VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Gnadenlos schön (1999)


Genüßlich seziert Ex-Werbe-Regisseur Michael Patrick Jann den Schönheitswahn der Amerikaner. Wie Rob Reiner 1984 in “This is Spinal Tap“ amüsant eine Rockband aufs Korn nahm, verfolgt Jann die Dreharbeiten einer fiktiven Dokumentation über einen Schönheitswettbewerb mitten in der Pampas von Minnesota. Spießbürgertum, Klassenunterschiede, Hinterwäldlerdenken, Patriotismus und Religion sind nur einige der vielen Ziele auf die sich die mit mehreren Vorzeigegesichtern besetzte Satire einschießt.

Als Neuauflage von Michael Ritchies “Lauter nette Mädchen“ von 1975 läßt Jann nicht einen Witz aus, was zu diversen Fehlzündungen führt. Für die Amerikaner war der Humor jedenfalls zu bösartig, sie mißachteten “Gnadenlos schön“ am Box Office. Hierzulande brennt das Thema zwar nicht auf den Nägeln, doch die erste Feuertaufe auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest ergab zumindest enthusiastischen Beifall.

Um wirklich hintergründig mit den anvisierten Marotten umzugehen, fehlt es hier jedoch an subtilen Momenten. “Gnadenlos schön“ schleudert einem die Gags nur so entgegen und bekämpft seinen Feind, die Oberflächlichkeit und Äußerlichkeit mit oberflächlichen und äußerlichen Mitteln. Zu letzteren zählt auch die ansehnliche Besetzung, die Ellen Barkin (“Sea of Love“) und Kirstie Alley (“Kuck' mal wer da spricht“) als immer wieder gern gesehene Beilagen aufweist. Als bösartiges Früchtchen präsentiert sich das zukünftige Bond-Girl Denise Richards, die sich schon in “Starship Troopers“ und “Wild Things“ als Man Eater einen Namen machte. Alle Sympathien trägt Kirsten Dunst, seit ihrer Blutsaugerrolle in “Interview mit einem Vampir“ deutlich herangereift.

Um dem fleißig erwähnten Vergleich zum Sozioschocker “Happiness“ gerecht zu werden, darf die propagierte politische Inkorrektheit nicht wie auf dem Laufsteg präsentiert werden. Zu platt sind auch Filmzitate wie “also sprach Zarathrustra“ geraten, einer der sichersten Kandidaten, wenn es darum geht, aus Zitaten Profit zu schlagen. Wenigstens sind sie unterhaltsam und kurzweilig. Strukturell hängt das Mockumentary am unerquicklichen dramatischen Durchschnittsablauf, den es zu keiner Zeit durchbricht. So sorgt lediglich die Grobheit der Späße für Überraschungen, deren Extrema Michael Patrick Jann zumindest gründlich auslotet.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.