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Hacksaw Ridge - Desmond Doss (Andrew Garfield) im...nsatz
Hacksaw Ridge - Desmond Doss (Andrew Garfield) im selbstlosen Rettungseinsatz
© Universum Film

TV-Tipps für Sonntag (21.7.): Andrew Garfield will nur noch einen retten

RTL zeigt Meisterwerk und Premiere "Hacksaw Ridge"

Zwei US-Produktionen, die sich mit wahren Geschehnissen befassen, sind am Sonntagabend die erste Wahl für Spielfilmfreunde, zumal es sich jeweils um FreeTV-Premieren handelt. Zum 50. Jahrestag der Mondlandung strahlt Sat1 "Hidden Figures" aus, mit dem Theodore Melfi drei unerkannten Heldinnen seinen Tribut zollt. RTL zeigt im Spätprogramm "Hacksaw Ridge" von Mel Gibson über einen ebenfalls ungewöhnlichen Helden des Zweiten Weltkriegs.

"Hidden Figures", Sat1, 20:15 Uhr
Drei afro-amerikanische Mathematikerinnen (Taraji P. Henson, Janelle Monáe und Octavia Spencer) tragen in Zeiten der Rassentrennung entscheidend zum Erfolg des NASA-Weltraumprogramms Anfang der Sechziger bei.

Man würde sich wünschen, dass eine der absurdesten, wiederkehrenden Szenen in diesem US-Drama - die von Taraji P. Henson gespielte Katherine Johnson muss, weil sie als Farbige nicht die Toilette der Weißen benutzen darf, quer über den NASA-Campus und zurück hetzen, um die Farbigentoilette aufzusuchen, Fiktion ist. Leider aber war das die Realität, wenn auch in Wahrheit nicht für Johnson, sondern für ihre Kollegin Mary Jackson, die von Janelle Monáe gespielt wird.

Erst 1964 hob US-Präsident Lyndon B. Johnson zumindest juristisch die Rassentrennung in den USA mit dem Civil Rights Act auf, was noch lange nicht heißt, dass die Segregation nach Hautfarben Geschichte war. Bei der Weltraumbehörde NASA, die im Weltraumrennen ins Hintertreffen mit der Sowjetunion geraten war, wurde die Rassentrennung bereits 1958 in einigen Abteilungen wie der, in der Katherine Johnson arbeitete, aufgehoben, und man arbeitete in multi-ethnischen Teams zusammen. In anderen Abteilungen mussten die afro-amerikanischen Mathematikerinnen aber in gesonderten, teilweise fensterlosen Büros für sich als "menschliche Computer" arbeiten. Dass die NASA von weißen Männern dominiert wurde, machte die berufliche Situation - von Karriere gar nicht zu reden - für diese Frauen noch doppelt schwer.

Folgerichtig, aber nicht weniger skandalös war es, dass der Beitrag dieser Frauen zum Apollo-Weltraumprogramm und schlussendlich zur Mondlandung auf den Tag genau vor 50 Jahren jahrzehntelang verschwiegen wurde. In der Geschichtsschreibung reklamierten eben die weißen Männer den Erfolg vollkommen für sich, und selbst viele der an dieser 20th Century Fox-Produktion beteiligten Künstler wie Taraji P. Henson, Janelle Monáe, Kevin Costner und Komponist Hans Zimmer gaben zu, vor den Dreharbeiten noch nie etwas von diesen Frauen gehört zu haben.

Das Verdienst, dass zumindest noch Katherine Johnson die Ehrung erfahren hat, die ihr zusteht, gebührt Autorin Margot Lee Shetterly, welche die Geschichte in ihrem gleichnamigen Sachbuch im Jahr 2016 zurecht rückte, dem Filmstudio Fox, das die Verfilmungsrechte noch vor Erscheinen ein Jahr zuvor erworben hatte, und Regisseur und Drehbuchautor Theodore Melfi. Dieser fand die richtige Mischung aus Fakt und Fiktion, bei der er die Essenz der wahren Geschehnisse beibehielt und Herz erwärmend und zuschauerfreundlich nacherzählte.

Gedreht wurde für 25 Millionen Dollar auf dem Campus des Morehouse College und dem der Dobbins Air Reserve Base in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia.

"Hidden Figures" erhielt durchgängig gute Kritiken und wurde mit einem weltweiten Einspiel von 235 Millionen Dollar auch ein Erfolg beim Publikum. Bei den Academy Awards lagen der Film, das Drehbuch und Nebendarstellerin Octavia Spencer im Rennen. Bei den Golden Globes waren Nebendarstellerin Spencer und die Komponisten Benjamin Wallfisch, Pharrell Williams und Hans Zimmer nominiert. Bei den Britischen Filmpreisen ging das Drehbuch ins Rennen. Die Screen Actors Guild zeichnete das Ensemble aus und nominierte Spencer.

Kritikerin Ruth Maramis meinte in "Flix Chatter": "Ein wichtiger Film, so viel ist sicher. Aber auch ein gut geschriebener und gut gespielter, der so inspirierend wie unterhaltsam ist. Er hat mich zum Lachen und Weinen gebracht, und am Schluss wollte ich aufstehen und jubeln."



"Hacksaw Ridge", RTL, 22:05 Uhr
Ein pazifistischer Sanitäter (Andrew Garfield) rettet im Zweiten Weltkrieg in der Schlacht um Okinawa 75 Soldaten das Leben, ohne einen einzigen Schuss abzufeuern.

Die faszinierende Geschichte von Desmond Doss, der als Kriegsdienstverweigerer von US-Präsident Harry Truman die Medal of Honor erhalten hatte, stand jahrzehntelang bei Hollywood auf der Agenda. Aber Doss weigerte sich, die Verfilmungsrechte an seiner Lebensgeschichte zu veräußern, weil er unter anderem fürchtete, dass eine Filmversion seine Biographie verzerren würde. 2004 erklärte er sich schließlich bereit, die Rechte an Terry Benedict zu verkaufen, der den Dokumentarfilm " The Conscientious Objector" drehte, welcher zum Ausgangspunkt für "Hacksaw Ridge" wurde.

Nach Doss' Tod im Jahr 2006 begann eine Rechte-Odyssee und vor allem ein Finanzierungsmarathon, der am Rande der Berlinale 2015 mit zahlreichen Co-Produktionspartnern mit Summit Entertainment an der Spitze beendet werden konnte. Als Regisseur für das US-Drama konnte Mel Gibson gewonnen werden, der seit 2006 und "Apocalypto" keinen Streifen mehr inszeniert hatte.

Gibson holte die US-Produktion in sein Heimatland Australien, wo er für 40 Millionen Dollar in den Fox Studios in Sydney und hauptsächlich in New South Wales drehte. Sein Meisterwerk, das sich weitgehend an die Tatsachen hält, nutzt das Vermächtnis eines Pazifisten als Grundlage eines packendes Tributs an Glauben, Tapferkeit und den Mut, seinen eigenen Überzeugungen treu zu bleiben.

Die Premiere für "Hacksaw Ridge" gestaltete sich viel versprechend: Auf den Filmfestspielen von Venedig 2016 erhielt das Werk eine zehnminütige Stehende Ovation. Es folgten durchweg gute Kritiken und ein finanzieller Erfolg in Höhe von 175 Millionen Dollar weltweit, wobei der Großteil interessanter Weise aus dem Ausland kam.

Für den über Jahre aus der Hollywood-Gesellschaft ausgeschlossenen Gibson, der durch alkohohlgeschwängerte Ausfälligkeiten zum Kassengift geworden war, wurde der Film endgültig zum Triumph, als er am Abend des 26. Februar 2017 im Dolby Theatre Platz nehmen konnte. Sein "Hacksaw Ridge" war für sechs Academy Awards nominiert, von denen er zwei gewinnen konnte. Cutter John Gilbert wurde ausgezeichnet und - nach 20 Nominierungen - Tonmischer Kevin O'Connell. Leer gingen der Film, Regisseur Mel Gibson, Hauptdarsteller Andrew Garfield und die Ton-Cutter aus.

Bei den Golden Globes waren der Film, Regisseur Gibson und Haupdarsteller Garfield nominiert. Cutter Gilbert gewann den Britischen Filmpreis; nominiert waren hier das Drehbuch, Hauptdarsteller Garfield, Maskenbildner Shane Thomas und die Tontechniker. Garfield war darüber hinaus für einen Screen Actors Guild Award nominiert, womit er den seltenen Grand Slam der großen vier Schauspielpreise erreichte.

Am Rande: Bei den Goldenen Himbeeren gewann Mel den "Redeemer Award" für sein grandioses Comeback als Regisseur. Selbst die spottenden Auslober der Preise für die schlechtesten Leistungen des Filmjahres kamen hier nicht umhin, dem damals 60-Jährigen ihre Reverenz zu erweisen.

Kritiker Richard Brody befand in "The New Yorker": "Mel Gibson hat einen Film gedreht, der nahezu pathologisch in seiner Liebe für Brutalität ist - aber nichtsdestotrotz balanciert er diese amoralische Lust mit einem Verständnis für die psychologischen Verheerungen aus, die Krieg anrichtet."



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