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Ant-Man - Evangeline Lilly, Paul Rudd und Michael Douglas
Ant-Man - Evangeline Lilly, Paul Rudd und Michael Douglas
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

TV-Tipps für Samstag (21.3.): Paul Rudd dreht ein kleines großes Ding

Vox zeigt "Ant-Man"

Am Samstagabend ist für Spielfilmfreunde Heldenzeit. Erst im Spätprogramm von Vox mit dem Mini-Maxi-Helden des Marvel Cinematic Universe "Ant-Man", dann im Sat1-Nachtprogramm mit Jet Li in "Kiss of the Dragon".

"Ant-Man", Vox, 22:00 Uhr
Ein Einbrecher (Paul Rudd) in einem Anzug, der ihn auf Insektengröße schrumpfen lässt, hilft einem Wissenschaftler (Michael Douglas), einen Diebstahl durchzuführen, der den Lauf der Welt beeinflussen wird.

Der englische Regisseur und Drehbuchautor Edgar Wright ("Baby Driver") hegte schon lange die Ambition, die Marvel Comic-Figur Ant-Man auf die Leinwand zu bringen und wurde bereits 2006 von Marvel Studios engagiert, ein Drehbuch zu schreiben, das sie für einen ihrer ersten selbst produzierten Streifen nutzen wollten. Einige Drehbuchfassungen und Jahre später - inzwischen hatte sich das Marvel Cinematic Universe als eine Kassenschlagerwucht erwiesen - stellten Wright und Marvel-Boss Kevin Feige auf der San Diego Comic-Con 2012 gemeinsam erste Probeaufnahmen vor, die positiven Anklang fanden. Wright befand sich im Herbst 2013 in Los Angeles für die Vorproduktion; die Dreharbeiten zum zwölften MCU-Werk sollten 2014 beginnen.

Und dann war auf einmal Schluss. Im Mai 2014 verkündeten Marvel Studios, dass Edgar "aufgrund unterschiedlicher Sichtweisen auf den Film" die Produktion verlassen habe. Wright hatte sauer aufgestoßen, dass man das Drehbuch von einer dritten Person habe neu schreiben lassen wollen, nachdem er dort jahrelange Arbeit investiert hatte. Das Studio wiederum hatte Sorge, dass der Filmemacher "Ant-Man" nicht im Stil der Marvel-Filme drehen würde - was Hauptdarstellerin Evangeline Lilly bestätigte: "Es wäre ein großartiger Film geworden, aber ein Edgar Wright-Film, kein Marvel-Film."

Marvel engagierten Peyton Reed ("Ant-Man and the Wasp"), der bis dahin durch Komödien bekannt geworden war, als Wright-Nachfolger, und ließen Adam McKay ("Vice") und Hauptdarsteller Paul Rudd sein Drehbuch überarbeiten. Die Dreharbeiten fanden für 130 Millionen Dollar in der zweiten Jahreshälfte 2014 in San Francisco und in den Pinewood Atlanta Studios in Fayette County im US-Bundesstaat Georgia statt.

Auch ohne Edgar Wright's Handschrift unterscheidet sich "Ant-Man" vom Rest der Marvel-Comic-Verfilmungen und zwar angenehm in seiner nicht nur buchstäblich kleineren Herangehensweise. Endlich ging es mal nicht um die Rettung der Welt, sondern der US-Science Fiction-Film erzeugt seine Spannung mit einer nachgerade altmodischen Diebstahl-Geschichte, in welcher der sympathische Paul Rudd in der Titelrolle glänzte.

Alles richtig gemacht, konnten sich Marvel am Ende sagen lassen: Die Kritiken zu der Walt Disney Studios-Produktion waren 2015 gut, und mit weltweit 519 Millionen Dollar wurde auch das neuerliche MCU-Opus ein Riesenerfolg. Bei den Britischen Filmpreisen waren die Visuellen Effekte nominiert.

Kritiker Sean Collier schrieb in "Box Office Prophets": "Ein gutes und unterhaltsames Kapitel in der MCU-Saga. Oft witzig, eine großartige Besetzung, und die Effekte sind beeindruckend."



"Kiss of the Dragon", Sat1, 01:20 Uhr
Ein verratener Spion (Jet Li) tut sich mit einer Prostituierten (Bridget Fonda) zusammen, um seine Unschuld in einer tödlichen Verschwörung zu beweisen, während er ihr umgekehrt einen Gefallen tut.

Jet Li-Fans sind generell mit dessen amerikanischen Spielfilmen unzufrieden: Zu wenig Martial Arts und echte Stunts, zu viel Explosionen und computergenerierte Bilder. Dieser französische Thriller war 2001 Li's persönlicher Versuch, wieder mehr an die chinesischen Streifen anzuknüpfen, mit denen er in den Neunzigern bekannt geworden war. Um dies zu erreichen, mied er Hollywood und nahm den Umweg über Frankreich.

Mit einer Handlungsidee ging der Schauspieler zu Luc Besson ("Lucy"), den französischen Action-Spezialisten, der aus der Story-Idee ein Drehbuch fertigte und das Werk dann auch produzierte. Die Regie übernahm der ebenfalls französische Regisseur Chris Nahon ("Blood: The Last Vampire"), der die Produktion auf Englisch drehen ließ, um die Chancen auf den internationalen Märkten zu erhöhen.

Die Filmemacher strebten pure Action an, welche die Fans des Hauptdarstellers zufrieden stellen sollte: Gedreht wurde bis auf wenige Ausnahmen ohne CGI-Bilder und bis auf den letzten Kampf zwischen Jet und Cyril Raffaelli auch ohne die Unterstützung der Stuntmänner und Schauspieler durch Drähte. Zudem wollte man auch keine Zuckerguss-Version herstellen, die Kämpfe ohne Gewalt und Blut zeigt, und sparte an beidem nicht. Zu viel für die chinesischen Zensoren, die eine Aufführung des Films wegen zu viel Gewalttätigkeiten verboten.

Luc Besson und Co. schafften halbwegs, was sie wollten: Ihre Produktion löste zwar kein Feuerwerk an den Kinokassen aus, spielte mit weltweit 64 Millionen Dollar aber mehr ein als die mit 25 Millionen Dollar veranschlagten Produktionskosten, und erreichte immerhin gemischte Kritiken. Wer nach Handlung, Glaubwürdigkeit oder Figurenentwicklung sucht, ist hier falsch. Aber der 08/15-Film hält sein ureigenstes Versprechen: Klasse Action ohne Computer-Gedöns.

Ein Zuschauer lobt: "Nachdem Jet Li's Fans mit dem unechten, CGI-unterstützten 'Romeo Must Die' enttäuscht wurden, kehrt er hier zu praktischen, Mann gegen Mann-Kämpfen zurück. Die Handlung mag weit hergeholt sein, aber Action-Choreograph Cory Yuen inszeniert alles in der realistischsten und elegantesten Weise, ohne glorifizierte Waffen. Nach all den weichgespülten PG-13-Action-Filmen ist dieser atemberaubende und sehr brutale Film wie ein Hauch frischer Hardcore-Luft."



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