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Unheimliche Begegnung der dritten Art
Unheimliche Begegnung der dritten Art
© Sony Pictures Home Entertainment

TV-Tips für Sonntag (1.11.): Steven Spielberg und seine außerirdischen Kleinen

Arte zeigt "Unheimliche Begegnung der dritten Art"

Großes Geschütz gegen den TATORT. Drei sehenswerte Filme treten im Hauptprogramm gegen den Platzhirsch an. Auf Arte zeigt Steven Spielberg mit "Unheimliche Begegnung der dritten Art", wie eine außerirdische Invasion aussehen kann.

"Die Tribute von Panem: The Hunger Games", Pro7, 20:15 Uhr
2009 kratzten Lionsgate Films alles Geld zusammen, was sie hatten (oder liehen es sich), um die Rechte an Suzanne Collins' Jugendbuch-Trilogie "The Hunger Games" zu erwerben, die 2008 erschienen war. Hätten die anderen großen amerikanischen Filmstudios gewusst, welche Goldader die Kanadier damit anstachen, wären die Rechte wohl nicht für nur 200 000 Dollar gesichert worden. So aber konnten sich Lionsgate, die fünf Jahre hintereinander keinen Gewinn gemacht hatten, über eine der profitabelsten Reihen der letzten Jahre freuen.

"The Hunger Games" spielt in einem dystopischen Nordamerika der Zukunft: Während die Hauptstadt, das Kapitol, in obszönem Reichtum und Verschwendung lebt, vegetieren die unterdrückten Außendistrikte des Landes in Hunger und Armut. Einziger Weg aus diesem Zustand ist für einige wenige einmal im Jahr die Teilnahme an den landesweit übertragenen "Hunger Games", bei denen sich jeweils zwei Jugendliche aus jedem der zwölf Distrikte in einer riesigen Arena so lange bekämpfen müssen, bis nur noch ein Sieger übrig bleibt.

Für die entscheidende Rolle der Katniss Everdeen bewarben sich rund 30 Schauspielerinnen, darunter alles, was heute Rang und Namen hat - Hailee Steinfeld, Abigal Breslin, Emma Roberts, Saoirse Ronan, Chloe Grace Moretz und Shailene Woodley. Der Part ging schließlich an die damals 21-jährige Jennifer Lawrence, die 2010 mit "Winter's Bone" einem breiteren Publikum ein Begriff wurde. Für die Inszenierung verpflichtete man unerwarteterweise "Seabiscuit"-Regisseur Gary Ross, der auch zusammen mit Romanautorin Collins und Billy Ray das Drehbuch schrieb. Gedreht wurde hauptsächlich in North Carolina, das acht Millionen Dollar Steuernachlass gewährte.

Insgesamt kostete der erste Teil 78 Millionen Dollar. Man legte viel Wert auf die Masken, Kulissen, Ausstattung und Kostüme - für die 500 verschiedenen, teilweise aufwendigen Frisuren waren alleine 35 Friseure und Maskenbildner beschäftigt - um die Unterschiede in Farbe und Form zwischen dem Capitol mit seiner Mischung aus zukünftigem Art Déco-Retro-Design und den Distrikten mit seinem Große Depression-Gefühl - gedreht wurde unter anderem in einem verlassenen Mühlendorf von Beginn des 20. Jahrhunderts - deutlich werden zu lassen.

"The Hunger Games" ist mit seinem Thema sich gegenseitig abschlachtender Teenager keine leichte Kost: Die Zensoren taten sich schwer, eine Altersfreigabe "Ab 12 Jahren" zu erteilen - in Großbritannien erhielt der Streifen diese nur nach Schnitten und anderen Modifikationen (weniger Blut etc.), während die ungeschnittene Version auf Disc erst "ab 15 Jahren" freigegeben werden sollte.

Davon abgesehen, gelang es Regisseur Ross, die dramatische Gewalt, die rohen Emotionen und den anspruchsvollen Handlungsrahmen des Romans werkgetreu und hervorragend auf die Leinwand zu bringen (wobei er nicht digital, sondern mit echtem Film photographieren ließ), spannend und ausgezeichnet gespielt.

"The Hunger Games" lud zu vielen kontroversen Diskussionen ein, vom Vorwurf, das Ganze sei ein schwacher Abklatsch des japanischen Thrillers "Battle Royale" über die Diskussion, ob Lawrence zu babyspeckig für einen Charakter wirke, die im Buch nahe am Rande des Verhungerns lebt, bis zu der Auseinandersetzung über die Ethnien der Charaktere. Welche politische Botschaft der Film transportiere, ob er christlich zu lesen sei oder feministische Untertöne habe, ließen den Blätterwald ebenfalls rauschen und die Computer-Tastaturen klappern.

All dies trug aber eher noch zum Interesse an diesem Werk bei, als dass es dieses behinderte - die Romanadaption wurde ein Riesenerfolg: In den USA kam sie mit 408 Millionen Dollar als dritterfolgreichster Film des Jahres 2012 hinter "The Avengers" und "The Dark Knight Rises" ins Ziel; weltweit spielte sie insgesamt 691 Millionen Dollar ein. Bei den Golden Globes wurde der Song "Safe and Sound" nominiert. Nach diesem Triumph war klar, dass die gesamte Trilogie verfilmt werden würde. Um die Kuh noch etwas länger zu melken, sogar mit einem zweigeteilten dritten Part.

Die Kritiken zu "The Hunger Games" waren exzellent und übertrafen sogar die Publikumsreaktionen. Kritiker Colin Covert lobte für die "Minneapolis Star Tribune": "Zuschauer, die als Beilage zu ihrem Science Fiction-Film eine politische Allegorie mögen, werden hier vieles zu würdigen wissen. So wie auch Romantiker, Fans von feministischen Helden und Action-Begeisterte. Dieser Film ist dieses seltene Beispiel für einen Blockbuster von echter Bedeutsamkeit."



"Winnetou 1", 3sat, 20:15 Uhr
Als ein gewaltsamer Konflikt zwischen gierigen Eisenbahnern und einem Stamm der Mescalero-Apachen ausbricht, können nur zwei Männer einen Krieg verhindern: Der Häuptlingssohn Winnetou (Pierre Brice) und der deutsche Ingenieur Old Shatterhand (Lex Barker).

1963 war in den bundesdeutschen Kinos die Heide nicht mehr grün, sondern der (kroatische) Himmel blau. Nach dem großen Erfolg des sehr frei nach Karl May gedrehten "Der Schatz im Silbersee" kam die Karl-May-Film-Maschinerie von Rialto Film und Produzent Horst Wendtlandt richtig ins Rollen. Drehbuchautor Harald Petersson machte sich direkt daran, mit dem "Winnetou"-Roman aus dem Jahr 1893 zu adaptieren, wobei er sich diesmal recht nah an der Buchvorlage orientierte.

Im Sommer 1963 verwandelte man Kroatien wieder in die USA. Das Filmteam baute dort die Kulissen von Western-Städten und Indianerlagern auf, ließ spektakulär eine Eisenbahn in einen Salon rasen, und der Fluß Zrmanja fungierte als "Rio Pecos". Die Innenaufnahmen entstanden in den CCC-Ateliers in Berlin-Spandau.

Regie führte wie bei "Der Schatz vom Silbersee" Harald Reindl, der jede ihm anvertraute Aufgabe - seien es Heimat-, Kriegs-, Edgar Wallace-, Jerry Cotton- oder eben Karl May-Filme handwerklich sauber auf die Leinwand brachte. "Der Schatz vom Silbersee" und "Winnetou" sind dabei seine wohl besten Werke.

Statt dass man also mitleidig prustet, wenn man die Bezeichnung "Deutscher Western" hört, muss man konstatieren, dass hier ein atmosphärisch dichter und spannender Film entstand, der sich zwischen den Kampfszenen und den komischen Einlagen, für die Ralf Wolter und Chris Howland zuständig waren (deren Szenen schnitt man für den internationalen Markt heraus) gefühlvoll-sentimental mit Themen wie Haß, Versöhnung, Fürsprache, Vergebung, Liebe und Tod. Abgesehen von den hölzernen Darstellern ein achtbares Unterfagen, das es sogar über den Verleiher Columbia Pictures in einige US-Kinos schaffte.

Der Erfolg war wieder groß. Auch dank guter Kritiken und der Begeisterung für das noch frische "Sauerkraut-Western"-Genre strömten über drei Millionen Besucher in die Lichtspielhäuser und machten den Streifen zu einem der erfolgreichsten des Jahres. Bereits neun Monate nach "Winnetou 1" sollte im September 1964 die Fortsetzung in die Kinos kommen.

Ein britischer Zuschauer findet: "Ohne die psychologischen Komplikationen der Hollywood-Western der Fünfziger und anders als der Zynismus der Spaghetti Western am Ende des Jahrzehnts, ist dieser deutsche Western rückwärtsgewandt: Nostalgisch, simpel und romantisch. Der Film profitiert von einer hervorragenden Musik von Martin Boettcher mit dem sofort erkennbaren, mitreißenden Titelthema und den wundervollen Landschaftsaufnahmen."



"Unheimliche Begegnung der dritten Art", Arte, 20:15 Uhr
Nach einer Begegnung mit UFOs fühlt sich ein Elektriker (Richard Dreyfuss) unwiderstehlich zu einer einsamen Gegend in der Wildnis hingezogen, wo etwas Spektakuläres geschehen könnte.

"Close Encounters of the Third Kind" (so der Originaltitel) war eine Idee, die lange in Steven Spielberg's Kopf herumspukte. Bereits als Kind faszinierte ihn der Weltraum, und als 17-Jähriger drehte er den Science Fiction-Film "Firelight". 13 Jahre nach dieser Fingerübung sollten ganze Szenen daraus 1977 in "Close Encounters of the Third Kind" wieder auftauchen. 1973 bot der Regisseur seine Idee einer friedlichen Außerirdischen-Invasion 20th Century Fox an, die aber kein Interesse hatten. So griffen Columbia Pictures zu, die laut eines Studio-Managers dies gelassen hätten, wenn "wir geahnt hätten, wie teuer der Film würde. Denn das Geld hatten wir gar nicht."

Nach dem Riesenerfolg mit "Jaws" ("Der weiße Hai") 1975 gaben Columbia Spielberg freie Hand. Der tat sich schwer, sein Drehbuch in eine endgültige Form zu bringen und überraschte seine Crew auch während der Dreharbeiten noch mit immer neuen Ideen. Dass es den Science Fiction-Film heute in mehreren Versionen gibt (mal von Spielberg gekürzt, mal verlängert, mal mit neuen Szenen) ist ein Ausweis dieser schwierigen Suche des Perfektionisten nach der perfekten Form.

Dies gepaart mit technischen Schwierigkeiten und schlichtweg Pech (ein Sturm zerstörte einen Drehort in Alabama) führte zu eskalierenden Kosten. Columbia waren gezwungen, sich zusätzliche 7 Millionen Dollar zu leihen. Schlussendlich kostete die Produktion, die laut Steven "zweimal so schwierig und zweimal so teuer als 'Jaws'" war - und das will was heißen! - 18 Millionen Dollar.

Spielberg beginnt seine Geschichte puzzleartig in der Wüste Gobi, in Mexiko, Indien und an verschiedenen Orten der USA. Gedreht wurde in Kalifornien und Alabama; dazu für das Finale am Devils Tower National Monument in Wyoming. Die aus dem Zweiten Weltkrieg stammenden Flugzeughallen in Alabama, die man für das Finale nutzte, waren sechsmal größer als das größte Filmstudio.

Extrem aufwendig waren die vielen Spezialeffekte. Spezialeffekte-Koordinator Douglas Trumbull meinte zu Recht, dass man mit den 3,3 Millionen Dollar allein für die Effekte schon einen eigenen Film hätte drehen können. Er und Spielberg experimentierten bereits mit computergenerierten Bildern. Da dieses Verfahren aber noch in den Kinderschuhen steckte und zu teuer war, griff man auf die gerade bei "Star Wars" erfolgreich angewandte Motion Control-Photographie zurück. Diese ermöglicht es, dieselben Kamera- oder Objektbewegungen durch computergestützte Automatisierung in verschiedenen Aufnahmen genau zu wiederholen. Damit gelang die Aufnahme von Modellen viel realistischer, als das zuvor der Fall gewesen war.

Mit "Close Encounters of the Third Kind" begann die Zusammenarbeit von Spielberg mit seinem Cutter Michael Kahn, die bis zum heutigen Tage (und "Bridge of Spies") andauert. Auch der für "Jaws" mit einem "Oscar" gekrönte Hauskomponist John Williams war wieder dabei und legte seinem Regisseur 300 verschiedene Versionen der fünftönigen Außerirdischen-Melodie vor, aus der Steven eine auswählte und die Filmgeschichte geschrieben hat.

Spielberg's visuell berauschender, märchenhafter und bahnbrechender Science Fiction-Film, die den Slogan "Wir sind nicht allein" zu einer positiven Botschaft wendete, wurde ein gigantischer Kassenerfolg. Weltweit spielte er 303 Millionen Dollar ein und wurde zum dritterfolgreichsten Film des Jahres 1977 hinter "Star Wars" und "Ein ausgekochtes Schlitzohr" mit Burt Reynolds. Er war zum damaligen Zeit auch der erfolgreichste Film für Columbia Pictures.

"Close Encounters pf the Third Kind" wurde für neun "Oscars" nominiert ("Beste Regie", "Beste Musik", "Bester Schnitt", "Beste Ausstattung", "Beste visuelle Effekte" und Melinda Dillon als "Beste Nebendarstellerin"). Nur Vilmos Zsigmond erhielt die Goldstatue für seine Kameraführung; dazu gab es noch einen Spezial-Academy Award für den wegweisenden Tonschnitt. 2007 nahm die US-Library of Congress das "kulturell, historisch oder ästhetisch bedeutsame" Werk in das National Film Registry auf, um es der Nachwelt zu erhalten.

Eine amerikanische Zuschauerin schwärmt: "Dieser Film lässt Science Fiction und echtes Leben wunderbar verschwimmen, hat genau die richtige Mischung aus Realismus, Magie und Geheimnis. Steven Spielberg zeigt hervorragend, wie das Leben eines Menschen beeinflusst werden würde, wenn er von außerirdischen Leben wüsste; wie ein Mann seinen Fokus auf sein Leben, seine Familie und sich selbst verliert in der Suche nach Antworten."



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