehin schon verworrene Lage wird durch zwei weitere "Mitspieler" unterschiedlichen Geschlechts zusätzlich belastet. Zu fünft umgarnt und belauert man sich, daß es nur eine Frage der Zeit ist, bis sich die alte Spirale von Eifersucht, Verzweiflung und Gewalt in Gang setzt.

Das hier nur angedeutete Beziehungsgeflecht ist von beeindruckendem Raffinement. Und wie es Schicht für Schicht entblättert wird, das ist äußerst spannend. Zumal man eigentlich nie weiß, was im nächsten Moment passieren wird. Für den typischen Almodóvar-Touch sorgen neben wunderbar gefilmten erotischen Einlagen recht unverhoffte und auch schon mal drastische Humorattacken.
Almodóvar verzichtet auf eine eindeutige Erzählperspektive und kann es sich somit leisten, auf Abstufungen innerhalb der Sympathiezuweisung seinem recht schrägen Personal gegenüber zu verzichten. Natürlich kommen unterm Strich die Frauen besser weg als die Männer. Dies allerdings durchaus ohne das letztere denunziert werden. Dem Gefangensein in den Zwängen ihrer Rollen gewinnt der Regisseur mal tragische meistens aber komische Züge ab.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.