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Ewan McGregor - 'Velvet Goldmine'
Ewan McGregor - 'Velvet Goldmine'
© Tobis Film

Kritik: Velvet Goldmine (1998)


Stecke einen Musiker in exzentrische Kostüme, maskiere ihn bis zur androgynen Unkenntlichkeit, umrahme seine Bühnenauftritte mit medienwirksamen Skandalen! Was herauskommt, ist ein Glam-Rock-Star, eine Chart-Bombe zwischen Pop und Provokation, faszinierendes Wesen aus einer scheinbar anderen Welt, in der alle Grenzen anders gesteckt sind.
David Bowie und Iggy Pop sind zwei Vertreter dieser Spezies; alles begann Anfang der siebziger Jahre in London und ist heute schon Mythos, an den man sich nostalgisch klammern kann.

In "Velvet Goldmine" sind Ähnlichkeiten mit diesen (und anderen) prägenden Figuren der Musikhistorie weder unbeabsichtigt noch zufällig. Denn der amerikanische Regisseur Todd Haynes hat sich an ein Portrait dieser Ära gemacht und läßt sie aus der Sicht eines ehemaligen Fans erzählen. Arthur Stuart (Christian Bale) recherchiert 1984 als Zeitungsreporter die Karrieren der Glam-Rocker Brian Slade (Jonathan Rhys-Meyers) und Curt Wild (Ewan McGregor), interviewt Zeitzeugen und wird dadurch mit seiner eigenen Vergangenheit als Heranwachsender konfrontiert. In "Velvet Goldmine" hängen überlebensgroße Poster im Zimmer eines Jugendlichen, gleichzeitig basteln Legenden an ihrem Image und dem großen, glamourösen Leben dahinter. Starbilder dienen als Wichsvorlage eines Pubertierenden, während Vorbilder ihre private sexuelle Revolution verwirklichen.
Alles ist möglich, alles war möglich. Man wähnte sich in einer glanzvollen, kettensprengenden Zeit. "Wir lebten unsere Träume" schwärmt die Ex-Ehefrau eines Glam-Rockers im Interview und blickt
gleichzeitig auf eine gescheiterte Vergangenheit zurück.

Genau in diesem Zwiespalt bewegt sich die ambitionierte Regiearbeit von Todd Haynes. Zum einen rauschhafte Bilder von Popikonen, traumhaft arrangierte Kulissen, Hirngespinste in Pomp und Plüsch, auf der anderen Seite Absturz, die Ernüchterung - alles vorbei. Und mittendrin stand und steht Arthur Stuart, der Journalist, der weiß, daß alles vorbei und nichts mehr zurückzuholen ist, außer Erinnerungen und die Musik einer Epoche. "Velvet Goldmine" macht diese individuellen Erinnerungen sicht- und hörbar, stilistisch außerordentlich abwechselnd, manche mögen sagen, uneinheitlich, unpaßend. Vielleicht ist aber ständiger Stilbruch das unabdingbare Element dieser Ära, rücksichtslose Veränderung der Ausdruck dieses Lebensgefühls.





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