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TV-Tipps für Sonntag (22.1.): Al Pacino tritt ein schweres Erbe an

Arte zeigt Meisterwerk "Der Pate"

Für manche Zuschauer, Kritiker, Filmhistoriker ist er möglicherweise der beste Film aller Zeiten: Arte zeigt am Sonntagabend im Hauptprogramm das Meisterwerk "Der Pate", der Al Pacino einst zum Star machte und Marlon Brando zum Oscar-Preisträger, der seine Auszeichnung nicht wollte.

"Der Pate", Arte, 20:15 Uhr

Der alternde Patriarch (Marlon Brando) einer Familie, die ihr Vermögen im organisierten Verbrechen verdient hat, will die Kontrolle über sein geheimes Reich an seinen unwilligen Sohn (Al Pacino) abgeben.

Ein Film, mit dem sich Anfang der siebziger Jahre das angeschlagene Filmstudio Paramount Pictures viel Ärger bereitete und der es schließlich in ungeahnte Höhen führen sollte. Ein Film, der ein Meisterwerk ist, als einer der besten Filme aller Zeiten - von manchen als der beste Film aller Zeiten - bezeichnet wird. Ein Film, der ein kultureller Meilenstein ist, der den Kriminalfilm bis hin zur TV-Serie "The Sopranos" beeinflusste und die Amerikaner mit bis dahin unbekannten Ausdrücken wie "consigliere" und "omertà" bekannt machte. Ein Film, der Kassenrekorde aufstellte, von den Kritikern gepriesen und mit drei Academy Awards ausgezeichnet wurde. Ein Film, von dem Stanley Kubrick sagte, dies sei möglicherweise der beste Film aller Zeiten, auf jeden Fall habe er die beste Besetzung aller Zeiten.

Und gerade die Besetzung war es, die schon vor Beginn der Dreharbeiten die Produktion mühselig gestaltete, denn die Vorstellungen von Regisseur und Drehbuchautor Francis Ford Coppola und den Paramount-Managern, wer die Romanfiguren verkörpern sollten, waren selten deckungsgleich. Das Filmstudio hatte die Verfilmungsrechte für den Roman "The Godfather" bereits im Jahr 1967, zwei Jahre vor dessen Veröffentlichung, für einen Appel und ein Ei erworben. Autor Mario Puzo konnte die 12 000 Dollar - mit einer Option auf weitere 80 000 Dollar bei tatsächlicher Realisierung - sehr gut gebrauchen und griff zu. Als der Mega-Erfolg des Buches eintrat, verkündeten Paramount 1969, den Roman in der Tat zu verfilmen.

Doch schon an der ersten Hürde fingen die Schwierigkeiten an: Es ließ sich kein Regisseur finden, der Interesse an dem Stoff hatte, den man mehr oder minder für einen Groschenroman hielt. Und so holte man sich ein Dutzend Körbe von Filmemachern wie Sergio Leone, Constantin Costa-Gravas und Peter Bodganovich, bevor man schließlich als glückliche Nummer 13 dem damals 31-jährigen Coppola die Verantwortung übertrug, der immerhin schon auf ein Jahrzehnt auf dem Regiestühlchen zurückblicken konnte, aber sicherlich eine riskante Wahl für ein solches Prestigeprojekt, auf das Paramount große finanzielle Hoffnungen setzten.

Als Ausgleich für den weniger bekannten Regisseur wollten die Studiomanager um so mehr Umsätze garantierende Star-Strahlekraft auf der Leinwand sehen und lieferten sich monatelange Auseinandersetzungen mit Francis. Statt des vom Regisseur favorisierten unbekannten Al Pacino wollte man die angesagten Robert Redford, Warren Beatty oder Ryan O'Neal als Michael Corleone besetzen.

Puzo's Wunschkandidat Marlon Brando für den Part des Vito Corleone lehnte das Studio ebenfalls rundweg ab: Der 47 Jahre alte Schauspieler sei viel zu jung für die Figur, die im Roman rund 20 Jahre älter beschrieben ist. Marlon war so nur 16 Jahre älter als seine Filmsöhne Pacino und James Caan. Paramount bevorzugten Ernest Borgnine für die Rolle. Coppola konnte das Studio wenigstens davon überzeugen, eine Probeaufnahme mit Brando zu machen. Da es ihm zu peinlich war, dem Star zu gestehen, dass dieser praktisch wie ein Anfänger gezwungen wurde, für eine Rolle vorzusprechen, gab der Regisseur vor, mit ihm neue technische Ausrüstungen testen zu wollen, und filmte Marlon in dessen kalifornischen Heim. Die so entstandenen Aufnahmen überzeugten die Produzenten, die nachgaben.

Der nächste Streit entspann sich über das Budget. Im Buch spielt die Handlung von 1945 bis 1955 in New York City; das Filmstudio wollte die Geschichte, um Kosten zu sparen, in die Gegenwart nach Kansas City verlegen und dann den Großteil auf dem eigenen Studiogelände in Hollywood drehen. Coppola dagegen wollte möglichst alles vor Ort filmen, also in New York City und auf Sizilien. Ihm kam der parallel wachsende Erfolg und die steigende Bekanntheit des Romans entgegen, denn die Paramount-Manager mussten einsehen, dass das Publikum eine werkgetreue Verfilmung erwarten würde. Also erhöhte man das Budget von ursprünglich kalkulierten 2,5 Millionen auf 6 Millionen Dollar und ließ den Filmemacher alles - bis auf die Hotelszene in Las Vegas - vor Ort drehen.

Während der Dreharbeiten setzte sich das Reinreden der Studiobosse fort; Diskussionen über gar einzelne Szenen eskalierten derart, dass Francis oft befürchtete, gefeuert zu werden, und Marlon Brando musste damit drohen, die Produktion zu verlassen, sollte sein Regisseur entlassen werden. Ständig verlangten die Manager nach mehr Action und Gewalt, um den ihrer Ansicht nach zu ruhigen Streifen aufzupeppen. Coppola gab hier und da nach, um gut Wetter zu machen. Nichts lag ihm aber ferner als ein Action-Film oder eine Räuberpistole. Mit Kameramann Gordon Willis kam Francis überein, dass sie keine modernen Kameratechniken wie Luftaufnahmen oder Zoom-Objektive nutzen wollten; statt dessen sollten die Bilder die Qualität von Gemälden und eine eher gelbliche Patina besitzen, die eine andere, vergangene Ära signalisierten.

Am Schluss mussten die Reaktionen von Publikum und Kritik erweisen, ob Coppola das richtige Gespür gehabt hatte. Und wie eingangs erwähnt, hat nicht nur die Filmgeschichte, sondern die damalige Gegenwart des Jahres 1972 erwiesen, dass der junge Regisseur nicht nur Gespür, sondern Genie besaß. Das gewaltige Werk, das trotz der vielen intimen Szenen breit und mächtig wie ein Epos wirkt und sich intelligent mit der US-Gesellschaft sowie Themen wie Macht und Familie auseinander setzt, übertraf nicht nur sämtliche Erwartungen, sondern setzte neue Maßstäbe für das amerikanische Kino und ging mit seinen Zitaten ("He made him an offer he couldn't refuse..."), Bildern und Figuren in das kulturelle und populäre Gedächtnis ein.

Mit 133 Millionen Dollar Umsatz - das entspräche heute etwa 700 Millionen Dollar - alleine in Nordamerika löste "The Godfather" den bisherigen Rekordhalter "Gone with the Wind" von 1939 als umsatzstärksten Streifen aller Zeiten ab, wurde mit Abstand der erfolgreichste Film des Jahres und steht nach Zuschauerzahlen noch heute auf Platz 25 der erfolgreichsten Werke aller Zeiten.

Der Streifen wurde für elf Oscars nominiert: Als "Bester Film", für die Regie, für das adaptierte Drehbuch, Hauptdarsteller Marlon Brando, die Nebendarsteller James Caan, Robert Duvall und Al Pacino, die Musik, den Schnitt, die Kostüme und den Ton. Pacino blieb der Oscar-Verleihung aus Protest fern, weil er nicht zu Unrecht meinte, dass er mehr als Brando der Hauptdarsteller des Kriminalfilms sei. Von den elf Nominierungen konnten drei goldene Statuetten erlangt werden: Als "Bester Film", für das Drehbuch und für Marlon, der dann aber wie Al ebenfalls nicht erschien - als Aktivist für die uramerikanischen Einwohner und aus Protest über deren Darstellung in Hollywood als "Wilde".

1990 nahm die Library of Congress "The Godfather" als "kulturell, historisch oder ästhetisch bedeutsames Werk" in das National Film Registry auf, um es der Nachwelt zu erhalten.

Ein US-Zuschauer lobt: "Einer der wenigen Filme, bei dem ich auch nach mehrmaligem Sehen keine Schwäche entdecken kann. Von der Regie über die grandiosen Schauspieler und das Drehbuch bis zur Musik atmet hier alles Klasse, und es ist wirklich keine Überraschung, dass dieser Streifen als einer der besten aller Zeiten gehandelt wird. Der Film handelt nicht einfach nur von einer Mafia-Familie, sondern bietet unterschwellige psychologische und soziale Betrachtungen darüber, wie uns die Umwelt verändert, wie moralische Werte je nach Blickwinkel unterschiedlich erscheinen, wie Gewalt die Seele zerstören oder Macht ein Individuum korrumpieren kann."



"Away We Go", ARD, 23:35 Uhr
Ein Paar (Maya Rudolph und John Krasinski), das sein erstes Baby erwartet, reist durch die USA und besucht Familie, Freunde und Bekannte, um den Platz für das perfekte Aufwachsen für ihr Kind zu finden.

Eine liebevolle, berührende und leise Komödie des britischen Regisseurs Sam Mendes, der nach dieser kleinen, 17 Millionen Dollar teuren Produktion aus dem Jahr 2009 sein Berufsleben 007 und dessen beiden Abenteuern "Skyfall" und "Spectre" widmen sollte. "Away We Go" erhielt gemischte Kritiken, kam in nur wenige Kinos und floppte mit einem weltweiten Umsatz von nur 15 Millionen Dollar.

Das Drehbuch von Romanautor Dave Eggers und seiner Frau Vendela Vida hangelt sich an den sowohl bemerkenswerten als auch ebenso austauschbaren Macken und Reizen ihrer Figuren entlang. In ihrer Aneinanderreihung ergibt das ein holpriges Road Movie, wozu auch die teilweise karikaturenhaft überzeichneten Nebenfiguren beitragen, die von einer Riege namhafter Darsteller wie Catherine O'Hara, Maggie Gyllenhaal, Alison Janney und Jeff Daniels gemimt werden.

Kritiker Peter Bradshaw urteilte in "The Guardian": "Der Film besitzt eine leichtfüßige, nicht besonders zielgerichtete Lockerheit, die einem näheren Blick kaum standhält, aber eine bestimmte Liebenswürdigkeit transportiert."



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