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Sue Lyon als Lolita
Sue Lyon als Lolita
© Warner Bros.

TV-Tips für Sonntag (31.7.): Eine verhängnisvolle Affaire

Arte zeigt "Lolita"

Zwei meisterhafte Filmemacher buhlen am Sonntagabend zur besten Sendezeit um die Gunst des Kino-interessierten Publikums: Guillermo del Toro mit seinem überbordenden Science Fiction-Film "Pacific Rim" auf Pro7 und besonders Stanley Kubrick mit der Verfilmung des Skandalromans "Lolita" auf Arte.

"Pacific Rim", Pro7, 20:15 Uhr

Als der Krieg zwischen Menschheit und Seemonstern andauert, werden ein ehemaliger Pilot (Charlie Hunnam) und ein Flugschüler (Rinko Kikuchi) beauftragt, eine scheinbar überholte Kampfmaschine in einem verzweifelten Versuch, die Welt vor dem Untergang zu bewahren, gegen die Monster einzusetzen.

Eigentlich hatte Guillermo del Toro bei Legendary Pictures einen Vertrag unterschrieben, um den Horrorfilm "At the Mountain of Madness" mit Tom Cruise zu inszenieren. Als das Projekt platzte, wechselte der Mexikaner sofort zu einer anderen Legendary-Produktion, auf die er ebenfalls bereits ein Auge geworfen hatte: "Pacific Rim", der auf einer Idee des Drehbuchautoren Travis Beacham aus dem Jahr 2010 basierte, der gerade mit "Clash of the Titans" in den Kinos war.

Del Toro und Beacham arbeiteten zusammen an dem Skript, und Warner Brothers stellten dem Filmemacher die gigantische Summe von 190 Millionen Dollar zur Verfügung, um den Science Fiction-Film zu realisieren. Um innerhalb von Budget und Drehplan fertig zu werden, arbeitete Guillermo bis zu 18 Stunden täglich sieben Tage die Woche. Produziert wurde im kanadischen Toronto; die Innenaufnahmen der Roboterwerft zu Beginn filmte man indes in der Meyer Werft im niedersächsischen Papenburg.

Letztlich ist das Werk wohl mehr Schein als Sein, aber was für ein Sein: Unterstützt von phantastischen Bildern - die Spezialeffekte wurden für den Britischen Filmpreis nominiert - begeistert "Pacific Rim" als ein solider Monsterfilm besonders durch seine unwiderstehliche kindliche Freude an diesem gigantischen Filmemacher-Sandkasten mit seinen unendlichen Möglichkeiten. In der Nachproduktion wurde der Film nachträglich in 3D konvertiert.

Die Kritiken fielen positiv aus, und mit einem weltweiten Umsatz von 407 Millionen Dollar wurde das Werk 2013 ein großer Erfolg. Da das Ergebnis auf dem US-Heimatmarkt aber hinter den Erwartungen zurück blieb, taten sich Warner schwer, eine Fortsetzung zu genehmigen. Nach langem Hin und Her haben nun Universal Pictures diese in Angriff genommen: 2018 soll "Pacific Rim: Maelstrom" in die Lichtspielhäuser kommen - ohne Guillermo del Toro.

Kritiker Wesley Morris lobte in "Grantland": "Guillermo del Toro ist ein Träumer. Er ist ein Visionär. Wenn man ihm einen Haufen Geld gibt, um Riesenroboter am Ende der Zivilisation Riesenmonster bekämpfen zu lassen, arbeitet er daran, einen Film zu präsentieren, der den Zuschauer die ganze Enormität spüren lässt."



"Lolita", Arte, 20:15 Uhr
Ein mittelalter Universitätsprofessor (James Mason) verknallt sich in eine 14 Jahre alte Kindfrau.

"Wie haben sie bloß aus 'Lolita' einen Film machen können?", fragte der MGM-Trailer für dieses britische Drama von 1962 so kokettierend wie ungeniert. Die Antwort ist ganz einfach: Obwohl die strengen Zensurvorschriften es eigentlich unmöglich machten, ein Buch zu verfilmen, dass von der sexuellen Beziehung zu einer Minderjährigen handelte, war Vladimir Nabokov's Roman "Lolita" von 1955 einfach zu erfolgreich, bekannt und umstritten, als dass man diesen einfach hätte unverfilmt lassen können.

MGM engagierten Stanley Kubrick ("The Shining") für die unmögliche Aufgabe, einen erotischen Film ohne Erotik zu drehen. Nabokov selbst steuerte ein 400 Seiten langes Drehbuch bei, dass Produzent James Harris als "unverfilmbar" bezeichnete: "Man konnte es ja nicht mal anheben." Er und Kubrick überarbeiteten es im Einverständnis mit dem Autoren und veränderten den zeitlichen Ablauf der Geschichte, erweiterten die Figur von Clare Quilty (Peter Sellers) erheblich.

Vor allem aber umschrieben sie viele der erotischen und sexuellen Szenen des Buches, deuteten vieles nur an, um nicht mit den Zensoren ins Gehege zu kommen. "Hätte ich gewusst, wie erheblich die Einschränkungen durch die Zensur waren, hätte ich den Film gar nicht erst angefangen", meinte Kubrick in einem Interview zehn Jahre später. Letztlich gelang der Eiertanz: Das British Board of Censors gab das Werk wie zu erwarten zwar mit einem "X" nur für Erwachsene frei, aber ohne Schnittauflagen.

Die männliche Hauptrolle zu besetzen, erwies sich als schwierig: Laurence Olivier und David Niven entschieden sich gegen den Part aus Angst vor der möglichen Kontroverse; schließlich sagte James Mason zu. Für die Titelrolle besetzte man die 15 Jahre alte Debutantin Sue Lyon aus Iowa, deren kurvige Figur sie noch älter erscheinen ließ. So hoffte man, Angriffe auf die Produktion abzumildern - von den nur zwölf Jahren, die Lolita im Roman alt ist, war schon mal gar keine Rede.

Gedreht wurde in England, obwohl die Handlung in den USA spielt. Man setzte dort gedrehte Aufnahmen nur als Rückprojektionen ein. Kubrick's Überarbeitung und Inszenierung überzeugt mit ihren eigenständigen Akzenten, durch die permanente Doppeldeutigkeit, die glänzend entwickelten Dialoge, die überzeugenden Darsteller, die geniale Kameraarbeit - und den schwarzen Humor, der die tragikomische Geschichte einer Obsession durchzieht.

Die Rechnung der Produzenten ging auf: Auch weil die Qualität der Literaturverfilmung stimmte, was trotz aller Umstrittenheit die Mehrheit der Rezensenten anerkannte, trieb die Neugier viele Zuschauer in die Kinos. Der 2 Millionen Dollar teure Streifen spielte alleine in den USA 9 Millionen Dollar ein und war ein großer Erfolg.

Vladimir Nabokov, dem man die Nennung als Drehbuchautoren gelassen hatte, wurde für einen "Oscar" nominiert; Sue Lyon erhielt einen Golden Globe als "Bester Neuling". Dazu gab es Globes-Nominierungen für Mason, Sellers, Kubrick und Shelley Winters.

Ein Zuschauer aus Georgia im US-Bundesstaat Atlanta meint: "Wenn auch nicht gänzlich originalgetreu gegenüber der Romanvorlage, so fängt der Film doch den Geist des Buches ein und ist ein Meisterwerk von eigenen Gnaden. Die Notwendigkeit, die Zensur zu umgehen, kommt dem Film sogar zugute. Die kultivierte Unaufdringlichkeit wirkt als Gegengewicht zum grellen Inhalt."



"Gesetz der Rache", Pro7, 22:50 Uhr
Ein Mann (Gerald Butler) nimmt das Gesetz in seine eigenen Hände, nachdem einer der Mörder seiner Familie nach einer Vereinbarung vor Gericht auf freien Fuß gesetzt worden ist. Aber er will nicht nur diesen umbringen, sondern auch den Bezirksstaatsanwalt (Jamie Foxx) und andere an dem Deal Beteiligte.

"Law Abiding Citizen" (so der Originaltitel, zu deutsch: Gesetzestreuer Bürger) fällt in die Kategorie Film, die vom Publikum mehr gemocht wird als von den Kritikern. Als dieser Thriller von F. Gary Gray ("Straight Outta Compton") 2009 in die Kinos kam, musste er sich seinen mäßigen Erfolg an den Kinokassen gegen die Verrisse der Presse, die den Streifen für zu gewalttätig und absurd hielten, erkämpfen. Diejenigen Zuschauer, welche das in Philadelphia spielenden und an Originalschauplätzen in der Stadt - darunter in einem alten, stillgelegten Gefängnis - gedrehte Werk sahen, fanden ihren Gefallen an diesem überdrehten, absurden, aber professionell in Szene gesetzten Spektakel.

Kritiker Robbie Collin befand für die britische "News of the World": "Wer eine verrückte Mischung aus 'Saw' und 'Shawshank Redemption" möchte, in der eine Menge Leute auf fiese Art und Weise umgebracht werden und Gerald Butler seinen Popo entblößt, dann ist dieser Film eine sichere Sache."



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