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John Carpenter's Vampire
John Carpenter's Vampire
© Studiocanal

Kritik: John Carpenter's Vampire (1998)


Horrorspezialist John Carpenter, spätestens seit "Halloween – die Nacht des Grauens" eine Kultfigur, hat sich in den letzten Jahren nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert: Filme wie "Flucht aus L.A.", "Das Dorf der Verdammten" oder "Jagd auf einen Unsichtbaren" waren durchaus geeignet, das Vertrauen der Fans in das Können des Altmeisters zu erschüttern. Das soll nun alles anders werden, und so kehrt Carpenter mit seinem jüngsten Epos ganz ohne Schnörkel zu den Ursprüngen des Splatter-Horror-Genres zurück.

Nein, mit dem postmodernen Teenie-Horror unserer Tage hat dieser Film gottlob so gut wie nichts gemein. Unprätentiös, staubtrocken und knüppelhart sind Carpenters "Vampire" – dies ist der beste Film des Regisseurs seit 15 Jahren.

James Woods, brillant wie immer, wandelt dabei zwischen Dirty Harry und dem Terminator: Mit automatischen Waffen verschießt er Silberkugeln, mit Pfeil und Bogen aus einer High-Tech-Schmiede wird gepfählt – Knoblauch, Kreuze und geweihtes Wasser sind nur wirkungsloser Kinderkram. Das Originielle an "Vampire" ist, daß dieser Film sich gar nicht erst die Mühe macht, um jeden Preis besonders originell zu sein.

"John Carpenters Vampire" ist eine Mischung aus blutigem Road-Movie und Horror-Western, in dem die Untoten zwar grausam und brutal, jedoch nicht unbesiegbar sind. Mit Ausnahme von Valek: Er ist der Ur-Vampir und das Ergebnis eines im 14. Jahrhundert fehlgeschlagenen Exorzismus. Kurzum: Die Kirche ist an allem Schuld, verbreitet sich der Vampirirmus seitdem doch wie eine Krankheit, deren "Virus" – AIDS läßt grüßen – durch den stets auch erotischen Biß des Blutsaugers von einem Wirt zum nächsten übertragen wird. Das ist dann doch noch originell.
Rico


Zum Start von John Carpenters neuem Film zwei Nachrichten: eine schlechte und eine noch schlechtere. Also erst die ganz schlechte: "Vampires" reiht sich konsequent ein in Carpenters fiasköses Schaffen der letzten - sagen wir mal - 15 Jahre. Und jetzt die etwas weniger schlechte. Ganz so hochnotpeinlich wie "Flucht aus L.A." bzw. "Dorf der Verdammten" ist der neue Film nicht. Schlimm genug aber allemal, und dem Zusammenhang stellen sich mindestens zwei drängende Fragen. Wie ist es möglich, daß ein Regisseur, der vor 25 Jahren hochbegabt dran ging, den Begriff Suspense für die unterschiedlichsten Genres des Unterhaltungskinos neu zu definieren, nach zehn Jahren auf einmal sein überragendes Talent völlig verloren hat? Wie ist es möglich, daß das scheinbar nur dem solchermaßen malträtierten Publikum auffällt und nicht den diversen Produzenten, die Carpenter nach wie vor die Stange halten und mit Geldern und Regieaufträgen versorgen? Vielleicht sollte noch eine dritte Frage angeschlossen werden: Wie ist es möglich, das Carpenter, dessen kreative Reputation sich, wie gesagt, seit vielen Jahren im freien Fall befindet, nach wie vor bei einem Teil der das Filmgeschehen beobachtenden Presse als Kultregisseur gehandelt wird, der gerade mal vorrübergehend ein künstlerisches Jammertal durchschreitet?
Hier meine Antwort: Ich weiß all dies nicht. Ich weiß nur eins: John Carpenter ist als Filmregisseur völlig ausgebrannt, von ihm ist aber auch gar nichts mehr zu erwarten, und wer sich gebremst hoffnungsvoll den jeweils neuesten Film von ihm anschaut ist - Verzeihung - selber Schuld.
Noch ein paar Sätze zu "Vampires". Der Film bemüht sich so etwas wie ein Horror-Western zu sein. Als Vorbild habe ihm "The Wild Bunch" (immerhin einer der besten Western aller Zeiten) vor Augen gestanden, sagt Carpenter im Presseheft. Da wird sich der arme Sam Peckinpah aber gehörig und mehrfach im Grabe umdrehen.
Sei’s drum: Im Auftrag des Vatikan zieht eine Horde schießwütiger Vampirjäger durch Amerika und dortselbst von Massakker zu Massakker. Es gilt die Brut der Nacht im Zaum zu halten. Vor allem deshalb, weil der Ober-Beißer drauf und dran ist, sich in den Besitz eines obskuren schwarzen Kreuzes zu bringen. Dies würde den Vampiren das Überleben im Sonnenlicht und somit die Weltherrschaft ermöglichen. Nach etlichen Scharmützeln läuft das Ganze auf den üblichen Zweikampf guter Hauptdarsteller gegen bösen Hauptdarsteller hinaus.
Einzig die ganz dumpfen Splatterfans dürften an dem miesen Schmonzes ihre Freude haben. Alle anderen werden sich mit Grausen abwenden, angesichts eines Films, der stinklangweilig ist. So richtig schlimm ist dann allerdings der extrem rüde, geradezu abstoßend menschenverachtende Grundton des Geschehens. Hinzu kommen hahnebüchende Dialoge und ein völliges inszenatorisches Unvermögen, das sich z.B. in der andauernden Überblendungsorgie zeigt. Für ein schrilles Intermezzo sorgt im übrigen Maximilian Schell, der einen kuriosen Kurzauftritt als Kardinal oder Bischoff oder sowas ähnliches hat. Da entwickelt sich bei aller übrigen Tristess zumindest so etwas wie unfreiwillige Komik. Ansonsten gibt es hier nichts zu lachen.





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