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Das Leben der Anderen mit Ulrich Mühe
Das Leben der Anderen mit Ulrich Mühe
© Buena Vista Home Entertainment

TV-Tips für Samstag (27.2.): Der Lauscher an der Wand...

3sat zeigt Meisterwerk "Das Leben der Anderen"

Der Fernseh-Samstagabend bietet ein exzellentes Kinofilmangebot aus Deutschland, den USA und Großbritannien. Pflicht ist der deutsche "Oscar"-Preisträger "Das Leben der Anderen", den 3sat im Hauptprogramm sendet.

"Das Leben der Anderen", 3sat, 20:15 Uhr

1984 hört ein Geheimdienstagent (Ulrich Mühe) in Ost-Berlin einen Autoren (Sebastian Koch) und seine Geliebte (Martina Gedeck) ab. Mehr und mehr fühlt er sich in deren Leben hineingezogen.

16 Jahre dauerte es nach der Vereinigung, bis sich das deutsche Kino nach erfolgreichen Komödien wie "Sonnenallee" von 1999 und "Goodbye Lenin!" von 2003 mit einem Drama an einen ernsten DDR-Stoff wagte. Ironischerweise brauchte es dazu einen Westdeutschen, den damals 32-jährigen Filmhochschulabsolventen Florian Henckell von Donnersmarck, der kosmopolitisch aufgewachsen war und bis zu seinem Debut mit "Das Leben der Anderen" nur Kurzfilme gedreht hatte.

Der Regisseur war ehrgeizig. Statt wie so viele Kollegen, die sich im Fernsehen ihre ersten Meriten verdienten, wollte Henckell von Donnersmark sofort ins Kino. Die Idee zu seinem Erstling war ihm bereits während des Studiums an der Münchener Filmhochschule gekommen und gründete in einem Einfall: Ein Mann sitzt in einem dunklen Raum mit einer Abhöranlage. Dabei hört er ein Musikstück, das ihn tief bewegt. Tatsächlich findet sich diese Idee zentral in der fertigen Produktion.

Von 2001 an recherchierte der Filmemacher, besuchte die historischen Orte in Berlin, wo dann die Dreharbeiten stattfinden sollten - hauptsächlich in Friedrichshain und im Prenzlauer Berg -, und führte Gespräche mit Opfern und Tätern der Staatssicherheit. Die Produzenten Max Wiedemann und Quirin Berg, die bereits einen Kurzfilm von Florian produziert hatten, erklärten sich bereit, auch das rund 2 Millionen Euro teure Werk zu produzieren, zudem stiegen Arte und der Bayerische Rundfunk ein.

Das knappe Budget bedeutete, dass die renommierten Schauspieler, die sich wegen des überzeugenden Drehbuchs zur Zusammenarbeit bereit erklärt hatten, auf die Hälfte ihrer sonst üblichen Gagen verzichteten, und Henckell von Donnersmarck keine aufwendigen Kamerafahrten oder technischen Schnickschnack einbauen konnte. Letzteres spielte der klaustrophobischen Atmosphäre in die Karten. Keine Abstriche machte der Regisseur bei seiner Entscheidung, auf klassischem 35mm-Zelluloid zu drehen und nicht auf dem günstigeren digitalen Film, weil er die "Kinoästhetik" bewahren wollte.

Als "Das Leben der Anderen" 2006 in die Kinos kamen, waren viele Bürger der DDR bass erstaunt, wie realistisch dem Werk die Handlungsorte und die Atmosphäre des untergegangenen Staates gelang - in Szene gesetzt von jemandem, der dieses Land nie kennen gelernt hatte. Statt auf Spannung oder gar Verfolgungsjagden und Mummenschanz zu setzen, konzentrierte sich Henckell von Donnersmarck auf seine Figuren und die innewohnende Tragik der Konstellation von Macht, Machtmissbrauch und Misstrauen. Dabei konnte er auf die exzellenten darstellerischen Leistungen bauen, insbesondere vom großartigen Ulrich Mühe.

Kritik wurde unter anderem an dem Handlungsanker eines zweifelnden und dann sogar den eigenen Staat sabotierenden Stasi-Mitarbeiters geäußert, was in manchen Augen den DDR-Geheimdienst verharmloste. Hubertus Knabe, Leiter der Gedenkstätte Hohenschönhausen, verweigerte mit diesem Argument zum Beispiel Henckell von Donnersmarck die Drehgenehmigung in der ehemaligen Stasi-Untersuchungshaftanstalt.

Doch die Debatten, wie historisch korrekt der Film nun genau sei, verblassten vor der emotionalen Wucht, die er entfaltete, und mit dem er Kritik, Publikum und Industrie gleichermaßen begeisterte. 2,3 Millionen Zuschauer sahen sich in Deutschland "Das Leben der Anderen" an, weltweit spielte er bei euphorischen Rezensionen 77 Milllionen Dollar ein, war selbst in den notorisch untertitel-faulen USA mit 11 Millionen Dollar ein großer Erfolg.

Zudem gewann er fast alles, was es zu gewinnen gab: Briten, Franzosen und Italiener kürten ihn zum besten fremdsprachigen Film des Jahres, er gewann den Deutschen und den Europäischen Filmpreis, stellte mit elf Nominierungen beim Deutschen Filmpreis einen Rekord auf, wurde für den Golden Globe vorgeschlagen und gewann schließlich als Höhepunkt 2007 den "Oscar" als "Bester nicht englischsprachiger Film".

Kritiker-Papst Roger Ebert adelte den Streifen in der "Chicago Sun-Times": "Ein mächtiger, aber leiser Film; konstruiert aus verborgenen Gedanken und geheimen Sehnsüchten."



"In the Line of Fire", Sat1, 00:30 Uhr
Geheimagent Frank Horrigan (Clint Eastwood) konnte US-Präsident John F. Kennedy nicht retten, aber 30 Jahre später ist er entschlossen, einen schlauen Attentäter (John Malkovich) den aktuellen, wahlkämpfenden Präsidenten nicht ermorden zu lassen.

Als Kind war Produzent Jeff Apple ("The Recruit") in den Sechzigern US-Präsident Lyndon Johnson begegnet. Die Erinnerung an den von Männern mit dunklen Sonnenbrillen und Ohrstöpseln umringten Politiker ging Apple nicht aus dem Kopf. Er brachte dieses mit einer Geschichte um die Ermordung Kennedys zusammen und begann Mitte der Achtziger, einen Kinofilm anzuschieben. Mit Recherchen in der Secret Service-Zentrale und Informationen durch Leibwächter des Präsidenten setzte sich der Produzent nach und nach ein Bild zusammen, das Drehbuchautor Jeff Maguire in ein Skript überführte.

Die Regie für den Columbia Pictures-Thriller übernahm der deutsche Regisseur Wolfgang Petersen, dem ein Budget von 40 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt wurde. Erstmals nutzte eine Produktion digitale Effekte, um Kosten zu senken: Statisten wurden digital erzeugt, die Schauspieler in echte Wahlkampfaufnahmen des Präsidentschaftswahlkampfes 1992 von US-Präsident George Bush und seinem Herausforderer Bill Clinton hineinkopiert. Für die Aufnahmen des jungen Clint Eastwood nutzte man Bilder aus den "Dirty Harry"-Filmen von Anfang der Siebziger. Die für das Jahr 1963 - dem Jahr der Kennedy-Ermordung - unüblichen Koteletten, die der Schauspieler in jenen Streifen trug, wurden ihm digital "abrasiert".

Petersen schuf einen geradlinigen Spannungsfilm allererster Güte, der von seiner konzentrierten Inszenierung und den charismatischen Darstellungen von Eastwood und John Malkovich profitierte. Die Spannung ergibt sich hauptsächlich aus den Charakteren und dem Spiel mit amerikanischen Traumata.

Mit einem weltweiten Einspiel von 177 Millionen Dollar war "In the Line of Fire" 1993 ein Riesenerfolg. Das Werk wurde für drei "Oscars" nominiert: Malkovich als "Bester Nebendarsteller", für das "Beste Drehbuch" und den "Besten Schnitt".

Ein deutscher Zuschauer aus München schwärmt: "Ich habe schon so manchen Action-Thriller gesehen, und dies ist eindeutig einer der besten. Hier passt einfach alles: Natürlich gebührt John Malkovich viel Lob für seinen exzellenten Bösewicht, aber auch Clint ist superb, Rene Russo ebenso als seine nicht-doofe Partnerin, eine - traurig, aber wahr - sehr seltene Kombination. Die Handlung macht Sinn, und das Tempo bleibt hoch, wobei das Publikum in ständiger Spannung über den Ausgang des Duells zwischen Eastwood und Malkovich gehalten wird."



"Shame", Arte, 01:45 Uhr
Brandon's (Michael Fassbender) sorgfältig austariertes Privatleben, das es ihm erlaubt, in New York City seiner Sexsucht nachzugehen, wird gestört, als seine Schwester (Carey Mulligan) für einen Besuch auf unbestimmte Zeit bei ihm einzieht.

Nach seinem Erstling "Hunger" von 2008 trieb der britische Regisseur Steve McQueen bei seinem zweiten Spielfilm erneut Michael Fassbender zu einer grenzwertigen physischen Darstellung, die der Mime ebenso wie Carey Mulligan brillant bewältigte. McQueen gelang es ausgezeichnet, kraftvoll in die Manie einer Suchterkrankung einzutauchen. Gedreht wurde in New York City für 4 Millionen Pfund.

Wegen der expliziten Sexszenen und des allgemeinen Themas verwehrten die US-Zensoren dem Werk eine Altersfreigabe, die Jugendlichen den Eintritt erlaubt. Das "NC-17" ("No Children under 17 years admitted") entspricht der Altersfreigabe eines Porno-Films. Obwohl dies die kommerziellen Möglichkeiten ihrer Produktion beschränkte, weigerte sich der US-Verleiher Fox Searchlight, den Streifen zu schneiden. "Wir tragen das NC-17 wie ein Ehrenabzeichen", erklärte Steve Gilula, der Vorsitzende von Fox Searchlight. Schlussendlich spielte das Werk weltweit 11 Millionen Pfund ein.

"Shame" erhielt gute Kritiken und gewann knapp 50 Preise, darunter Michael Fassbender bei den Filmfestspielen von Venedig. Kritiker Sean Burns schrieb in "Philadelphia Weekly": "Die Heftigkeit der Darstellungen und McQueen's formale Unbarmherzigkeit haben mich pulverisiert zurückgelassen."



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