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goEast Festival 2011
goEast Festival 2011
© goEast

Schnitzel à gogo

GoEast: Hommage an Jan Svankmajer

Tanzende Schnitzel, fliegende Würstchen und krabbelnde Rinderzungen bevölkern die absonderlichen Filmwelten des tschechischen Surrealisten Jan Svankmajer, dem die diesjährige Hommage des 11. GoEast-Festivals in Wiesbaden gewidmet war.

Ein Kurzfilmprogramm mit sechs Beiträgen konzentrierte sich auf Arbeiten, die dem heutigen Publikum meist unbekannt sind, die vor dem siebenjährigen Berufsverbot durch das kommunistische Regime in Prag entstanden und zum Teil Preise in Cannes, Oberhausen und auf der Berlinale gewannen. Hauptaugenmerk der Hommage lag auf der Präsentation der sechs Langfilme Svankmajers von „Alice" aus dem Jahr 1987 bis zum im letzten Jahr in Cannes aufgeführten „Sein Leben überleben", übrigens der erste Film Svankmajers, der ohne die Mitarbeit seiner vor einigen Jahren verstorbenen Ehefrau Eva Svankmajerova entstanden ist. Als echte Entdeckung der Hommage kann man zweifelsfrei „Verschwörer der Lüste" (1996) bezeichnen, Svankmajers heitere und dennoch sehr skurrile Satire, die ohne Dialoge und mit ungewöhnlich wenigen Animationen auskommt: Das Publikum muss eine Stunde warten, bis die geliebten Svankmajer-Effekte einsetzten was dem Werk in keinster Weise schadet. Zum Thema Animation war auch Bedrich Glaser nach Wiesbaden gekommen, der seit 1980 eng mit Svankmajer zusammenarbeitete und seit der Poe-Adaption „Der Untergang des Hauses Usher(1986) als sein Chef-Animateur fungiert. Der Mann also, der den Schnitzeln das Tanzen beibringt und den Würstchen Beine verleiht. Bedrich erzählte, dass die Filme nach Svankmajers Berufsverbot quasi im Prager Underground entstanden ohne Wissen der Behörden, ohne offizielle Drehgenehmigungen. Das Geld für „Alice", den ersten Langfilm, organisierte man durch Mittelsmänner in der Schweiz und beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. „Es gab große Widerstände gegen unsere Arbeit in der ehemaligen CSSR", so Bedrich. „Doch die zwölf Monate Dreh für 'Alice' waren die spannendste Zeit meines Lebens!".
Nachdem Bedrich in „Alice" das Kaninchen zum Leben erweckte, interessierte er sich verstärkt für das Material Knete, was zum ersten Mal im legendren Fußballkurzfilm „Virile Spiele" zum Einsatz kam. Auf die Frage, warum sowohl bei Svankmajer als auch in seinen eigenen Werken (GoEast zeigte Bedrichs „Der Gast") immer wieder animiertes Fleisch, Gemüse und Obst zum Einsatz kommt, antwortete der kauzige Gast aus Prag: „Lebensmittel sind nun mal die Basis des Lebens.



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