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Ethan und Joel Coen auf der 'Hail, Caesar!'-Pressekonferenz
Ethan und Joel Coen auf der 'Hail, Caesar!'-Pressekonferenz
© Redaktion

66. Berlinale eröffnet

"Hail, Caesar!" kommt gut an, Clooney pamt rum

Ein glücklicheres Händchen haben die Verantwortlichen der Berlinale in diesem Jahr mit ihrem Eröffnungsfilm bewiesen. Während im letzten Jahr der schwache Premierenstreifen "Nadie quiere la noche" ("Nobody Wants the Night") der Spanierin Isabel Coixet vergessen war, sobald die Lichter im Berlinale-Palast wieder angingen, ist heute die US-Komödie "Hail, Caesar!" der Coen Brothers wesentlich freundlicher aufgenommen worden.

"Man kann sich kaum einen besseren Film denken, ein Filmfestival zu eröffnen, als diesen", lobte ein Journalist zu Beginn der launigen Pressekonferenz, zu der neben den Regisseuren und Drehbuchautoren Ethan und Joel Coen auch viele der "Hail, Caesar!"-Schauspieler auf dem Podium im Pressekonferenzsaal erschienen: Tilda Swinton, George Clooney, Josh Brolin, Channing Tatum und Alden Ehrenreich.

Bei solch einer Besetzung und dem Hollywood-Glanz nahm es kein Wunder, dass laut unserer Kritikerin Sonja Hartl bereits eine halbe Stunde vor Beginn das erste Kino der Pressevorstellung voll war, bei dem zweiten Saal kurz darauf etliche Kolleginnen und Kollegen vor verschlossenen Türen standen. "Hail, Caesar!" erzählt einen Tag aus dem Leben des Studio-Fixers Eddie Mannix (Josh Brolin), der Stars, Sternchen und Studiobossen bei Klatsch, Gerüchten und Entführungen beisteht. Mit seinen zahllosen Referenzen auf wahre Geschichten und Gesichter des klassischen Hollywood, seiner in jeder Einstellung zu erkennenden Liebe zum Medium Film und seinem Publikumsappeal ist der neue Film der Coens fraglos ein gut ausgewählter Eröffnungsfilm für die 66. Berlinale – der zudem schon ab nächster Woche regulär im Kino zu sehen sein wird.

Die Pressekonferenz zum Film bezog seinen Unterhaltungswert dann eher aus unfreiwilliger Komik. Bei sich mehrfach doppelten Fragen musste man fast annehmen, dass manche Pressevertreter unbedingt ihre vorgefertigte Frage loswerden mussten, auch wenn sie gerade ein Kollege leider schon gestellt hatte. Bei der "Fleischbällchen"-Frage der polnischen Reporterin wurde der gute Willen von Clooney und Co. schon sehr strapaziert. Bei der Frage einer Journalisten, was er für Flüchtlinge tue, wurde George Clooney allerdings auch kurz schnippisch und der Geist von Russell Crowe fuhr in ihn: "Ich treffe morgen Angela Merkel. Was tun Sie denn für Flüchtlinge? Finde ich ein bisschen seltsam, dass hier jemand aufsteht und mich das fragt. Aber gut, schießen Sie sich selbst ins Aus mit ihrer Frage", pampte der Darsteller rum, beruhigte sich dann aber, als die Journalistin ruhig berichtete, an welchen Hilfsaktionen sie beteiligt sei.

Das Thema Flüchtlinge zog sich auch durch die Gala-Eröffnung am Abend im Berlinale-Palast. Moderatorin Anke Engelke nahm mehrmals Bezug auf das Thema, ebenso Kulturstaatsministerin Monika Grütters und der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, in ihren Grußworten. Und die Jury-Vorsitzende Meryl Streep erhielt gleich zwei Standing Ovations.

Engelke führte mit einer gewollten Schnodderigkeit durch den Abend und war höchstens sprachlos, als Lars Eidinger seine Ausführungen über das Wesen von Kritik und Bewertung auf der Bühne so weit ausholend darlegte, dass er die restliche Redezeit seiner Mitjuroren insgesamt übertraf (die arme Alba Rohrwacher kam wieder nicht zu Wort) und Festivaldirektor Dieter Kosslick mit Blick auf die Uhr Engelke wortlos aufforderte, voran zu machen. Einige Gags der "Ladykracher"-Mimin saßen, manche Kalauer verpufften spätestens bei der Übersetzung und manches verdaddelte sie auch. Aber kurzweilig ging das Stündchen im Berlinale Palast einigermaßen rum und kam auch ohne Pomp und Pathos aus.

Die Flüchtlingskrise wird ein Thema auf der Berlinale bleiben. Rund ein Dutzend Filme befassen sich damit. Im Wettbewerb wird der Dokumentarfilm "Fuocoammare" des italienischen Regisseurs Gianfranco Rossi gezeigt, in dem es um die Mittelmeerinsel Lampedusa geht, auf der häufig Flüchtlinge ankommen. Für Asylbewerber wurden hunderte Berlinale-Eintrittskarten reserviert. Außerdem werden während des Festivals bei Wohltätigkeitsveranstaltungen Spenden für Organisationen gesammelt, die Flüchtlinge unterstützen.


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