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Apocalypto
Apocalypto
© Highlight Entertainment

TV-Tipps für Samstag (17.11.): Mel Gibson fordert ein Menschenopfer

Pro7 zeigt "Apocalypto"

Am Samstagabend geht es gleich zweimal in den Spielfilm-Dschungel. Erst ganz familienfreundlich im Sat1-Hauptprogramm mit dem Disney-Klassiker "Das Dschungelbuch" und dann mit einer deutlich härteren Gangart zu den Mayas in Mel Gibson's "Apocalypto" im Pro7-Spätprogramm.

"Das Dschungelbuch", Sat1, 20:15 Uhr
Der Panther Bagheera und Baloo der Bär nehmen sich eines kleinen Menschenjungen an, der im indischen Dschungel ausgesetzt worden ist.

Als RTL diesen Zeichentrickfilm von 1967 das erste Mal als Free TV-Premiere 2014 zur Hauptsendezeit ausstrahlten, sahen 5 Millionen Zuschauer zu - mit einem Marktanteil, von dem die Kölner heute nur noch träumen können. "The Jungle Book", so der Originaltitel, ist ein Phänomen in Deutschland. Zwar war dieser Streifen bei seiner Premiere ein gigantischer Erfolg in den USA und hinter "Die Reifeprüfung" der zweiterfolgreichste Film des Jahres, hat aber in seinem Herstellungsland nie diesen Stellenwert erlangt wie hier zu Lande, wo er sogar der erfolgreichste Disney-Film aller Zeiten ist. Allein bei seiner Uraufführung sahen ihn 23 Millionen Zuschauer. Zum Vergleich: Der bisher erfolgreichste Streifen dieses Jahres ist "Avengers: Infinity War" mit 3,4 Millionen Besuchern.

Bei kaum einem Zeichentrickfilm sind die Songs so bekannt geworden und ins kulturelle Unterbewusstsein gewandert wie hier: "Probier's mal mit Gemütlichkeit", "Ich wär so gern wie du" und "Deine Freunde" sind generationenübergreifend bekannt geworden. Und Walt Disney hat keinen geringen Teil daran.

Denn bei "The Jungle Book" griff der Produzent, dessen 19. abendfüllender Spielfilm dies war, entscheidend während der Vorproduktion ein. Ursprünglich sollte das Werk viel ernster und düsterer werden, wovon noch der Vorspann ahnen lässt. Grundlage waren die "Dschungelbuch"-Erzählungen des britischen Autors Rudyard Kipling aus den Jahren 1894 und 1895. Zwar hatte Drehbuchautor Bill Peet - seit Anfang der Vierziger als Disney-Autor dabei - dessen episodische Struktur bereits stark gestrafft, aber Walt vermisste den "leichten Disney Touch" und entließ Peet nach Auseinandersetzungen über das Skript. Larry Clemmons, der bis dahin hauptsächlich für die Disney-TV-Serien geschrieben hatte, wurde zum neuen Autoren ernannt und erhielt vom Produzenten den Auftrag: "Als erstes lesen Sie den Roman nicht." Schlussendlich nutzte Clemmons nur Motive aus der Literaturvorlage und erzählte eine ansonsten freie Geschichte.

Ähnlich bei der Musik: Auch diese empfand Walt als zu düster und ersetze hier den Komponisten: Terry Gilkyson, von dem nur "The Bare Necessities" ("Probier's mal mit Gemütlichkeit"), der für den Oscar als "Bester Song" nominiert werden sollte, im Film verblieb, wurde durch die Brüder Robert und Richard Sherman ersetzt, die für Disney die Lieder in "Mary Poppins" komponiert hatten.

Walt Disney verstarb im Dezember 1966, erlebte die Aufführung von "The Jungle Book" nicht mehr und konnte daher auch nicht an einem der größten Erfolge seines Studios teilhaben, den er maßgeblich mit beeinflusst hatte. Mit der ausdrucksstarken Animation, den witzigen Figuren und den ins Ohr gehenden Liedern begeisterte der Film des deutschstämmigen Regisseurs Wolfgang Reitherman Jung und Alt. Das 4 Millionen Dollar teure Werk spielte bei der Uraufführung weltweit knapp 140 Millionen Dollar ein.

Als die Bundeszentrale für politische Bildung 2003 in Zusammenarbeit mit zahlreichen Filmschaffenden einen 35 Filme umfassenden Filmkanon für die Arbeit an Schulen erstellte, nahm sie "Das Dschungelbuch" in die Liste mit auf.

Ein Zuschauer lobt: "Eine brillante Kombination aus wunderbaren Stimmen, phantastischen Charakteren und Liedern, die man für Wochen im Ohr hat, bilden mit Sicherheit einen Höhepunkt des Animationsfilms. Es gibt nicht viel Besseres als dies hier."



"Apocalypto", Pro7, 23:05 Uhr
Um 1500 im Reich der Maya in Mittelamerika, kurz vor der spanischen Kolonialisierung. Während der Niedergang der Dynastie schon spürbar ist, bestehen die Herrscher darauf, dass der Bau von noch mehr Tempeln und von Menschenopfern der Schlüssel zum Reichtum ist. Juguar Paw (Rudy Youngblood), ein junger Mann, den man als Menschenopfer gefangen genommen hat, flieht, um diesem Schicksal zu entkommen.

2007 wurde "Apocalypto" als "Bester nicht englischsprachiger Film" bei den Golden Globes und den Britischen Filmpreisen nominiert. Obwohl eine amerikanische Produktion, hatte sich Regisseur und Drehbuchautor Mel Gibson ("Hacksaw Ridge") - der selbst nicht mitspielt - wie bei seinem Vorgängerfilm "The Passion of the Christ" dafür entschieden, seinen Abenteuerfilm in einer alten Sprache, hier derjenigen der Maya, spielen und dann untertiteln zu lassen. Ein künstlerisch bewunderswert integerer Zug, der allerdings sicherlich die Untertitel ablehnenden US-Zuschauer eher von der Walt Disney-Produktion abgeschreckt haben dürfte.

Nicht nur bei der Sprache, auch beim historischen Hintergrund bemühte sich Gibson um historische Akkuratheit. Er studierte die Maya-Geschichte, reiste nach Costa Rica, Guatemala und auf die mexikanische Halbinsel Yucatan, um historische Drehorte zu finden. Darüber hinaus engagierte er den Maya-Experten Richard Hansen von der Idaho State University. Nichtsdestotrotz sah sich der 40 Millionen Dollar teure Streifen nach der Aufführung zahlreicher Kritik wegen historischer Fehler ausgesetzt. So sahen einige Wissenschaftler die Mayas falsch dargestellt; sie hätten zum Beispiel nie solche Menschenopfer initiiert, wie im Film zu sehen.

Beim Design seines Spielfilms wollte der Australier weg von den vom Computer generierten Bildern, welche das Action-Genre in den nuller Jahren zu dominieren begannen, aber auch weg von 08/15-Geschichten mit gesichtslosen Figuren. Stattdessen arbeitete er so physisch wie möglich in echten Kulissen und mit Schminke und Masken. Einen sehr großen Anteil am Produktions-Team machten daher die Make-up-Künstler und Kostümbildner aus, die jeden Tag die Schauspieler und Komparsen in Mayas verwandelten.

Gedreht wurde hauptsächlich in Mexiko. Es entstand eine brillant verfilmte, aber auch erbarmungslos blutige Darstellung einer einst großen Zivilisation. Beim Publikum war "Apocalypto" mit weltweit 120 Millionen Dollar solide erfolgreich, während die Kritiken nur gemischt waren, aber es gab starke Fürsprecher wie Mel's Regie-Kollegen Quentin Tarantino und Spike Lee. Auch die Industrie erkannte die künstlerische und technische Meisterschaft an: So erhielt der Streifen drei Oscar-Nominierungen für die "Beste Maske", die "Beste Tonmischung" und den "Besten Tonschnitt".

Kritiker Matthew Pejkovich schrieb für "Matt's Movie Reviews": "Mit digitaler Kamera vor Ort gedreht, hat Mel Gibson ein visuell umwerfendes Epos erschaffen, bei dem keine Kosten gescheut worden sind, eine versunkene Welt zum Leben zu erwecken."



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