Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

TV-Tipp für Montag (6.11.): Warren Beatty kämpft für Gerechtigkeit

Arte zeigt "Reds"

"Reds", Arte, 20:15 Uhr
Ein amerikanischer Journalist (Warren Beatty) wird 1917 in die kommunistische Revolution in Russland verwickelt und hofft, deren Geist und Ideale auf die Vereinigten Staaten von Amerika zu übertragen.

Mitten in die konservative Grundstimmung der Achtziger, symbolisiert unter anderem durch den Sieg Ronald Reagans 1980 bei den US-Präsidentschaftswahlen, platzte Produzent, Regisseur und Drehbuchautor Warren Beatty ("Regeln spielen keine Rolle") mit einem Epos über den links-radikalen US-Journalisten John Reed, der 1919 in dem Buch "Ten Days That Shook the World" ("Zehn Tage, die die Welt erschütterten"), zu dem Wladimir Lenin ein kurzes Vorwort beitrug, die Oktober-Revolution in Russland geschildert hatte, was ihn berühmt werden machte.

Noch erstaunlicher, dass sich mit Paramount Pictures ein Filmstudio fand, welches dieses Drama finanzierte, war vielleicht, wie viel Erfolg Beatty mit seinem durchaus etwas sperrigen Streifen fand: Mit 40 Millionen Dollar - das entspräche heute 119 Millionen Dollar - wurde "Reds" ein Erfolg beim US-Publikum und machte laut Beatty "etwas Gewinn".

Man sollte den Intellekt des Publikums also nicht unterschätzen. Bekommt es ein solch aufwendiges, glänzend gespieltes und inszeniertes Werk geboten, füllt es die Säle, auch wenn das Thema weder eskapistisch noch banal ist und mit seinen eingestreuten Interviewsequenzen mit Zeitzeugen sogar quasi-dokumentarisch anmutet und die Spieldauer mit drei Stunden eher abschreckte.

Warren war bereits Mitte der Sechziger mit der Geschichte von John Reed bekannt geworden und plante einen Film. Ein erstes Drehbuch namens "Comrades" war 1969 fertig, und der Filmemacher begann ab 1971, die Interviews mit den Zeitzeugen aufzunehmen, die im Streifen eine anrührende menschliche Perspektive einzogen, Szenen überbrückten und einführten. Doch erst Mitte der Siebziger kam das Projekt voran, als Beatty den Drehbuchautoren Trevor Griffiths hinzuzog, um sein Skript zu überarbeiten, und sich mit Paramount die Geldgeber fanden, um das Budget von 32 Millionen Dollar zu stemmen.

Die Dreharbeiten, die 1979 begannen, dauerten viel länger als geplant. Zum Einen, weil der Regiedebutant sehr akribisch arbeitete und manche Szenen bis zu 80 Mal wiederholen ließ, zum Anderen weil in fünf verschiedenen Ländern - USA, Großbritannien, Schweden, Finnland und Spanien - gedreht wurde und sich das Wetter nicht an den Drehplan hielt: In Finnland, das für Russland einstand, musste die Crew auf Schnee warten, in Spanien auf das Ende des Regens.

Und nach Ende der Dreharbeiten im Frühjahr 1980 war die Arbeit noch längst nicht getan: Über 60 Mitarbeitende waren daran beteiligt, die Unmengen von Filmmaterial, die Beatty hatte drehen lassen, in Form zu bekommen. Erst im November 1981, mehr als zwei Jahre nach Beginn der Dreharbeiten, endete die Nachproduktion.

Die Mühe hatte sich gelohnt: Die Kritiker und die Zuschauer schwärmten von "Reds", der dann auch in der Preisverleihungssaison von sich reden machte. Es gab ein Dutzend Oscar-Nominierungen: Für den "Besten Film", Regie, Drehbuch, Hauptdarstellerin Diane Keaton, Hauptdarsteller Warren Beatty, Nebendarstellerin Maureen Stapleton, Nebendarsteller Jack Nicholson, Kameramann Vittorio Storaro, den Schnitt, die Ausstattung, die Kostüme und den Ton. Von diesen gab es drei Academy Awards: Für Regisseur Warren Beatty, Nebendarstellerin Stapleton und Kameramann Storaro. Ebenso gewann Beatty den Golden Globe, während bei den Britischen Filmpreisen Maureen Stapleton und Jack Nicholson gewannen.

Ein Zuschauer aus London lobt: "Wir haben immer gewusst, dass Warren Beatty ein Linker ist, aber wie ein Filmstudio ihn einen Streifen machen ließ, mit dem er einem bekannten Sozialisten ein Denkmal setzte, der in die Sowjetunion überlief und im Kreml beerdigt ist, wird mir immer ein Rätsel bleiben. Der Film ist lang und nichts für die Freunde unbeschwerter Unterhaltung. Er zeichnet ein breites Panorama des frühen Sozialismus in den USA, von Beatty fabelhaft auf die Leinwand gebracht. Einer der wichtigsten Filme unserer Generation, den jeder Kinofreund zwingend sehen sollte."



Hier geht es zum kompletten TV-Programm



Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.