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Kate Capshaw in Indiana Jones und der Tempel des Todes
Kate Capshaw in Indiana Jones und der Tempel des Todes
© Paramount Pictures

TV-Tips für Freitag (5.6.): Affenhirn und Affengeschwindigkeit

Sat1 zeigt "Indiana Jones und der Tempel des Todes"

Wer auf einheimische Küche steht, sollte heute Abend bei Pro7 einkehren, um dort Michael "Bully" Herbig und seine Erfolgskomödie "Der Schuh des Manitu" anzuschauen. Doch in Sachen Qualität führt kein Weg an "Indiana Jones und der Tempel des Todes" vorbei, den Sat1 im Hauptprogramm zeigt.

"Indiana Jones und der Tempel des Todes", Sat1, 20:15 Uhr:

Steven Spielberg selbst hatte schon fünf Jahre nach "Indiana Jones and the Temple of Doom" nicht viel Wohlwollendes über seinen zweiten "Indy" zu sagen: "Der Film ist zu düster und zu grauslich. Der Film hat 'Poltergeist' überpoltert. Es gibt nicht einen Funken meiner persönlichen Gefühle in diesem Film. Das einzig Gute ist, dass ich bei den Dreharbeiten meine Frau kennen gelernt habe."

Während der Regisseur damals noch mehr im Meinungskonsens über den Abenteuerfilm von 1984 gewesen sein mag, hat die Zeit einen mildernden Blick auf das Werk geschaffen (und mit dem wirklich enttäuschenden "Indiana Jones and the Crystall Skull" alles ein bisschen mehr in Perspektive gesetzt). Tatsache ist, dass "Temple of Doom" ein vor Einfällen sprühendes Spektakel ist, das eines von Hollywood's besten Filmemacher-Teams - Spielberg und Produzent und Ideengeber George Lucas - in Hochform zeigt. Man mag sich kaum ausmalen, wie die erste Schnittfassung des Films ausgesehen haben mag, denn Steven erklärte, sie sei "viel zu schnell" gewesen: "Hätten wir die gezeigt, dann hätten wir den Zuschauern Sauerstoffmasken geben müssen." Er habe daraufhin eine Schnittfassung erstellt, die "mehr Luft zum Atmen lässt". Aber selbst diese ist immer noch von einem irrwitzigen Tempo bestimmt.

Für den Nachfolger des Mega-Hits "Raiders of the Lost Ark" von 1981 wollte Lucas die Geschichte vor dem ersten Teil spielen lassen, damit "nicht schon wieder Nazis die Gegner waren". Nach vielen verschiedenen Ideen - unter anderem ein Spukschloss in Schottland, Zombies - entschied man sich für eine in Indien spielende Geschichte. 1935 wird Indiana Jones (Harrison Ford) von verzweifelten Dorfbewohnern gebeten, einen mystischen Stein zu finden. Er willigt ein und stößt so auf einen geheimen Kult, der in den Katakomben eines alten Tempels einen furchtbaren Plan verfolgt.

Das Drehbuch zeichnet die Inder dermaßen überzeichnet als "Halbwilde", dass nur Spielberg und Lucas überrascht waren, dass Indien ihnen keine Dreherlaubnis erteilte. Stattdessen wich man nach Sri Lanka aus. Dank des Genies von Kameramann Douglas Slocombe ist kaum erkennbar, dass aber sowieso der überwiegende Teil in den Elstree-Studios im englischen Hertfordshire entstand. Obwohl die Produktion durch den wochenlangen Ausfall von Ford, der sich am Rücken verletzt hatte, als er einen Elephanten ritt, behindert war, gelang es Spielberg, den Streifen pünktlich und innerhalb des Budgets von 28 Millionen Dollar fertig zu stellen. Er drehte viele Szenen mit Ford's Stunt-Double Vic Armstrong.

Als der Film in die Kinos kommen sollte, wollte die Zensurbehörde Motion Picture Asscociation of America (MPAA) ihn wegen der brutalen und gruseligen Szenen nur mit einem "R" (Restricted - kein Einlass unter 17 Jahren ohne Erwachsenenbegleitung) freigeben. Lucas und Paramount Pictures liefen Sturm, sahen sie doch mit den Teenagern einen wichtigen Teil des Publikums ausgeschlossen. Klar war aber auch, dass so ein Film niemals ein "PG" (Parental Guidance - Kinder nur mit Erwachsenen) bekommen konnte. Also wurde eine Lex Spielberg geschaffen mit der Einführung der neuen Altersstufe "PG-13" (Parents Strongly Cautioned - Jugendliche über 13 Jahre dürfen ohne Erwachsene rein). In Deutschland erhielt die Produktion die Altersgabe "Ab 16". Läuft er im deutschen Fernsehen vor 22 Uhr - so wie in diesem Fall - dann wird eine um fünf Minuten gekürzte Fassung ausgestrahlt.

Die Alterskontroverse konnte den "Indiana Jones"-Express nicht stoppen: Weltweit spielte der Streifen 333 Millionen Dollar ein; in Nordamerika war er hinter "Beverly Hills Cop" und "Ghostbusters" der dritterfolgreichste Film des Jahres. Die Spezialeffekte gewannen einen "Oscar" und einen Britischen Filmpreis; außerdem wurde John Williams für die "Beste Musik" für einen Acadamy Award nominiert.

Ein englischer Zuschauer schreibt: "Von Anfang bis Ende ist der Film mit massenweise erinnerungswürdigen Momenten, klassischen Szenen sowie unglaublichen Stunts und phänomenaler Kameraführung gefüllt. Der Streifen ist wie ein herunterrollender Schneeball, der immer größer und schneller wird - unmöglich, sich hier nicht unterhalten zu fühlen."



"Der Schuh des Manitu", Pro7, 20:15 Uhr:
Ein Apachen-Häuptling (Michael Herbig) und sein weißer Blutsbruder (Christian Kramitz) kämpfen gegen einen sadistischen Gentleman-Verbrecher (Sky Dumont), der gegen sie intrigiert und ihnen eine Schatzkarte abspenstig gemacht hat.

Es ist kaum anzunehmen, dass Michael "Bully" Herbig, als er auf die Idee kam, aus den Winnetou-Sketchen seiner Fernsehshow "Bullyparade" einen abendfüllenden Spielfilm zu machen, ahnte, dass er einen der erfolgreichsten Kinofilme Deutschlands produzieren würde. Als am Ende abgerechnet wurde, hatten über elf Millionen Besucher seine Komödie von 2001 gesehen und ihr einen Umsatz von umgerechnet 65 Millionen Euro beschert.

Herbig ging das Ganze als Ein-Mann-Show an: Neben der Hauptrolle übernahm er die Produktion und die Regie und schrieb das Drehbuch. Dass er nostalgische Erinnerungen an die Kino- und Fernsehabende seiner Kindheit mit den deutschen Karl May-Verfilmungen hat, sieht man seiner liebevoll stilechten, bis in technische Details aufmerksam nachempfundenen Parodie an, die obendrein noch hervorragend gefilmt ist. Die Constantin Film-Produktion entstand indes nicht wie die May-Adaptionen der Sechziger in Kroatien, sondern in der Wüste von Tabernas in der andalusischen Provinz von Almeria, in der viele der Italo-Western produziert worden waren.

Ansonsten schmiss Bully alles auf die Leinwand, was ihm unterkam: Kalauer, Zoten, Parodien, Anspielungen, Zitate von Wilhelm Busch über "Moon River" und "Full Metal Jacket" bis James Bond und Indiana Jones. Und natürlich Karl May. Die Kritiker fanden es platt, das Publikum war begeistert. Ein Zuschauer aus München meint: "Das ist ein solcher Gute Laune-Film, dass - egal wie schlecht meine Laune gewesen sein mag - ich immer gut drauf bin, nachdem ich ihn gesehen habe. Die Charaktere sind liebenswert, und der Film ist eine einzige Hommage an einen Helden meiner Kindheit: Winnetou. Wer einmal richtig lachen will, dem sei dieses Werk wärmstens empfohlen."




"Tron Legacy", Pro7, 01:05 Uhr:
Der Sohn (Garrett Hedlund) des Designers virtueller Welten sucht nach seinem Vater (Jeff Bridges) und wird in die von jenem erschaffene virtuelle Welt gesogen. Er trifft auf eine beschädigte Version seines Vaters und findet eine einzigartige Verbündete (Olivia Wilde), die in der digitalen Welt geboren wurde.

Wäre es nach Walt Disney Pictures gegangen, hätte es nie eine Fortsetzung zu "Tron" gegeben. Der Film, der als erster vom Computer geschaffene Animationen genutzt hatte, war 1982 nur ein mäßiger Erfolg beim Publikum gewesen. Doch da gibt es dieses Phänomen "Kultfilm". Disney bekamen mit, dass "Tron" eine treue und große Fangemeinde in den nächsten zwei Jahrzehnten aufbaute, so dass Ende der Neunziger erstmals eine Fortsetzung ins Gerede kam. Der Riesenerfolg von "The Matrix" von 1999 dürfte seinen Teil dazubeigetragen haben. Doch es brauchte noch einige Jahre, bis es ernst wurde.

2005 heuerte das Haus mit der Maus die ersten Drehbuchautoren an, deren Entwurf noch von einem anderen Duo überarbeitet werden sollte. 2007 engagierte man Debütant Joseph Kosinski ("Oblivion") als Regisseur und begann nun mit dosiert eingesetzten Trailern und Ausschnitten - startend mit einem Überraschungs-Clip auf der Comic-Con 2008 in San Diego - die Aufmerksamkeit auf die Produktion zu lenken. Das war ein Vorgeschmack auf die aggressive und umfassende Werbekampagne, die Disney vor dem Kinostart entfalten sollten.

Kosinski drehte an 67 Tagen in Vancouver und ließ überraschend viele Kulissen real aufbauen. Die in der virtuellen Welt spielenden Szenen wurden dabei in 3D gedreht. Für die jüngere Version von Jeff Bridges scannte man das Gesicht des Schauspielers im Film "Against All Odds" von 1984 ein und legte es über die mit Motion Capture eingefangenen Bewegungen des zu der Zeit der Dreharbeiten 59-jährigen Darstellers. Insgesamt saßen zehn Spezialeffekte-Firmen zwei Jahre an dem Werk, um die rund 1500 Effekte zu kreieren.

Die Frage war, ob "Tron: Legacy" wirklich so viel mehr Zuschauer als nur die Fans des Originals in die Kinos würde locken können. Zu Disney's Erleichterung klappte dies trotz nur gemischter Kritiken: Die mit 170 Millionen Dollar irrsinnig teure Produktion setzte 2010 weltweit 400 Millionen Dollar um. Der Tonschnitt wurde für einen "Oscar" nominiert. Ein Erfolg, aber kein so überwältigender, dass Disney sich bis heute zu einer weiteren Fortsetzung haben durchringen können.

Hauptsächlich besticht der Science Fiction-Film durch sein Produktionsdesign auf dem aktuellen Stand der Technik und seine umwerfenden Bilder. Die Handlung und die menschlichen Charaktere gehen in diesem phantastischen Bilderstrom allerdings etwas verloren. "Auch wenn das Ganze herzlich wenig Sinn macht, sieht es einfach toll aus. Und macht Spaß", findet Kritiker Widgett Walls von "Needcoffee.com".



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