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Spotlight mit Mark Ruffalo, Rachel McAdams, Michael...rudup
Spotlight mit Mark Ruffalo, Rachel McAdams, Michael Keaton und Billy Crudup
© Kerry Hayes / Open Road Films

TV-Tipp für Sonntag (29.7.): Rachel McAdams recherchiert

Pro7 zeigt Meisterwerk und FreeTV-Premiere "Spotlight"

Ein sehr feines Spielfilmangebot offerieren die Fernsehsender am Sonntagabend - und das mitten im Sommerloch. Zwei FreeTV-Premieren, darunter ein Meisterwerk, im Hauptprogramm zur endlich mal besten Sendezeit ragen heraus: RTL zeigt "Creed", mit dem die "Rocky"-Saga weiter geführt wird, und Pro7 den Oscar-Gewinner "Spotlight", der nach einer wahren Geschichte eine Sternstunde des Jornalismus zeigt.

"Creed: Rocky's Legacy", RTL, 20:15 Uhr
Der frühere Schwergewichtschampion Rocky Balboa (Sylvester Stallone) nimmt sich Adonis Johnsons (Michael B. Jordan), dem Sohn seines früheren Rivalen und Freundes Apollo Creed, als Trainer und Mentor an.

Wer hätte gedacht, dass in diesem alten Klepper noch so viel Leben steckt? Mit "Rocky V" lag die seit 1976 laufende Reihe um den Boxer Rocky Balboa 1990 k.o. auf den Brettern, bevor sie Hauptdarsteller Sylvester Stallone persönlich als Regisseur und Hauptdarsteller mit "Rocky Balboa" 16 Jahre später wieder erfolgreich in den Ring schickte. Im Zeitalter der Spin-offs planten MGM nach dessen Erfolg bei Kritik und Publikum einen Ableger um Rocky und konnten 2013 vermelden, dass sie mit dem "Fruitvale Station"-Paar aus Regisseur und Drehbuchautor Ryan Coogler ("Black Panther") und Hauptdarsteller Michael B. Jordan vertragseinig geworden waren - und dass sogar Stallone für ein siebtes Mal in die Rocky-Rolle schlüpfen würde.

Gedreht wurde die Co-Produktion von MGM und New Line Cinema für 35 Millionen Dollar in den englischen Städten Liverpool und London sowie in Las Vegas im US-Bundesstaat Nevada und in Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania, wo die Rocky-Geschichten angesiedelt sind.

Coogler gelang es mit diesem Drama, die Qualitätsschraube noch etwas höher zu drehen - sein "Creed" gehört mit zum Besten, was die Reihe zu bieten hat. Der Film bleibt dem Ursprung der Vorgänger treu, weitet die Saga dabei aber darüber hinaus in eine interessante und überraschend wirkungsvolle Richtung aus.

"Creed" erhielt 2015 hervorragende Kritiken und spielte weltweit 173 Millionen Dollar ein. Dieser Erfolg hat MGM veranlasst, eine Fortsetzung zu produzieren, die im November in die Kinos kommen wird. Ein besonderer Triumph wurde der Streifen für Sylvester, der den Golden Globe als "Bester Nebendarsteller" gewann und bei den Academy Awards nominiert war, dort allerdings Mark Rylance für dessen Leistung in "Bridge of Spies" unterlag.

Kritiker Sean Axmaker urteilte in "Seanax": "Das Herz dieses Films bilden Identität und Familie, die Vermächtnisse, die man erbt, und die Vermächtnisse, die man selbst erschafft. Es ist ein wunderbar überzeugender, altmodischer Außenseiter-Boxfilm."



"Spotlight", Pro7, 20:15 Uhr
Die wahre Geschichte, wie Journalisten (Rachel McAdams, Brian d'Arcy James, Michael Keaton und Mark Ruffalo) des "Boston Globe" massiven Kindesmissbrauch und dessen Vertuschung in der Katholischen Kirche aufdeckten.

Nix mit Fake News. Dieses Meisterwerk zeigt eine Sternstunde des Journalismus. Und das heißt Telephonieren, Interviews führen, nach Quellen suchen, Zeugen zu Aussagen überreden, politischem Druck standhalten und Bücher wälzen. Denn zum Zeitpunkt der wahren Geschehnisse in Boston im US-Bundesstaat Massachusetts 2001 war das Internet zwar schon aus seinen Kinderschuhen entwachsen, aber letztlich sind es Bücher, welche den Reportern den letzten entscheidenden Hinweis gaben. So konnten sie nachweisen, dass seit mindestens Mitte der Siebziger rund 90 Priester der katholischen Kirche etwa 1000 Kinder und Jugendliche sexuell belästigt oder missbraucht hatten. Statt die Pädophilen aus dem Verkehr zu ziehen, hatte die Kirchenleitung die Männer jeweils nur versetzt und eine Strafverfolgung verhindert.

Regisseur und Drehbuchautor Tom McCarthy wollte sein Drama weniger als eine Anklage der Katholischen Kirche verstanden wissen, sondern eben als ein Loblieb auf den gewissenhaften und altmodischen Journalismus, der Fakten sammelt, bevor er Meldungen in die Welt hinausposaunt.

Die 20 Millionen Dollar teure Independent-Produktion behandelt die entsetzlichen Details der Geschichte würdevoll und widersteht der Versuchung, die Journalisten zu Helden zu verklären. Somit würdigt dieses intelligente und verhaltene Werk die wahren Reporter des "Boston Globe" ebenso wie das Publikum.

"Spotlight" kam 2015 mit durch die Bank begeisterten Kritiken in die Lichtspielhäuser, stand auf vielen Jahresbestenlisten und räumte weltweit über 100 Preise ab. Die beiden wichtigsten waren die Oscars als "Bester Film" und für das Drehbuch von Tom McCarthy und Josh Singer. Nominiert waren noch die Regie, Nebendarstellerin Rachel McAdams, Nebendarsteller Mark Ruffalo und Cutter Tom McArdle. Bei den Golden Globes waren Film, Regie und Drehbuch nominiert. Bei den Britischen Filmpreisen gewann das Drehbuch; nomniert waren der Film und Nebendarsteller Ruffalo. Kommerziell war der Film mit einem weltweiten Einspiel von 98 Millionen Dollar ein nur mäßiger Erfolg.

Kritiker Al Hoff schrieb in "Pittsburgh City Paper": "Der pessimistischen Geschichte wird mit einer stillen Feier des Journalismus begegnet, dass die beharrliche Verfolgung der Wahrheit eine Rolle spielen kann und muss, und dass Reporter, wenn ihnen die entsprechenden Mittel zur Verfügung stehen, die notwendige Kontrolle der Macht ausüben können."



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