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Apocalypse Now Redux
Apocalypse Now Redux
© Studiocanal

TV-Tips für Samstag (21.Februar): Wir lieben den Geruch von Napalm am Abend!

ARD zeigt "Apocalypse Now"

Es ist Sitzfleisch gefragt - und das zu fortgeschrittener Stunde. Aber versäumen sollte man das epochale Meisterwerk "Apocalypse Now Redux", den die ARD im Spätprogramm anbietet, auf keinen Fall. Wer kürzere Filme bevorzugt, kommt mit "Up in the Air" auf Pro7 bestens auf seine Kosten.

"Up in the Air", Pro7, 20:15 Uhr:
Ryan Bingham (George Clooney) hat das seinem Empfinden nach perfekte Leben: Er ist ständig auf Reisen, lebt aus dem Koffer, sitzt hauptsächlich auf Flughäfen, checkt in und aus Hotels und feuert nebenbei Menschen, die er nie zuvor gesehen hat und nie mehr sehen wird. Doch das Leben des "Downsizers" gerät in Turbulenzen, just als er kurz vor seinem Traumziel von zehn Millionen Flugmeilen steht: Eine ehrgeizige junge Angestellte seiner Firma (Anna Kendrick) will seinen eigenen Job "downsizen", indem die Mitarbeiter demnächst per Videokonferenz gefeuert werden sollen. Und er beginnt mehr Gefühle, als er selbst erwartet, für seine Seelenverwandte Alex (Vera Farmiga) zu entwickeln, die er ständig auf seinen Reisen trifft und mit der er eine Affaire begonnen hat. Walter Kirn hatte 2001 den Roman "Up in the Air" veröffentlicht, an dem sich schon bald Dreamworks Pictures die Rechte sicherten. Der kanadische Regisseur Jason Reitman ("Juno") wollte mit seinem Drama 2009 eine "Philosophie untersuchen: Was, wenn Du nur von Drehkreuz zu Drehkreuz lebst, ohne alles, ohne irgendjemanden?" Für Clooney's Rolle hatte er auch Steve Martin im Kopf; für Kendrick's Part war seine "Juno"-Hauptdarstellerin Ellen Page engere Wahl. Letztlich war die endgültige Besetzung aber die beste: Alle drei Hauptdarsteller - Clooney, Kendrick und Farmiga - wurden für einen "Oscar" nominiert, wie auch der Film selbst sowie die Regie und das Drehbuch von Reitman. Für sein Skript erhielt der Filmemacher einen Golden Globe und einen BAFTA Award. Alles in allem konnte der von der Kritik für seine intelligente Mischung aus Humor und Gefühl gefeierte Streifen rund 90 Preise gewinnen. Die charismatischen Darsteller und die Tatsache, dass "Up in the Air" auch genügend Schärfe besitzt, um zum Nachdenken anzuregen, taten dazu ihr Übriges. "Einer der wärmsten und unterhaltsamsten Filme dieses oder jeden Jahres, was einiges heißt, wenn man bedenkt, dass er von einem Mann handelt, der sein Geld damit verdient, andere zu feuern", lobte Kritiker Al Alexander für "The Patriot Lodger".



"Apocalypse Now", ARD, 23:40 Uhr:
Es gibt genügend Beispiele für Filmemacher, denen ihr Erfolg zu Kopf stieg und die sich in Projekten verloren, die am Ende so wirr waren, dass sie kein Mensch begriff oder sehen wollte ("Zardoz" von John Boorman), oder die sogar ein Hollywood-Studio wie United Artists in den Abgrund rissen ("Heaven's Gate" von Michael Cimino). "Apocalypse Now" ist das perfekte Beispiel für einen solchen Film: Francis Ford Coppola, der Wunderknabe, der nicht fehl gehen konnte - gefeiert für seine zwei "Der Pate"-Filme ebenso wie für "Der Dialog" - machte sich als 37-Jähriger auf, das Thema Vietnam-Krieg anzugehen. Das gigantomanische Unternehmen geriet völlig aus dem Ruder: Statt fünf Monaten dauerten die Dreharbeiten auf den Philippinen weit über ein Jahr von März 1976 bis Mai 1977. Behindert durch die Zerstörung der Kulissen durch einen Taifun, einen Herzinfarkt des Hauptdarstellers Martin Sheen und das nicht vorausgesehene Übergewicht von Nebendarsteller Marlon Brando, das verhinderte, dass Coppola das eigentlich vorgesehene Ende nicht drehen konnte wie geplant und sich schwer tat, ein neues zu finden, taumelte die Produktion besorgniserregend ihrem Ende entgegen. Als dann noch Gerüchte die Runde machten, es gebe verschiedene Schnittversionen des Films, weil der Regisseur sein Material nicht in den Griff bekäme und die ersten Pressevorführungen mit ablehnender Resonanz verliefen, schien das Fiasko perfekt. Coppola selbst gab zwischenzeitlich zu, es bestehe nur noch eine Chance von "20 Prozent", dass er den Film fertig stelle - wie in dem großartigen Dokumentarfilm "Hearts of Darkness" von Coppola's Frau Eleonor zu sehen. Die für Mai 1978 vorgesehene Premiere wurde abgeblasen.

Doch ab und zu hält Hollywood ein Happy Ending vor: Mit einem Team von hervorragenden Künstlern wie zum Beispiel Cutter Walter Murch, der bei diesem Film auch die Tonmischung verantwortete und es schaffte, einen in Mono gedrehten Streifen zu einem Dolby Surround-Erlebnis werden zu lassen, brachte man das Projekt auf Kurs. "Apocalypse Now" wurde das erste in Dolby Surround ausgestrahlte Werk. Die 180 Minuten-Fassung, die auf den Filmfestspielen von Cannes im Mai 1979, also zwei Jahre nach Ende der Dreharbeiten, schließlich als "Work in Progress" aufgeführt wurde, erhielt langen Applaus und gewann zusammen mit "Die Blechtrommel" die Goldene Palme. Die Kritiker waren begeistert, und das hypnotische, halluzinierende, kühne und visionäre Epos wurde ein weltweiter Erfolg: Ein weltweites Einspiel von rund 150 Millionen Dollar machte die 32 Millionen Dollar Kosten (ursprünglich hatte man mit 20 Millionen Dollar kalkuliert) mehr als wett. Für acht "Oscars" nominiert, gewann der Film zwei: Murch für seinen "Bester Ton" (und war für den "Besten Schnitt" ebenfalls nominiert) und Vittorio Storaro für die "Beste Kamera". Heute gilt der Film noch immer als eines der großen Meisterwerke der Kinogeschichte und taucht auf vielen Bestenlisten auf.

Die ARD zeigt die Redux-Version von 2001, für die der Regisseur 49 Minuten geschnittenes Material wieder in den Film einfügte: Hauptsächlich die Begegnung mit den im Dschungel gestrandeten Playboy Bunnies und die Szene auf der französischen Plantage. Allgemein gilt diese Version als schwächer, weil verwässerter, als das Original. Aber anschauen sollte man ihn sich nichtsdestotrotz. Ein kanadischer Zuschauer schwärmt: "Mein Lieblingsfilm. Eine beinahe psychedelische Reise an ein sehr surreales Ende, das diesen Film nicht für jeden zugänglich macht. Ein sehr anspruchsvoll anzusehender Film, aber gleichermaßen lohnend."



"Caché", Arte, 01:35 Uhr:
Paranoia erfasst eine Pariser Familie, als auf ihrer Türschwelle Videobänder auftauchen, auf denen nur ihr Haus zu sehen ist. Doch als dann noch morbide Zeichnungen beigelegt sind, beginnen Anne (Juliette Binoche) und Georges (Daniel Auteuil) sich ernsthafte Sorgen um ihre und die Sicherheit ihres Sohnes zu machen. Der österreichische Regisseur Michael Haneke ("Amour") verzichtete 2005 für diesen unheimlichen und bis zum Schluss atemlos spannenden französischen Thriller auf jegliche Musik. Der Filmemacher hatte auch das Drehbuch geschrieben und wurde unisono für sein intelligentes und vielschichtiges Werk gelobt. Sogar der Kritiker-Ritterschlag - der Vergleich mit Hitchcock - fehlte nicht. Aber nicht nur die Rezensenten waren voll des Lobes - auch Preise prasselten auf das Werk nieder. So konnte Haneke in Cannes die Auszeichnung als "Bester Regisseur" entgegennehmen und erhielt auch den Europäischen Filmpreis. "Vieles ist in den Schubladen dieses brillant cleveren Thrillers verborgen: Die Wahrheit, der Standpunkt, von welchem die Geschichte aus erzählt wird, die politischen Anspielungen und am faszinierendsten der Schluss", befand Kritiker Simon Weaving für "Screenwize".



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