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Jack Nicholson in Einer flog über das Kuckucksnest
Jack Nicholson in Einer flog über das Kuckucksnest

TV-Tips für Sonntag (11. Januar): Jack Nicholson vs. das System

ARTE zeigt "Einer flog über das Kuckucksnest"

Drei Filme wetteifern im Hauptprogramm um die Publikumsgunst. Wer ihn noch nicht kennt (aber auch selbst wenn man ihn schon zigmal gesehen hat), kommt um eines der größten Meisterwerke der Filmgeschichte auf ARTE nicht herum: "Einer flog über das Kuckucksnest" mit Jack Nicholson in der Form seines Lebens. Wer es aktueller mag, halte sich an Russell Crowe auf RTL.

"72 Stunden - The Next Three Days", RTL, 20:15 Uhr:
Die geschätzten Zuschauer haben nicht immer das feinste Gespür, sonst hätten sie diesen Thriller 2010 nicht so kolossal floppen lassen. Russell Crowe war so etwas wie Kassengift - der Australier hatte es sich durch vermeintlich arrogantes Verhalten mit dem Publikum offenkundig in toto verscherzt. Selbst spannende Filme wie "State of Play" gingen unter, und "The Next Three Days" ging es nicht anders. Vielleicht halfen auch die Trailer von Lionsgate Films nicht besonders, die bereits den ganzen Film erzählten, so dass man sich fragte, wozu man ihn sich eigentlich jetzt noch ansehen sollte. Schade, denn dann bekam man die phantastischen Leistungen von Crowe und Elizabeth Banks nicht zu sehen. Glaubwürdig ist diese Geschichte, in der ein Ehemann versucht, seine wegen Mordes verurteilte und im Gefängnis sitzende Gattin zu befreien, nicht - aber spannend. Regisseur Paul Haggis ("L.A. Crash") lieferte hier eine Wiederverfilmung des französischen Streifens "Ohne Schuld" von 2008. "Der Film schafft es durch die Plausibilität der Darstellerleistungen und der Inszenierung, die 'Zufälle' und Unwahrscheinlichkeiten der Handlung zu überwinden", befand Kritiker Ben Rawson-Jones für "Digital Spy".



"In Time - Deine Zeit läuft ab", Pro 7, 20:15 Uhr:
Viele Menschen wünschen sich mehr Zeit – für Freunde und Familie, für ihre Hobbies. Dieser Thriller treibt den Wunsch nach Zeit noch ein ganzes Stück weiter: Regisseur und Drehbuchautor Andrew Niccol präsentiert eine Zukunft im Jahr 2169, in der Menschen mit 25 zu altern aufhören und dann noch ein Jahr zu leben haben. Doch es ist möglich, sich Zeit zu kaufen – und so ewig jung zu bleiben. Diese offensichtliche Parabel auf den Kapitalismus ("Zeit ist Macht"): Wer hat, dem wird gegeben – und die oberen Zehntausend können es sich leisten, provozierend verschwenderisch mit ihrer Zeit umzugehen – während diejenigen, welche keine Zeit haben, herumhetzen und schauen, wie sie zurecht kommen. Als einer dieser Zeit-Habenichtse (Justin Timberlake) des Mordes beschuldigt wird, begibt er sich mit einer Geisel (Amanda Seyfried) auf die Flucht. Und wird zur Herausforderung des ganzen (Zeit)Systems. Ausgerechnet in den von der Kapitalismuskrise gebeutelten Vereinigten Staaten wollte das Publikum von dieser interessanten Kritik am bestehenden System nichts wissen; die Fox-Produktion floppte, zumal auch die Rezensenten insgesamt abschätzig über "In Time" urteilten. Aber sie ist einen Blick wert, wie beispielsweise auch Roz Laws von der "Birmingham Post" meinte: "Wäre Zeit wirklich eine Währung, wäre ich nicht sicher, dass ich 109 kostbare Minuten hierfür ausgeben wollte – und trotzdem ist dies gerade sehenswert genug, um keine komplette Zeitverschwendung zu sein."



"Einer flog über das Kuckucksnest", ARTE, 20:15 Uhr:
Oregon 1963. In einer Nervenheilanstalt trifft Randall McMurphy (Jack Nicholson) ein. Verurteilt für Sex mit einer Minderjährigen, soll sein Geisteszustand untersucht werden. Obwohl er keinerlei Anzeichen einer Geisteskrankheit zeigt, will "Mac" lieber in der Psychiatrie verbleiben und sich dort einen lauen Lenz machen, statt den Rest seiner Zeit auf einer Gefängnisfarm hart zu arbeiten. Doch schnell legt sich der unbequeme Neuankömmling mit der Oberschwester Ratched (Louise Fletcher) an. Ken Keysey's gleichnamiger Roman von 1963 nahm Ablaufprozesse im Gesundheitsbetrieb kritisch unter die Lupe und verdammte das Prinzip des Behaviorismus, also die Wissenschaft, die Verhalten von Menschen allein mit naturwissenschaftlichen Methoden und ohne Introspektion oder Einfühlung untersuchen und erklären will. Zu Beginn der sechziger Jahre ließ das Buch allerdings auch etwas von den Auseinandersetzungen der Jugend mit den älteren Generationen erahnen, die in jenem Jahrzehnt noch gewaltig und gewaltätig ausbrechen sollten: Das konsequente In-Frage-Stellen und Hinterfragen von Autorität und deren Diktum "Das haben wir doch schon immer so gemacht" durch Anti-Autoritäre. Es war dem damals 30 Jahre alten Michael Douglas zu verdanken, dass der Roman 1975 auf die Leinwände kam. Mit dem Triumph des Dramas, der heute unstreitig zu den größten Meisterwerken der Kinogeschichte gehört, trat Douglas auch als Produzent aus dem Schatten seines Vaters Kirk. Michael und Mitproduzent Saul Zaentz hatten ein außergewöhnliches Ensemble vor und hinter der Kamera versammeln können (darunter die jungen Schauspieler Brad Dourif, Danny de Vito und Christopher Lloyd), und die versammelten Künstler befanden sich in der Form ihres Lebens. Regisseur Milos Forman war dabei die perfekte Wahl für diesen Stoff. Der Tscheche wusste aus eigener Lebensanschauung, wie sich Autoritäten herausfordern lassen: Als Widerständler unter deutscher Besatzung und als Antagonist zum kommunistischen System, das er nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 Richtung USA verlassen hatte. "One Flew Over the Coockoo's Nest" wurde dementsprechend ein grandioser Erfolg. Der damals für drei Millionen Dollar produzierte Film spielte allein in Nordamerika über 100 Millionen Dollar ein. Bei den Academy Awards schaffte das Werk das seltene Kunststück, die "Großen Fünf" zu gewinnen: Er holte "Oscars" als "Bester Film", für "Beste Regie", "Bestes Drehbuch", "Beste Hauptdarstellerin" und "Bester Hauptdarsteller". Ein Zuschauer aus dem kanadischen Ontario meint: "Der Film besitzt eine exzellente Handlung, erstklassige Schauspieler und wechselt im Tonfall zwischen wirklich erhebend bis zu entsetzlich deprimierend, manchmal gleichzeitig."



"Die Frau nebenan", 3sat, 22:00 Uhr:
Bernard (Gerard Depardieu) führt mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn ein harmonisches Familienleben auf dem Land nahe Grenoble. Dann aber zieht in das Nachbarhaus ausgerechnet ein Paar, mit dessen Frau Mathilde (Fanny Ardant) Bernard vor sieben Jahren eine leidenschaftliche Liebesbeziehung verband. Zunächst versucht Bernard, Mathilde aus dem Weg zu gehen - doch schon bald lodern wieder die Liebesflammen auf. Regisseur und Drehbuchautor Francois Truffaut gelang 1981 dieses faszinierende Drama über romantische Besessenheit, Schuld, Leidenschaft und die Konsequenzen, die sich daraus ergeben können. Tiefgründig, vielschichtig und famos gespielt. "Die Magie des Kinos zeigt sich hier ganz besonders - wie wäre es sonst möglich, eine Geschichte, die so bekannt klingt, für unsere Augen und Ohren frisch und neu wirken zu lassen? Truffaut schafft es mit 'La femme d'à Coté", einer scheinbaren Klischee-Liebesgeschichte das enorme Gefühl etwas völlig Unbekannten für uns verleihen", findet ein Zuschauer aus dem brasilianischen Sao Paulo.



"Don Mariano weiß von nichts", ARD, 01:10 Uhr:
Auf Sizilien wird ein Bauunternehmer von seinen Konkurrenten ermordet. Das Verbrechen wird von der Mafia als Eifersuchtsdelikt vertuscht, die Zeugen werden beseitigt. Ein unbestechlicher Polizist (Franco Nero) versucht dennoch, die Verantwortlichen zu überführen. Dieser italienische Kriminalfilm von 1968 lief in der damaligen BRD auch unter dem Titel "Der Tag der Eule", was dem Originaltitel "Il giorno della civetta" entspricht. So heißt auch die Romanvorlage aus dem Jahr 1961, die sich einer wahren Begebenheit - der Ermordung eines kommunistischen Gewerkschaftlers im Januar 1947 auf Sizilien - bediente. Regisseur und Drehbuchautor Damiano Damiani's Werk war einer der Wettbewerbsbeiträge der Berlinale 1968. Der Film wirft ein ungeschöntes Schlaglicht auf die Verflechtungen von Kriminalität, Wirtschaft und Politik in Italien. "Ohne viel Action ist dieser Film realistisch, beklemmend und packend", schreibt eine amerikanische Zuschauerin.


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