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Blade Runner mit Rutger Hauer und Harrison Ford
Blade Runner mit Rutger Hauer und Harrison Ford
© Warner Bros.

TV-Tipps für Sonntag (8.10.): Harrison Ford auf Replikantenjagd

Arte zeigt Meisterwerk "Blade Runner"

Pünktlich zum Kinostart der 35 Jahre später gedrehten Fortsetzung bringt Arte das Original und Meisterwerk "Blade Runner" ins Hauptprogramm. Wem Science Fiction nicht so zusagt, findet parallel auf Sat1 mit dem Sandra Bullock-Drama "Blind Side" eine exzellente Alternative.

"Blind Side", Sat1, 20:15 Uhr
Michael Oher (Quinton Aaron), ein obdachloser und traumatisierter Jugendlicher, entwickelt sich dank der Hilfe einer fürsorglichen Frau (Sandra Bullock) und ihrer Familie zu einem der besten Football-Spieler der USA, der am Draft Day der National Football League gleich in der ersten Runde von einem Profiverein gewählt wird.

Vom Tellerwäscher zum Millionär - Amerika liebt diese Geschichten, und "The Blind Side" hat den Vorzug, eine wahre zu erzählen. Michael Oher wurde 2004 von Leigh Anne and Sean Tuohy bei sich aufgenommen und schließlich adoptiert. 2009 verpflichteten ihn die Baltimore Ravens; bis zum Sommer 2017 spielte Oher bei den Carolina Panthers.

2006 hatte der Journalist Michael Lewis die außergewöhnliche Jugend des Sportlers in dem Sachbuch "The Blind Side - Evolution of a Game" geschildert, das Regisseur und Drehbuchautor John Lee Hancock ("The Founder") zur Grundlage seines Dramas machte, das er für 29 Millionen Dollar im US-Bundesstaat Georgia drehte.

Im Film wirken einige ehemalige und damals aktuelle Football-Trainer mit. Für die Hauptrolle wollten Warner Brothers Julia Roberts, die aber ablehnte. Stattdessen nahm Sandra Bullock den Part an, verzichtete dafür sogar auf einen Teil ihrer sonst üblichen Gage und akzeptierte statt dessen eine Gewinnbeteiligung. Das sollte sich für die Schauspielerin mehr als bezahlt machen.

"The Blind Side" schaffte dank hervorragender Mundpropaganda das seltene Kunststück, in seiner dritten Woche an die Charts-Spitze der US-Top Ten zu kommen. Erstmals überschritt ein Film, der nur mit dem Namen einer Darstellerin beworben wurde, die 200 Millionen Dollar-Marke in den USA und wurde mit insgesamt 256 Millionen Dollar 2009 ein riesiger Erfolg in den amerikanischen Kinos. Im Ausland kamen nochmal bescheidene 53 Millionen Dollar hinzu. Dazu gewann Bullock den Oscar und den Golden Globe als "Beste Hauptdarstellerin"; der Film selbst war als bester des Jahres für den Academy Award nominiert.

Die Kritiken waren freundlich, aber nicht so enthusiastisch wie die der Zuschauer. Manche Rezensenten monierten, dass hier wieder einmal Weiße einen Afro-Amerikaner retteten, was als rassistisch empfunden wurde. Doch die Filmemacher konnten zu Recht darauf verweisen, dass die starke Geschichte sich wirklich so zugetragen hatte. Die überragende Leistung von Sandra tat dann noch ihr Übriges zum Erfolg.

Kritiker Matt Neal schrieb in "The Standard": "Eine zuckersüße Geschichte, der es an echter Spannung oder Dramatik fehlt und die wiederholt in kitischige Gefilde abzugleiten droht, es aber irgendwie, einfach durch ihre tollkühne Herzensgüte schafft, durchgängig unterhaltsam zu sein."



"Blade Runner", Arte, 20:15 Uhr
Ein Replikantenjäger (Harrison Ford) im Los Angeles des Jahres 2019 muss vier Replikanten finden und zerstören, die mit einem gestohlenen Raumschiff zur Erde gekommen sind, um ihren Schöpfer zu finden.

An dem Wochenende, an dem Denis Villeneuve seine Fortsetzung zu "Blade Runner" in die Kinos bringt und einen Triumph aus eigenem Recht errungen zu haben scheint, lohnt ein Blick zurück auf eines der großen Meisterwerke des Kinos: Ridley Scott's Original von 1982. Bei seiner Uraufführung ein kommerzieller Flop und von vielen missverstanden, hat sich die Wirkung des geheimnisvollen Neo-Noir mit den Jahren immer weiter verstärkt. Zunächst vielleicht ein Nischenkultfilm, dann einer der bestverkauften und meist ausgeliehenen auf Video, ist er heute ein anerkannt visuell bemerkenswerter und schmerzlich menschlicher Streifen, der nun durch die Fortsetzung hoffentlich von vielen Zuschauern neu entdeckt wird.

Wie bei so manchen großen Werken war die Entstehungsgeschichte allerdings von viel Ärger und Sorge bestimmt. Bereits kurz nach dem Erscheinen des Romans "Do Androids Dream of Electric Sheep?" (Träumen Androide von elektrischen Schafen?) des SciFi-Genius Philip K. Dick im Jahr 1968 gab es Interessenten, das Buch zu verfilmen, aber Dick wehrte sich wegen der schlechten Qualität eines Skripts von Robert Jaffe gegen eine Abtretung der Rechte in den frühen Siebzigern. 1977 erwarb schließlich Hampton Fancher die Verfilmungsrechte. Das Drehbuch machte mehrere Fassungen durch, an denen neben David Webb Peoples auch der englische Regisseur Ridley Scott ("The Martian") arbeitete, so dass der Film schlussendlich nicht mehr die Buchstaben, aber den Geist der Vorlage widerspiegelte. Den Titel für ihren Film kaufte der englische Produzent Michael Deeley von Alan Nourse's Roman "The Bladerunner", weil Scott der Name so gut gefiel; mehr als diesen nutzte man für den Science Fiction-Film nicht.

Derweil machte Romanautor Dick in der Presse Stimmung gegen das Projekt, nachdem er eine erste Drehbuchfassung gelesen hatte. Als man ihm das überarbeitete Drehbuch schickte und ihm später im Studio 20 Minuten der Spezialeffekte zeigte, änderte er seine Meinung: "Es war meine innere Welt. Sie haben das perfekt eingefangen. Der Roman und der Film verstärken einander - jemand der das Buch liest, wird der Film gefallen; jemand der den Film sieht, wird das Buch genießen." Der Streifen sollte dann schließlich Philip K. Dick gewidmet werden, nachdem der Autor im März 1982 drei Monate vor der Uraufführung verstorben war.

Die Dreharbeiten waren derweil von handfesten Problemen überschattet. Kurz vor Drehbeginn zog das US-Filmstudio Filmways seine Finanzierung zurück; Produzent Deeley gelang es, 21 Millionen Dollar durch eine fragile Dreierkombination durch The Ladd Company, Sir Run Run Shaw aus Hongkong und Tandem Productions zu sichern. Fortwährende Streitigkeiten von Regisseur Scott mit den Studios sollten am Ende dazu führen, dass ihm das Projekt weggenommen und gegen seinen Willen verändert wurde, nachdem "Blade Runner" bei Testvorführungen beim Publikum durchgefallen und das Budget auf 28 Millionen Dollar explodiert war.

Zuvor hatte sich Ridley mit seinem Hauptdarsteller Harrison Ford überworfen und es sich mit der amerikanischen Crew in den Hollywood Studios bei Warner Brothers in Burbank verscherzt, der er öffentlich vorgeworfen hatte, schlechter als die britischen Crews zu arbeiten.

Die Produzenten zwangen Harrison Ford ("Ich musste für diese Clowns einen schlechten Kommentar nach dem anderen einsprechen und damit etwas tun, von dem ich wusste, dass es gegen den Willen des Regisseurs ging") nach Ende der Dreharbeiten, Erzählerkommentare für den Film einzusprechen, und schnitten die Helikopteraufnahme aus "The Shining" ein, um ein Happy Ending zurecht zu biegen, das Scott nicht vorgesehen hatte. Erst in den späteren Versionen des Werks, die ab 1997 ins Kino kamen und auf Disc veröffentlicht wurden, restaurierte man Ridley's Vision.

Die Kritiken zu "Blade Runner" waren gemischt, und mit 26 Millionen Dollar - das entspräche heute mäßigen 65 Millionen Dollar - konnte die Warner Brothers-Produktion, die wie "The Thing" in den Schatten des gigantischen "E.T." geriet, in Nordamerika nicht mal seine reinen Produktionskosten einspielen.

Die erstaunlichen Spezialeffekte von Douglas Trumbull - allesamt mit Modellen, Kulissen und Mehrfachbeleuchtung erreicht - wurden ebenso für einen Oscar nominiert wie die Ausstattung. Die Musik von Vangelis erhielt einen Golden Globe-Nominierung. In Scott's Heimat Großbritannien erfuhr "Blade Runner" mehr Wertschätzung: Kameramann Jordan Cronenweth erhielt den Britischen Filmpreis, gleichfalls Ausstatter Lawrence G. Paull und die Kostüme. Nominiert waren zudem noch Musik, Schnitt, Maske, Spezialeffekte und Ton. 1993 wurde der Film als "historisch, künstlerisch oder ästhetisch bedeutsames Werk" in das National Film Registry der US-Library of Congress aufgenommen, um es der Nachwelt zu erhalten.

Ein US-Zuschauer lobt: "Dies ist wahrlich einer der großartigsten Science Fiction-Filme aller Zeiten, bei dem es einen mitdenkenden Zuschauer braucht, um wirklich verstanden und gewürdigt zu werden. Eine echte Science Fiction-Geschichte handelt von Ideen, nicht Raumschiffschlachten, futuristischen Apparaten oder bizarren Kreaturen. 'Blade Runner' qualifiziert sich in seiner Untersuchung der Auswirkungen von Technologie auf die Gesellschaft, die Existenz und die Menschlichkeit selbst. Diese Themen sind untergebracht in einer recht simplen Detektivgeschichte, die langsam vorankommt, aber nach und nach an Kraft gewinnt, während der Zuschauer in ein dystopisches, futuristisches Los Angeles eintaucht. Die Stärke des Films ergibt sich hauptsächlich durch seine umwerfenden Bilder und seine philosophischen Themen."



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