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Kritik: Das Mercury Puzzle (1998)


"Na bitte," mag sich Bruce Willis nach der ersten flüchtigen Lektüre des Drehbuchs zu "Das Mercury Puzzle" gesagt haben, "genau das richtige für mich, paßt wie die Faust aufs Auge." Dies könnte man tatsächlich bei flüchtiger Betrachtung so sehen. Immerhin entspricht der zentrale Charakter Willis' Rollentypus, dem auf sich alleine gestellten Kämpfer, und variiert ihn geringfügig. Dem vereinsamten FBI-Agenten wird ein autistisches Kind an die Seite gestellt. Die Spiegelung der beiden gebrochenen Persönlichkeiten gänzlich unterschiedlichen Alters hätte als Kernmotiv des Films einiges hergegeben. Leider wird das Potential der Geschichte aber alles andere als ausgeschöpft. Übrig bleibt dann ein bestenfalls durchschnittlicher Actionfilm, der auch noch ständig über die selbstgestellten Drehbuchfallen stolpert.

Um einen neuen militärischen Geheimcode auf seine Tauglichkeit zu testen, wird er von Sicherheitsexperten (!) in einem Rätselheft versteckt (!!??). Durch einen Zufall (!?) knackt Simon, ein neunjähriger autistischer Junge den Code, freilich ohne seine Brisanz zu erkennen. Die Verantwortlichen von der nationalen Sicherheit geraten in Panik (!?) und hetzen dem Jungen einen regierungsamtlichen Killer (!) auf den Hals. Der erledigt zwar die Eltern (eine unschöne Szene), aber der kleine Simon kann entkommen (!). Der in der Mordsachen ermittelnde Beamte (Bruce Willis) wittert vage eine Verschwörung (?) und nimmt sich des Jungen an. Schnell wird ihm klar, daß er richtig gelegen hat, denn nun ist auch er im Schußfeld. Als sich die beiden in immer aussichtslosere Gefilde gedrängt sehen, muß Hilfe von dritter Seite her. Sie stellt sich in Form einer Zufallsbekanntschaft (!!) aus einem Café.

Fortan sind die Karten neu gemischt. Denn während sich die junge Dame aus dem Café um den Jungen kümmert, kann der FBI-Mann nun endlich seines Amtes walten und zum Gegenschlag ausholen, der schließlich in einem Hubschrauberfinale mündet.
Nun ist der Zufall ohne Zweifel ein dankbares Motiv für künstlerische Reflektion und Auseinandersetzung. Paul Auster hat wunderbare Bücher zu dem Thema geschrieben und Krzysztof Kieslowski ebensolche Filme gedreht. In einem gewöhnlichen Krimi hat der Faktor Zufall aber nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. Und das tut er im "Mercury Puzzle" wahrlich nicht. Überhaupt ist das Drehbuch des Werkes weitgehend von Logik befreit. Also, alles in allem kommt es hier schon knüppeldick. Und da hilft es dann auch nicht, das Bruce Willis, unter den angesagt Krawalldarstellern bekanntlich mit Abstand der interessanteste weil vielseitigste, hier trotz Minimaleinsatz noch seine souveräne Leinwandpräsenz zum Ausdruck bringt.





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