oder

Moebius (1996)

User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5.0 / 5

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Eine Moebius-Schleife, benannt nach dem Leipziger Astronom und Mathematiker August Ferdinand Moebius, ist eine Schleife, die so überkreuz gelegt wird, daß ihre Enden sich zu einem Kreis schließen. Eine solche Schleife eignet sich ganz wunderbar zu Spekulationen über Unendlichkeit, weswegen sich die Studenten der Universidad del Cine ihre Gedanken zu diesem Phänomen gemacht und diese in einen schrägen Film verpackt haben. Im Tunnelgewirr von Buenos Aites Nahverkehrsnetz verschwindet unter unerklärlichen Umständen ein gesammelter Zug. Ab und an taucht Zug Nr. 86 wieder auf, interessanterweise manchmal sogar fast zeitgleich an zwei verschiedenen Orten. Allerdings wird der Zug immer nur von den Sicherheitssystemen aufgespürt, die Suchmannschaften bekommen ihn nie zu Gesicht, spüren nur ab und an die Vibrationen und hören das Donnern der Maschine.

Der junge Mathematiker David Pratt soll nun das Verschwinden des Zuges aufklären, denn mit Zug 86 auch noch der Konstrukteur des letzten Bauabschnittes der U-Bahnlinien verschwunden, und dieser war der Professor von Pratt. Der Mathematiker kommt auf seiner Suche zu der Überzeugung, daß der Zug in einer Moebius-Schleife gefangen ist und daher Raum- und Zeitdimension hinter sich gelassen hat. Dummerweise will ihm das niemand so recht glauben...

Filmkritik

Die berühmt-berüchtigte "Moebius"-Schleife, ist ein Verwirrspiel, auf das man in der Literatur nicht selten stößt - ein über die Geschichte hinweg reizvoll-mythisches Gebilde.
In ihrem Gemeinschaftswerk bedienen sich die Studenten meisterhaft-gekonnt der geheimnisvollen Schleife, um eine mehrdimensionale Filmparabel zu schaffen. Dabei folgt die Geschichte spielerisch dem labyrinth-ähnlichen Tunnelwegen von Buenos Aires, auf den Spuren einer verschwundenen U-Bahn.
Als "Erben" eines Julio Cortazars oder Jorge Luis Borges, den argentinischen Autoren und Meister von bizarren Rätseln und Phantasmagorien, führen sie diese geistigen Irrgartenwege weiter, und gelangen dabei in ein Meer von traumhaften und dunklen Film-Landschaften.

Nicht nur verwirren, sondern vorallem aufrütteln will uns diese zunächst absurd anklingende Geisterbahn-Geschichte: Wie der junge Mathematiker Pratt, der selbst zum Passagier des Zuges Nr. 86 wird, müssen wir erkennen, daß die anderen Fahrgäste - seine Mitmenschen - so stark im Sog der Ziel- und Sinnlosigkeit gefangen sind, daß sich der letzte Hoffnungsschimmer gar auszulöschen droht. "Die wachen nicht auf, bevor sie nicht merken, daß sie schlafen" - hier wendet sich der Film direkt an das Publikum, um die in uns schlummernde Existenzfrage zu wecken.
Die Hinführung zur Seinsfrage wird bereits im Prolog, visuell durch die in die U-Bahn einsteigenden Menschen, von denen man nur Beine und Füße zu sehen bekommt, auditiv durch die begleitende off-Stimme des Mathematikers, deutlich
.
Der Film, der unter dem minimalen Budget und der einfachen Ausrüstungen kaum gelitten hat, sondern dessen daraus resultierenden, stilistischen Lösungen, ihn gar in die Nähe eines kleinen Kunstwerks rücken, konfrontiert uns nicht nur mit berauschenden Bildern, einem Wechselbad der Sinneswahrnehmung, sondern gewährt uns einen Einblick in den Kern seiner Metaphysik: Sein oder nicht Sein - Schein und Sein.

Mit ihrem ersten Spielfilm konnten die argentinischen Studenten so, mathematische Genies, Naturwissenschaftler, Philosophen und Cineasten zugleich begeistern.




Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Argentinien
Jahr: 1996
Genre: Science Fiction
Länge: 88 Minuten
Kinostart: 02.10.1997
Regie: Gustavo Mosquera R.
Darsteller: Annabella Levy, Guillermo Angelelli, Roberto Carnaghi
Verleih: Kairos Film



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