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Das Trio - Jeanette Hain
Das Trio - Jeanette Hain
© Warner Bros.

Kritik: Das Trio (1998)


Tragisch, komisch und ein "schwuler" Götz George

Zwei plus zwei macht drei! Zumindest in Hermine Huntgeburths liebenswert verfilmter Alltagsstudie über ein absolut nicht alltägliches Gaunertrio:

Die außergewöhnliche Familien-Bande geknüpft aus dem schwulen Zobel (Götz George), dessen "Frau" Karl (Christian Redl) und Zobels Tochter Lizzi (Jeanett Hain), fristet ihr Dasein mehr schlecht als recht mit Taschendiebstahl der altbewährten Art: Der arme Blinde, der aus Versehen den schröpfbaren Passanten anrempelt, Lizzi, die diebisch-flink zuschlägt und der legere Zeitschriften lesende Mann, der die Beute schließlich einsackt. Und ab in das "Pace Wagon"-Wohnmobil und roadmoviemäßig zur nächsten Stadt.

Der Film entwickelt in seinem Verlauf einen liebenswerten Charakter, der nicht zuletzt auch von der einfühlsamen und zum Teil innovativen Leistung der Schauspieler getragen wird. So wirken zum Beispiel die bestimmt nicht einfach zu spielenden schwulen Liebesszenen zu keinem Zeitpunkt tuntig - selbst wenn Karl im blauen Paillettenkleid und den aus dem gleichnamigen Film uns wohl allen noch bekannten My Girl-Song auf den Lippen ein Tänzchen für Zobel hinlegt.

Doch dieses erste Familienidyll zerbricht an Karls Müdigkeit, denn: Er ist sein Toupet leid, mit dem er sich jünger zu machen versucht. Er ist seinen Beruf leid, den er nur aus Liebe zu Zobel ausübt. Und er ist Zobel leid, der ihn in Zukunft immer betrügen wird. Bei einer Diebestour verunglückt Karl.

Rudolf (Felix Eitner) stößt zum Trio. Er ist jung, gut aussehend und gelehrig. Er gefällt Lizzie und weckt Sehnsüchte in Zobel...

Zwei plus zwei macht drei; denn da der eine schon nach der Hälfte rausfliegt und der andere erst kurz vorher dazukommt ist "Das Trio" eigentlich eine doppelte Dreiecksgeschichte mit zwei gegeneinander um die Gunst der einen Variablen buhlenden Konstanten.

Mit viel Fingerspitzengefühl erzählt Hermine Huntgeburth das Schicksal dieser doppelten Trio-Symbiose. Zusammen mit den Argusaugen von Martin Kukula (Kamera) entgeht ihr keine noch so kleine Facette des wie die anfänglich eingefangene Achterbahn durch Höhen und Tiefen rasenden Alltags; sei sie noch so tragisch, etwa wenn Zobel von Karls Tod erfährt. Zumeist aber triumphieren die komischen Elemente, der hintergründige manchmal tiefschwarze Humor, der zum Beispiel hinter dem tragischen Schicksal von Rudolfs Haustier hervorlugt. (Aber mehr wird nicht verraten!)

So ist es schade, daß der Ausgang der Handlung, die Auflösung der wunderbar inszenierten zweiten Familienidylle - Zobel, dem zwischen den Stühlen sitzenden Rudolf und Lizzi - nicht recht befriedigt. Zumal das beinahe hektische Tempo der nun rascher aufeinander folgenden Szenen den letzten Teil des Films schwer nachvollziehbar erscheinen läßt.

Doch trotz dieses kleinen Mankos am Ende ist der Film allen zu empfehlen, denen mal wieder nach cineastischer Unterhaltung der anspruchsvolleren Sorte und (THX und dts zum Trotz) leiseren Töne ist.

Zwei (fürs Drehbuch) plus zwei (für die Ausführung) macht halt doch zwei..!





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