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Easy Rider - Peter Fonda und Dennis Hopper
Easy Rider - Peter Fonda und Dennis Hopper

TV-Tipps für Sonntag (28.7.): Peter Fonda und Dennis Hopper drehen auf

Arte zeigt "Easy Rider"

Ein echter amerikanischer Klassiker steht bei Arte im Spätprogramm auf dem Spielfilmplan: "Easy Rider", der wohl bekannteste Vertreter der Gegenkultur der Sechziger, mit dem Jack Nicholson zum Star wurde. Die Woche klingt aus mit der scharfsinnigen britischen Komödie "Made in Dagenham", das in Deutschland idiotischer Weise als "We Want Sex" veröffentlicht worden ist.

"Easy Rider", Arte, 22:20 Uhr
Zwei junge Männer (Peter Fonda und Dennis Hopper) fahren mit ihren Motorrädern von Los Angeles nach New Orleans, um dort mit dem Verkauf von geschmuggeltem Rauschgift das große Geld zu machen.

1998 wurde "Easy Rider" von der US-Library of Congress als "kulturell, historisch oder ästhetisch bedeutsam" ins National Film Registry aufgenommen, um es der Nachwelt zu erhalten. Bei wenigen Werken trifft es das Wort "kulturell" so sehr wie bei diesem US-Drama, das kaum von seiner Entstehungszeit zu lösen ist. Provokant, faszinierend schön und bahnbrechend, fasste dieser Streifen 1969 wie kein zweiter die Träume und Hoffnungen der US-Gegenkultur in den sechziger Jahren und deren Platzen zusammen. Er erforscht die sozialen Verfasstheiten und Spannungen der US-Gesellschaft wie das Aufkommen der Hippie-Bewegung, den Drogenkonsum und das Leben in Kommunen ebenso wie das aggressive Unverständnis vieler Menschen.

Die für nur 400 000 Dollar gedrehte Columbia Pictures-Produktion - das Lizensieren der vielen Songs war einer der größten Posten - kam zur genau rechten Zeit. Mit weltweit 60 Millionen Dollar Umsatz wurde sie ein Riesenerfolg und öffnete Hollywood die Augen, dass es auch für durch junge Filmemacher erzählte, dem Leben abgelauschte Stoffe ein Publikum gab. Die Jahreskino-Charts der USA im Jahr 1969 zeigten die Zeitenwende des New Hollywood bereits an: Hinter "Butch Cassidy and the Sundance Kid" rangierten "Midnight Cowboy" und eben "Easy Rider". Keine Filme, für die man die Großmutter mit ins Kino nahm, aber offensichtlich solche, die den Zeitgeist trafen.

Hinter dem Phänomen "Easy Rider" standen Peter Fonda und Dennis Hopper, die nicht nur die Hauptrollen übernahmen, sondern auch zusammen mit dem Schriftsteller Terry Southern das Drehbuch schrieben; Hopper führte Regie. Wobei viele Szenen improvisiert und für kleinere Rollen Laiendarsteller engagiert wurden, um die Authentizität zu erhöhen. Ebenso wie die Dreharbeiten vor Ort ohne künstliche Beleuchtung. Viele seiner Stimmungen und Botschaften wurden durch die von Fonda zusammen gestellten Songs transportiert. Die beiden Künstler hatten bereits bei "The Trip" von 1967 zusammen gearbeitet, zu dem Jack Nicholson das Drehbuch verfasst hatte. Letzterer übernahm eine Nebenrolle, die sein Durchbruch zum Star werden sollte.

Bei den Filmfestspielen von Cannes ging die Goldene Palme an den britischen "If...", der ebenfalls ein Beispiel für die Gegenkultur im Kino darstellt, aber Dennis Hopper wurde mit einem Preis für den besten Erstlingsfilm ausgezeichnet. Bei den Academy Awards wurden das Drehbuch und Nebendarsteller Jack Nicholson nominiert, der auch Golden Globes- und BAFTA-Nennungen erhielt.

Ein Zuschauer lobt: "Ein cooler, ungemein unterhaltsamer Film mit ungewöhnlicher Kraft, mächtigen Szenen mit fließenden Kamerabewegungen und psychedelischen Bergaussichten. Großartige Darsteller machen dies mit der phantastischen Photographie von Laszlo Kovacs und einem Schluss, der das Publikum herausfordert, zu einem wahren amerikanischen Klassiker. Übrigens: Wenn die Schauspieler zugedröhnt sehr überzeugend wirken, könnte es daran liegen, dass sie tatsächlich Marihuana rauchten, wie man munkelt. Das hat funktioniert."



"We Want Sex", ARD, 00:25 Uhr
1968 bestreiken Arbeiterinnen die Ford-Werke im Londoner Stadtteil Dagenham als Protest gegen sexuelle Diskriminierung.

Wer immer beim deutschen Verleiher TOBIS oder sonstwo dafür verantwortlich ist, "Made in Dagenham" - so der Originaltitel - mit diesem dämlichen, irreführenden, unlustigen Titel versehen zu haben, sollte noch nachträglich eine Gehaltskürzung erhalten. Der Ausdruck "We Want Sex" spielt als witziges Missverständnis in diesem britischen Drama von 2010 zwar eine Rolle, hat hier aber als Titel zu Nigel Cole's Film nichts verloren.

Die britische Komödie erzählt weitgehend auf Tatsachen beruhend von dem Streik der 850 Arbeiterinnen im Autowerk von Ford im Londoner Stadtteil Dagenham im Jahr 1968, die mit ihrer Arbeitsniederlegung gegen sexuelle Diskriminierung und für gleiche Bezahlung im Vergleich zu den männlichen Kollegen stritten.

Cole ("So was wie Liebe") gelingt es mit seinem warmherzigen und auch humorvollen Werk, die ambivalente Atmosphäre der Zeit überzeugend einzufangen: Nicht überall ist Swinging London angekommen - hinter den Fabriktoren herrscht noch ein Hauch von Frühkapitalismus. Mit einer überzeugend geschnittenen Mischung aus Archivmaterial, nachgestellten Szenen und den neuen Spielszenen um feine Darstellerinnen wie Sally Hawkins, Rosamund Pike, Miranda Richardson und Andrea Riseborough führt er die Zuschauer überzeugend in den Konflikt ein - um diesen am Ende ein wenig zu adrett und glatt aufzulösen.

Die Kritiker mochten den Streifen, und im Vereinigten Königreich wurde er ein moderater Erfolg. In Deutschland kam der Film, der 2014 in London als letztlich erfolgloses Musical mit Gemma Arterton in der Hauptrolle auf die Bühne kam, in nur wenige Kinos und hatte dementsprechend wenige Zuschauer.

"Made in Dagenham" war für vier Britische Filmpreise nominiert: Als "Bester britischer Film", für Nebendarstellerin Miranda Richardson, für die "Besten Kostüme" und für die "Beste Maske".

Kritiker Roger Moore befand für "Tribune News Service": "Eine schnodderige und erbauliche 'Basierend auf einer wahren Geschichte'-Handlung, die ihre Vorhersehbarkeit mit glänzenden Darstellungen, einer Prise Witz und viel Herz wettmacht."



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