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68. Berlinale beginnt mit Hollywood-Glanz auf rotem Teppich

Eröffnungsfilm von Wes Anderson überzeugt

Der Teppich blieb rot, aber Berlinale-Direktor Dieter Kosslick erschien gestern Abend zur Eröffnung der 68. Internationalen Filmfestspiele von Berlin als Tribut an die #MeToo-Kampagne mit einem schwarzen statt einem roten Schal, der sein Markenzeichen ist.

Das wichtigste deutsche Filmfestival konnte und wollte sich der aus den USA herübergeschwappten Debatte um Sexismus und Gleichberechtigung in der Filmindustrie nicht entziehen, aber die Forderung der Schauspielerin Claudia Eisinger, als Zeichen der Solidarität mit missbrauchten und benachteiligten Schauspielerinnen einen schwarzen Teppich auszurollen, ging den Festivalverantwortlichen offenbar zu weit. Auch schritten nicht alle Schauspielerinnen, wie man es letzten Monat bei der Golden Globes-Gala gesehen hatte, in Schwarz gekleidet in den Berlinale-Palast am Potsdamer Platz.

Doch das Thema bestimmte die von Anke Engelke moderierte Eröffnungsgala, zu der 1600 Gäste erschienen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters erklärte: "Das Kino kann Rollen- und Weltbilder ins Wanken bringen. Umso bitterer, dass Frauen im Filmgeschäft vielfach bis heute in Rollen gedrängt werden, die sie nicht spielen wollen - und dass wir deshalb seit Wochen mehr über Männer reden, die nur einen Bademantel anhaben, als über Frauen, die die Hosen anhaben."

Eine andere politische Farbe brachte Kosslick ein, der sich in seiner Rede für den seit einem Jahr ohne Anklage in der Türkei inhaftierten Journalisten Deniz Yücel und den gefangen gehaltenen ukrainischen Regisseur Oleg Senzow stark machte. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller forderte: "Wir sollten in einer Welt leben, in der die Grenzen des Gegenübers ganz selbstverständlich respektiert werden. Sexismus, Rassismus, Antisemitismus gehen uns alle an."

Im Anschluss lief der Wettbewerbsfilm "Isle of Dogs" - damit startete erstmals ein Animationsstreifen die Filmfestspiele. Regisseur Wes Anderson, dessen "The Grand Budapest Hotel" vor vier Jahren die Berlinale eröffnete, hatte seine Sprechergarde mitgebracht, so dass Tilda Swinton, Greta Gerwig, Bryan Cranston, Bill Murray, Jeff Goldblum und Liev Schreiber gleich am ersten Tag Hollywood-Glanz verbreiteten. Der Film selbst wurde sehr positiv aufgenommen und dürfte als eine der besten Wahlen der vergangenen Jahre gelten - seit eben "The Grand Budapest Hotel".

Bis zum 25. Februar werden auf der Berlinale mehr als 400 Filme präsentiert werden, davon 19 im Wettbewerb um den Goldenen und die Silbernen Bären. Darüber entscheidet die Berlinale-Jury, der in diesem Jahr Tom Tykwer vorsitzt.


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