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Kritik: Widows - Erst die Ehe dann das Vergnügen (1998)


Lustige Witwen

Hurra! Endlich mal wieder eine Beziehungskomödie, denn wann bekommt man eine solche aus deutschen Landen schon zu sehen? Wir lechzen doch geradezu nach diesen Charakteren - frustrierte Frauen in der Midlife-Crises; treu- oder verständnislose Ehemänner, leidenschaftliche Liebhaber. Wie haben wir das vermißt!

Aber keine Angst! Drei lustige Möchtegern-Witwen werden unseren Hunger stillen. Denn Molly (Eva Mattes), Elisabeth (Katja Flint) und Maria (Ornella Muti) haben die Schnauze gestrichen voll. Das mittelalterliche Trio steht kurz vor der Schwelle zur menschlichen Steinzeit und zieht Bilanz. Was hat einem die Existenz auf Erden bisher gebracht? Was haben ihre Männer mit der wirklichen Befriedigung zu tun? Die eine philosophiert länger über den Sinn des Lebens, die andere neigt zum Kurzschluß. Doch alle kommen zum gleichen Ergebnis: Die Freiheit muß her, die Männer weg!

Sherry Hormann (“Irren ist männlich”) präsentiert uns diesen Akt der Männerentsorgung. Mit unglaublichen Wendungen und Zufällen läßt sie ihre Hauptfiguren jegliche Möglichkeiten zum Leichenpflastern durchdenken, durchspielen, durchexerzieren. Doch mit einer Tatsache hat sie leider nicht gerechnet. Der Zuschauer wird dazu verleitet, einen Film ernster zu nehmen, als er ihn nehmen dürfte. Denn inmitten dieses komödiantischen Ramsches blitzen Momente auf, die weitaus weniger oberflächlich, fast intensiv wirken. Der erste Tod eines Gatten liegt in der Luft und Molly, Elisabeth und Maria wandern zur Lagebesprechung. Betroffene Ruhe ist eingekehrt. Eine fast unbewegte Kamera beobachtet
minutenlang die Szenerie. Wenn das betretene Schweigen der Frauen langsam aber sicher in hysterisches Gelächter ausartet, dann wird deutlich, welcher schauspielerische Fundus in den renommierten Darstellerinnen liegt, gibt man ihnen nur Raum und Zeit. Doch in "Widows" ist der Raum begrenzt und die Zeit knapp. Nur zu schnell enden solch hoffnungsvolle Augenblicke in breit angelegter Lächerlichkeit.

Auf diese Weise bekräftigt “Widows” erneut einen fatalen Trend deutscher Filmkultur. Während grandios verwirklichte Projekte von Hormanns einstigem Lehrmeister Dominik Graf (“Der Skorpion”!!!) im Fernsehen ihr Debüt begehen müssen, dominiert auf den Leinwänden deutsches Mittelmaß mit Potential zum “Movie der Woche”. Länger als sieben Tage wird man sich nämlich auch an “Widows” nicht erinnern.





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